Wer ufologische Fallkataloge liest, wird recht bald feststellen, dass sich die Objekte der jeweiligen Zeit und Kultur anpassen, was äußere Erscheinung und „Gehabe“ betrifft.
Während in den 1950er- und 1960er Jahren Steampunk - Raumschiffe mit Aliens beobachtet wurden, die klobige Weltraumanzüge trugen, ist heute alles schnittig-futuristisch verbaut und eingerichtet, und plötzlich brauchen die Ufonauten auch keine umständliche Arbeitskluft mehr.
In Virginia hat sich 1987/88 etwas abgespielt, was diesen Umstand zwar bestätigt, jedoch in eine völlig andere Richtung wies. Dem Phänomen ist entweder ein „Fehler“ unterlaufen, oder es erprobte eine völlig andere Strategie der Verwirrung.
Ort des Geschehens war Wytheville im Wythe County mit damals 26.000 Einwohnern im ganzen County. Es begann mit einer UFO-Sichtung mehrerer Polizeibeamter am 7. Oktober 1987, die eine „klassische“ fliegende Untertasse sahen. Was also für unsere Verhältnisse „normal“ anfing, nahm eine merkwürdige Wendung.
Schon wenig später meldeten Zeugen, dass sie von flugzeugähnlichen Vehikeln verfolgt wurden, die aerodynamisch keinen Sinn ergaben, sich dessen ungeachtet mit sehr hoher Geschwindigkeit bewegten und am liebsten Automobilisten auf den Straßen verfolgten.
Andere „UFOs“ sahen aus wie karikierte Transportflugzeuge der Luftwaffe, schön mit „Tarnfleck“ garniert; wieder andere schienen eine Luftbetankung nachzustellen, und das auf Baumwipfelhöhe.
Immer wieder war auch von „hubschrauberähnlichen“ Luftfahrzeugen die Rede, die ihrerseits nichts Besseres zu tun hatten, als Autofahrer zu hetzen. Dabei handelte es sich um echte „Nahbegegnungen“, da man den Menschen ziemlich auf den „Pelz“ rückte.
Zwar gab es immer wieder noch Sichtungen „normaler“ UFOs, doch schienen die „adaptierten“ Formen das Gro der Eindringlinge zu stellen.
Zumeist waren sie mittwochs und donnerstags unterwegs, im Zeitfenster von 20 bis 22 Uhr. Es gab keinen einzigen Fall, in dem irgendwelche Geräusche von ihnen ausgingen.
Die Sichtungswelle weitete sich aus auf New York State, West Virginia und Tennessee, wobei mir unklar ist, für welche Form sich die Intelligenz dort entschieden hat – andere Staaten, andere Formen?
Der Staff Sergeant der Tennessee-Nationalgarde war der Ansicht, dass die Bewohner der fraglichen Areale Luftbetankungen am Himmel fehlinterpretiert hatten. Diese Erklärung hatte aber zwei Schönheitsfehler:
✔ Die Luftbetankungen werden dort in einer Höhe von über 8.000 Fuß durchgeführt und nicht auf Baumwipfelhöhe. Betankte Flugzeuge verfolgen auch keine Autos.
✔ Die Niederlassung der Nationalgarde befindet sich seit Jahrzehnten vor Ort; Luftbetankungen sind für die Einwohner also ein „alter Hut“!
Besonders bizarr war die Sichtung einiger „Transportflugzeuge“, die tiefer flogen, als die Hochsitze von Jägern hoch sind – so wurde es beschrieben. Auch diese hatten Tarnfleck angelegt, waren jedoch völlig geräuschlos, und kein Effekt eines zu niedrig fliegenden Flugzeuges wurde beobachtet.
Retrophänomene
Als ich noch mit meinen Eltern in Glasgow lebte, hatten wir in der Tagespresse immer wieder Berichte von „Geisterflugzeugen“ über dem UK – nicht nur über England!
Dabei sollte es sich um Flugzeuge aus dem Zweiten Weltkrieg handeln, die über den Himmel zogen, dabei oft unter Feuer standen und abzustürzen schienen. Am vermeintlichen „Absturzort“ wurde jedoch nie etwas entdeckt.
In Virginia schien sich das Phänomen zu wiederholen. Denn die surrealen „Flugzeuge“ machten eine Zeitreise und sahen plötzlich aus wie ihre Kollegen aus den 1940er-Jahren, wobei auch hier der Eindruck aufkam, die Maschinen würden abstürzen oder in Häuser krachen.
Haben sich hier zwei anomalistische Phänomene vereint? UFOs und „Geisterflugzeuge“ als neues Gespann?
In drei Monaten kam es zu 1.500 Sichtungen. Die Autoren meiner Quelle äußern sich nicht zur „Formfrage“; ja, sie scheinen sich über die merkwürdige Auftretensart der „Raumschiffe“ nicht einmal gewundert zu haben!
Resümee
Die Sichtungswelle in Virginia steht mit ihren Besonderheiten nicht alleine. Diese „Fake-Flugzeuge“ tauchen immer wieder bei solchen UFO-Flaps auf. Offenbar „kalibriert“ sich das Phänomen vor Ort und passt seinen Fuhr- bzw. Flugpark den regionalen Bedingungen an – wenn auch schlecht.
Man kann hier durchaus von einem Trickster-Phänomen schreiben, einem absurden noch dazu; denn weder die „Flugzeuge“ noch die „Hubschrauber“ waren vernünftig angepasst und für jeden als „unecht“ erkennbar!ʬ
Quelle
Danny B. Gordon & Paul Dellinger: Don't Look Up! The Real Story Behind the Virginia UFO Sightings
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