Ein weit verbreiteter Irrtum über das UFO-Phänomen ist der, dass es seinen Anfang erst 1947 mit der Sichtung von Kenneth Arnold über dem Mt. Rainier-Gebirge nahm. Zwar begann das „moderne UFO-Zeitalter“ an jenem denkwürdigen 24. Juni, doch Berichte über außergewöhnliche Flugobjekte lassen sich auch in historischen Epochen eruieren.
Einer der meiner Meinung nach interessantesten Berichte stammt zweifelsfrei vom Erzbischof Agobard. Agobard von Lyon wurde um 779 in der Nähe von Narbonne geboren. Er gehörte damals zu den ersten „Rationalisten“ des frühen Mittelalters und schrieb über 20 Bücher, die sich unter anderem mit den Naturerscheinungen auseinandergesetzten.
In seinem Werk „Agobardi liber contra insulam vulgi opinionem de grandine et tonitruis“ berichtet er voller Bedauern, dass das einfache Volk an eine zauberische Gesellschaft glaube, welche das Getreide in großen Massen fortstehle und auf Schiffen durch die Luft nach einem fabelhaften Land, Magonia, fortführe, um es dort zu verkaufen.
Die Festnahme der „Luftschiffer“
In den Überlieferungen ist zu erfahren, dass einmal vier Menschen aus diesen „Wolkenschiffen“ stürzten und von der aufgebrachten Menschenmenge in Ketten gelegt und fast gesteinigt worden wären. Erzbischof Agobard schritt ein und nach langem Streit wurden die vier bedauernswerten Menschen freigelassen.
Im griechischen Originaltext ist jedoch von „Weisen aus dem Osten“ die Rede und nicht von Königen. Die Magoi waren die Priesterkaste der Perser und Meder, die auch in der Sternenkunde ausgebildet waren.
Dass die Magoi nun in Wolkenschiffen über Frankreich unterwegs gewesen sein könnten, ist äußerst interessant. Sie könnten sich vor Ort als „Magoi“ ausgegeben haben, was dann den Rückschluss auf ihr Herkunftsland, die sagenumwobene „Magonia“, erlaubte. So wurde der Berufsstand zur Nationalität, und aus dieser wiederum wurde auf das Herkunftsland geschlossen.
Der lateinische Originaltext
Schon erwähnter Agobardus Lugdunensis, besser bekannt als Agobard von Lyon, veröffentlichte den Text zu den Magoniern in seiner Schrift „De Grandine et Tonitruis“ („Über Hagel und Donner“) aus dem Jahr 817 n. Chr. im Lateinischen:
„Plerosque autem vidimus et audivimus tanta dementia obrutos, tanta stultitia alienatos, ut credant et dicant quandam esse regionem, quae dicatur Magonia, ex qua naves veniant in nubibus, in quibus fruges, quae grandinibus decidunt et tempestatibus pereunt, vehantur in eamdem regionem, ipsis videlicet nautis aëreis dantibus pretia tempestariis, et accipientibus frumenta vel ceteras fruges.
Ex his item tam profunda stultitia excoecatis, ut haec posse fieri credant, vidimus plures in quodam conventu hominum exhibere vinctos quatuor homines, tres viros et unam feminam, quasi qui de ipsis navibus ceciderint; quos scilicet per aliquot dies in vinculis detentos, tandem collecto conventu hominum exhibuerunt, ut dixi, in nostra praesentia, tanquam lapidandos.
Sed tamen vincente veritate, post multam ratiocinationem, ipsi qui eos exhibuerant, secundum propheticum illud confusi sunt, sicut confunditur fur quando deprehenditur.“
Ins Deutsche übersetzt lautet das heute etwa so:
„Wir haben viele gesehen und gehört, die so sehr von Wahnsinn erfasst und von Torheit verblendet sind, dass sie glauben und behaupten, es gebe ein Land namens Magonia, aus dem Schiffe in den Wolken kämen, in denen die Feldfrüchte, die durch Hagel und Stürme zerstört wurden, in eben dieses Land transportiert würden.
Die Luftschiffer würden den Wettermachern (Tempestarii) Bezahlung geben und im Gegenzug Getreide oder andere Feldfrüchte erhalten.
So sehr sind einige durch diese tiefe Torheit geblendet, dass sie glauben, dies könne wirklich geschehen. Wir sahen, wie mehrere von ihnen bei einer Versammlung vier Menschen vorführten – drei Männer und eine Frau –, die angeblich aus diesen Schiffen gefallen seien.
Diese wurden einige Tage lang in Fesseln gehalten und schließlich, wie gesagt, in unserer Gegenwart der versammelten Menge zur Steinigung präsentiert.
Doch die Wahrheit siegte: Nach vielen Argumenten wurden diejenigen, die sie vorgeführt hatten, gemäß dem prophetischen Wort beschämt, wie ein Dieb beschämt wird, wenn er ertappt wird.“ ʬ