Der Poltergeist von Enfield (1977/78)
Die Familie, in der sich 1977/78 alles abspielte, gehörte dem englischen Prekariat an und bestand aus Mrs. Hodgson (damals 47), Margaret (13), Janet (11) als „Epizentrum“, Jonny (10) und Billy (7).
Eigentümlich war, dass Janet mit „fremden Zungen“ sprach, entweder selbst oder durch eine Bariton-Stimme in ihrer Nähe, also intervallweise als „Kanal“ diente, aus dem sich verschiedene „Geister“ zu Wort meldeten.
Allen gemeinsam war, dass sie zu obszöner Gossensprache neigten, zumeist mit sexuellen Inhalten so „gewürzt“, dass es selbst englischen Matrosen die Haare aufstellen würde.
Daneben schien sie oft regelrecht besessen, und wenn Gegenstände anfingen, durch die Luft zu fliegen, drehte auch sie völlig durch und begann, mit Dingen um sich zu werfen.
Anrüchige Manifestationen und Phantomwesen
Irgendwie belustigend, zumindest für den Außenstehenden mit schwarzem englischem Humor, ist, dass sich viele Phänomene auf dem Klo abspielten und Exkremente, flüssig, halbfest oder fest, herumflogen oder sich irgendwo manifestierten.
In einem Falle wurde der plötzlich aufgetauchte Urin untersucht. Er stammte von einer Katze, die Familie hatte aber keine.
Neben dem üblichen Gepolter erschienen immer wieder Phantomgestalten, Schattenwesen, ein
dicker Mann, der Grimassen schnitt, und eine alte Frau am Fenster.
Wenn die Phänomene auf Janet zurückgehen sollten, konnte sie also nicht nur Gegenstände durch ihren „Geist“ bewegen, sondern auch Tulpas erschaffen.
Dann kann man sich natürlich auch fragen, ob nicht alle Paranauten von den Zeugen selbst geschaffen werden! Ich denke da etwa an Bigfoot, Ufonauten oder andere „Wi(e)dergänger“!
Animalische Spuren und der „Hundegott“
Es gab in der Familie einen natürlichen „Detektor“ für die Anomalien, Mrs. Hodgson, die kurz vor neuer Unruhe Kopfschmerzen bekam! Bauten sich irgendwelche „Felder“ auf, die sie sensibel wahrnehmen konnte?
Hinzu gesellten sich bei allen Familienmitgliedern Träume, in denen es um Hunde und deren Exkremente ging. Alles in allem schienen die „Macher“ der Anomalien irgendwie animalisch.
Neben einer fühl-, aber unsichtbaren Phantomkatze, die auf die Betten sprang, wurde auch ein Phantomhund gesehen, und die Stimme(n), die aus Janet sprach(en), gab(en) an, mit einem Rudel von 58 Hunden zu leben.
Bei einem anderen Fall aus London hatte man den Eindruck, es mit einem unsichtbaren Bigfoot zu tun zu haben! Dass Janet hier und da anfing zu bellen, erstaunt nicht weiter!
Die wahre Identität des Poltergeistes
Glaubt man den Filmen und Dokumentationen zu Enfield, war der Verursacher der Phänomene ein im Haus verstorbener Vormieter namens Bill Wilkinson.
Eine der Stimmen, die aus Janet sprach, behauptete dies. Daneben wurde in dem amerikanischen Spielfilm zum Thema angedeutet, dass er seine Tochter sexuell missbraucht habe.
Tatsächlich ergaben die Recherchen von Willin, dass er an Kehlkopfkrebs in einem Krankenhaus verstorben und ein durchaus angenehmer Zeitgenosse gewesen war, was sowohl sein Sohn als auch dessen Bekannte bestätigten!
Dass Poltergeister alle möglichen Identitäten als eigene angeben, ist bekannt. Dies hätte auch den untersuchenden Parapsychologen bekannt sein müssen!
Manchmal aber geben Poltergeister Statements ab, die einen realen Hintergrund haben könnten! Der in Enfield gab ungefragt an, 3000 Jahre alt zu sein und „ZEBEDEE“ zu heißen. Letzteres ist lautmalerisch wiedergegeben, man weiß nicht, wie sich der Name tatsächlich schreibt.
Da „Geisterhunde“ in dem Fall eine Rolle spielen [sowohl akustisch, visuell als auch in Träumen], könnte man sich fragen, welcher 3000 Jahre alte „Hundegott“ [oder Gott in der Begleitung eines Rudels? Vorform der „Wilden Jagd“?] bekannt ist, der einen Namen trägt, der nach ZEBEDEE klingt?
Die Rolle der Warrens und Lichterscheinungen
Das amerikanische Parapsychologenpaar WARREN war mir schon immer suspekt! Sie tauchten unangemeldet in Enfield auf und wollten den Hodgsons zeigen, wie man den Fall „kapitalisieren“, also daraus seinen Gewinn schöpfen kann.
Daneben polemisierten sie gegen Grosse & Playfair, was nicht dem englischen Fairplay entsprach und von Mrs. Hodgson abgewiesen wurde!
Ein Evergreen bei Paraphänomenen sind Lichtkugeln beziehungsweise Lichterscheinungen [in der Blog-Nomenklatur „Uforbs“ genannt].
So beobachtete der Bruder von Mrs. Hodgson im Hause seiner Schwester, als er gerade an der Treppe stand, ein längliches, etwa 12 Zoll breites, grün-fluoreszierendes Licht, welches wirkte, als würde man es durch gefrorenes Glas hindurch betrachten, einige Stufen über sich.
Er hatte den Eindruck, dass es irgendwie „brennen“ würde. Es zog dann seitlich davon und verschwand! Möglich, dass dieses Licht, was immer es auch war, hinter den Phänomenen steckte und so „Gesicht zeigte“!
Mittelalterliche Poltergeister: Christina von Strommeln
Manchmal frage ich mich, wie alt die Phänomene sind, die uns beschäftigen? Polterte es schon in den Höhlen und Grotten, die von Steinzeitlern behaust wurden?
Der älteste mir bekannte Poltergeistfall datiert auf das Mittelalter und geht auf die Nonne Christina von Strommeln zurück, die 1312 verstarb. Auch hier spielten umherfliegende Exkremente eine Rolle!
„Charakteristisch sind in ihrer Gegenwart einmal telekinetische Manifestationen: Dinge bewegen sich ohne jede materielle Ursache. Steine fliegen durch die Luft, Fenster und Türen werden zerschlagen, Kleider zerreißen … Die Selige selbst wird durch die Luft geschleudert. […]
In der Kirche ‚kam der Dämon, riss Heringe aus der Schüssel, beschmutzte die letzteren und warf sie mit dem Kot in die verschlossene Beginenklause, die auch beschmutzt wurde’. Sie selbst und die Leute in ihrer Umgebung pflegten besonders zur Adventszeit vom Teufel mit menschlichen Exkrementen beschmiert zu werden. […]
Zahlreich sind die Brandphänomene, die an ihr und um sie auftraten. Brandblasen, Verbrennungen besonders im Gesicht, der Eindruck, ihr Leib, ihre Umgebung, bestimmte Dinge stünden in Flammen. […]
Nicht selten sind auch die Menschen in der Umgebung Christinas in über das Unangenehme hinausgehender Weise in Mitleidenschaft gezogen:
Der Vater wird mit Steinen an Kopf und Arm verwundet, seine Schwester an der Stirn; ein Prior erleidet elf Bisswunden an der Hand, ähnlich ergeht es vielen anderen. […] Nach 1288 endeten die übersinnlichen Manifestationen abrupt, und Christina lebte die folgenden 24 Jahre in Ruhe.“
Überlagerung von Phänomenen
Interessant wird es, wenn sich verschiedene paranormale Phänomene / Anomalien überlagern.
„Ein anderer Fall ist der, der 1905 geborenen Ida Peerdeman aus Amsterdam, die seit ihrem zwölften Lebensjahr Marienerscheinungen schaute: Bei I. Peerdeman wurden plötzlich Türen von Zimmern und Kästen aufgerissen und zugeschlagen, der Zeiger der großen Wanduhr begann rasend zu kreisen und die Deckenlampe fing zu schleudern an, grelle Pfiffe und helles, hohes Pfeifen waren zu hören, Klauengriffe hinterließen Spuren an ihrem Hals usw. Nachts hatte sie das Gefühl, erwürgt zu werden.“