Der Gedanke, dass wir in einer Simulation leben könnten, dürfte dem einen oder anderen spätestens seit den Matrix-Filmen als Konzept nicht unbekannt sein. Diese Überlegung griff der Computerwissenschaftler und Computerspiel-Entwickler Rizwan Virk in seinem Buch The Simulation Hypothesis auf. Virk schildert gleich zu Anfang des Buches eine interessante Anekdote:
Bei einem digitalen „Tischtennisspiel“ trug er ein Headset mit Datenbrille und ging im Cyberspace so auf, dass er den nicht vorhandenen „Schläger“ auf den ebenso nicht vorhandenen „Tisch“ ablegen und sich auf diesem sogar abstützen wollte. Die optische Auflösung war so perfekt, dass sein Gehirn die künstliche Umwelt für bare Münze nahm und auf sie reagierte – wie in der „wirklichen“ Wirklichkeit!
Das Simulationsprinzip gründet auf dem Gedanken, dass sowohl die Welt als auch unsere Körper künstlich-digital erschaffen worden sein könnten. Wirklich real und „authentisch“ wäre demnach nur unser Bewusstsein – oder, wenn man so will, die „Seele“. Diese soll sich außerhalb des „Spiels“ befinden und gelegentlich heruntergeladen werden, um sich in einem physischen Avatar zu manifestieren.
Das Konzept klingt nicht von ungefähr „religiös“, und man denkt dabei an die Reinkarnationslehre, welche den Körper als Gefäß für die Seele ansieht – was immer diese auch sein mag. Robert Lazar, der auf der Area 51 gearbeitet haben will, sprach von einem „Seelencontainer“. Die „Besucher“ wüssten, dass wir aus einer Dualität bestehen – Körper und Geist –, wobei der Körper lediglich einen Container darstellt.
Nicht ganz fern ist diese Vorstellung der mittelalterlichen Sicht, die im Äußeren einen „Madensack“ erblickte, in dem die Seele wohnte. Alles Umgebende sei eine Illusion – ein Maya, wie es die Inder nennen. Aus der Analogie zum Videospiel ließe sich auch das Konzept des Karma erklären:
Man würde mit dem „Spielstand“ einer vorangegangenen Existenz ein neues „Leben“ starten und hätte entsprechend neue Herausforderungen zu bewältigen – sozusagen die Hausaufgaben aus der Vorexistenz.
Die Grund- und Kernfrage ist jedoch:
Wer oder was ist das Bewusstsein, das in unserem Leibe steckt? Dient das „Spiel“ der Unterhaltung oder hat es einen wissenschaftlichen Hintergrund?
Recht sinister ist die Vorstellung, dass wir keine Menschen sind, aber von der Menschheit lernen – womöglich nicht zu deren Vorteil.
Virk beleuchtet die Entwicklung digitaler Technologien und ist der Ansicht, dass wir selbst kurz davorstehen, Lebenssimulationen zu starten – spätestens mit dem Quantencomputer!
Dass Ereignisse des Lebens gespeichert werden, ist sowohl Bestandteil religiöser Lehren als auch anomalistischer Phänomene. Man denke nur an den „Lebensfilm“, der Menschen gezeigt wird, die außerkörperliche Erfahrungen oder Nahtoderlebnisse hatten!
Sie sehen ihre vorangegangene Existenz nicht nur aus der eigenen Perspektive im 360°-Modus, sondern auch aus dem Blickwinkel anderer Menschen!
Rein rechnerisch ist der Gedanke, dass wir uns in einer Simulation befinden, nicht unwahrscheinlich. Eine einzige technische Zivilisation könnte Milliarden solcher „Spiele“ gleichzeitig betreiben. Wie hoch ist demgegenüber die Zahl der uns bekannten belebten Welten in den Weiten des Weltraums?
Der Autor greift im Buch immer wieder auf Konzepte des Hinduismus und Buddhismus zurück. Faszinierend ist, dass Hindus die Existenz einer Seele als eigenständige Entität ansehen, während sie für Buddhisten ein Amalgam karmischer Verstrickungen ist – ein „Bag of Karma“, der sich auflöst, wenn auch die Verstrickungen verschwinden. Ein interessanter Hinweis auf die mögliche Struktur unseres körperlosen Bewusstseins, das ich hier einmal mit der „Seele“ gleichsetze.
Man denke hier an die bekannte Schrift Six Yogas of Naropa von einem Tibeter namens Marpa. Solche nichtphysischen Existenzen kennt man bei uns als „Walk-Ins“, für die der Leib nur ein Transportmittel ist. Im Christentum liegt hierin die Grundlage für die dämonische „Besessenheit“.
Das Buch gliedert sich in zwei Schwerpunktthemen: die digitale und technische Entwicklung sowie die geistige Nähe der Simulationshypothese zu religiösen Konzepten und Vorstellungen.
Das Konzept ist ausgesprochen elegant und überzeugend. Ob wir in einer Simulation leben oder nicht, möge jeder für sich selbst entscheiden.
Die Argumente dafür sind jedoch so stichhaltig, dass man den Gedanken ruhig einmal aufgreifen und weiterentwickeln sollte. Die uns beschäftigende Anomalistik mit ihren grotesken Phänomenen könnte ein Hinweis auf eine „reale“ Matrix sein!ʬ
"Simulanten" & Avatare
Die Simulations- oder Matrix-Theorie hat den verführerischen Reiz, alles erklären zu können. Das beginnt bei den Religionen – „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde“ – bis hin zu anomalistischen Phänomenen wie JOTT. Folglich habe ich mir das Buch The Simulated Multiverse von Rizwan Virk zugelegt. Ich möchte nicht behaupten, wirklich verstanden zu haben, wie eine solche Simulation umzusetzen und zu kreieren ist, aber Kenner der Quantentheorie und Computertechnik werden dem Autor folgen können.
Das Buch beginnt zwar „leicht“ mit dem Mandela-Effekt und seinen philosophischen Implikationen, steigert sich dann aber so sehr im Anspruch, dass der „Normalo“ nicht mehr mithalten kann – viele wissenschaftliche Erkenntnisse und Theorien werden einfach als bekannt vorausgesetzt und nicht weiter erläutert. Wenn etwas „erklärt“ wird, dann so, dass die Fachnomenklatur zum Tragen kommt. Ein Laie wird mit der Materie kaum Spaß haben – ein Physiker hingegen könnte spannende Lesestunden damit verbringen!
Denkbar sind zwei Simulationsszenarien – und eine Mischung aus beiden! – für „unsere“ Realität auf Erden:
NPCs (Non-Player Characters):
Wir alle sind programmierte Geschöpfe, keine Individuen. Wir existieren nicht außerhalb des Systems. Das könnte erklären, wieso die Menschen heute so „einheitlich“ und „genormt“ wirken:
Gleiche Kleidung tragen – Jeans, T-Shirt und weiße Sneakers als „Mao-Look“ bei Weiblein & Männlein –, in Variationen die gleiche Musik hören, die gleichen Filme konsumieren und dieselben Urlaubsziele aufsuchen, als Masse leicht zu führen und zu beeindrucken sein.
Wer in einem Unternehmen schon einmal die Lebensläufe von Bewerbern studiert hat, wird wissen, was ich meine: genormte Leben wie aus der Legebatterie, Massenmenschen.
Wir sind Avatare, die von Wesen außerhalb des „Spiels“ geführt und geleitet werden und mit denen wir verbunden sind – wobei sie „emotional“ und „bewusst“ wir sind, ohne dass wir eine Erinnerung an das Leben außerhalb der Simulation haben!
Möglich wäre demzufolge, dass wir in der „realen Realität“ vielleicht 20 Meter große Krakenwesen sind, die mal wissen wollen, wie es sich anfühlt, ein Mensch zu sein und ein entsprechendes Leben zu führen. Vielleicht sitzen wir in dieser „realen Realität“ in einem Sternenzerstörer und steuern auf die Erde zu, um sie „zu übernehmen“. Die Informationen über Menschen haben wir in einer passenden Matrix herausarbeiten können.
Interessant ist Virks Verweis auf den SF-Autor Philip K. Dick, der bereits 1977 bei einem Vortrag in Metz/Frankreich die Theorie aufgestellt hatte, dass wir in einer Simulation existieren. Kann man das „Leben“ nennen?
Auf jeden Fall hatte er Informationen aus „erster Hand“, denn ihm hätten sich die „Matrix-Macher“ in Form von „SuperUsern“ offenbart!
Sie gaben an, die Zeit zu manipulieren und Ereignisabläufe zu verändern, wobei sie die Zeit vor- und zurücklaufen ließen. Diese „SuperUser“ hatten eine starke Affinität zu John Fitzgerald Kennedy, a.k.a. JFK offenbart.
Sie verhinderten Attentate in anderen Städten – etwa in Orlando/Florida – um ihn letztlich in Dallas sterben zu lassen. Offenbar hätte er, falls er keinem Attentat zum Opfer gefallen wäre, den Dritten Weltkrieg ausgelöst. Das erinnert an den verfilmten Roman 11/22/63 von Stephen King mit demselben Resümee! Man fragt sich, ob King ähnliche „Kontakte“ hatte bzw. mittels unbewusster Psychographie zu demselben Schluss kam?
Es wird jetzt natürlich gefragt, wieso Hitler bisher noch nicht aus der Geschichte „entfernt“ worden ist? Nehmen wir an, Hitler wäre als Kind bei einem Sturz vom Baum gestorben. Die Geschichte ohne ihn wäre aber womöglich nicht besser verlaufen!
Aus diesem europäischen Stahlgewitter hätte sehr leicht ein globales werden können – diesmal aber vielleicht ein oder zwei Jahre später, mit einem abgeschlossenen Uranprojekt und funktionstüchtigen Atombomben, die Europa ins atomare Nirwana befördert hätten!
Unter dieser Option wäre Hitler womöglich das kleinere Übel gewesen – wegen ihm verließen viele Wissenschaftler das Land, die ohne ihn geblieben wären. Was wohl auch erklärt, wieso er 42 Attentate überlebt hat!
Wie er sie überlebte, ist stellenweise so bizarr und unglaublich, dass er danach davon ausging, von der Vorsehung geleitet zu werden. Nachlesen kann man das im Buch Die 42 Attentate auf Hitler von Will Berthold. Soviel zum Thema der „Zeitkorrektur“!
In „unserer“ simulierten Quantencomputer-Welt würde die Zukunft auch „Signale“ in die Vergangenheit senden – meint zumindest John G. Cramer von der University of Washington, der von „Echo-Wellen“ spricht, die zurückströmen. Möglich, dass diese „Wellen“ von Menschen mit dem richtigen „Empfänger-Gehirn“ aufgefangen bzw. gelesen werden können – also Leuten wie Irlmaier & Co!
Virk bezieht sich auf die Arbeit eines Dr. Newton, der sich in seinem Buch Journey of Souls mit merkwürdigen Todesnaherlebnissen bzw. Bardo-Erfahrungen beschäftigt, in denen im Jenseits von laborartigen Örtlichkeiten mit viel Technik die Rede ist. Die „Seelen“ dort würden auf zukünftige Leben vorbereitet – so, als würden sie sich später in einen Körper laden, mit einer dazugehörigen „Cloud“ als „Karma“?
Ähnlich ungewöhnliche Erfahrungen bringt der Podcaster Jeff Mara, da wird als „Jenseits“ auch schon mal ein Raumschiff präsentiert, in dem man als Ufonaut Matrix-Erfahrungen als Mensch macht! Das Buch von Dr. Newton habe ich bestellt und erhalten – werde es demnächst mal gefällig zur Hand nehmen und studieren!
Das Thema ist völlig surreal und angewandte Full-Spectrum-High-Strangeness – da geraten wir wirklich an die Grenzen der Grenzgebiete.
Man sollte sich damit nur dann beschäftigen, wenn man entsprechende exzentrische Neigungen hat – was ich den langjährigen Lesern des Blogs durchaus unterstellen könnte!ʬ
Maya - Die große Illusion
Sie umgibt uns völlig und beschäftigt seit undenklichen Zeiten Philosophen und Forscher: die „Realität“. Dabei stellt sich durchaus die Frage, was das eigentlich ist, was wir als „real“ wahrnehmen. Mit unseren fünf Sinnen erreichen wir nur einen relativ kleinen Teilbereich des Spektrums.
Tiere und Pflanzen haben ihre eigene „Wahrnehmungsrealität“, die, soweit uns bekannt ist, in ihrer subjektiven Empfindung, Wiedergabe und Interpretation völlig anders beschaffen ist als die „unsere“.
Und selbst wir Menschen nehmen nicht alle dasselbe wahr. Kinder etwa leben in „ihrer“ Welt, ebenso wie Angehörige von Naturvölkern, die mit Fauna und Flora viel stärker verbunden sind als wir und deren kulturelle „Konditionierung“ andere Einblicke erlaubt.
Das holographische Universum
Es gibt also keine allgemeinverbindliche „Wirklichkeit“, eine Feststellung, die in zunehmendem Maße auch von Naturwissenschaftlern entdeckt und vertreten wird. So gibt es eine Vielzahl von neuen Weltbildern, die sich etwa aus der Beobachtung des subatomaren „Raumes“ erschließen.
Eine dieser neuen Thesen ist die des „holographischen“ Universums. Der amerikanische Autor Michael Talbot fasst die These wie folgt zusammen:
„Unser Gehirn konstruiert auf mathematischem Wege eine objektive Realität durch die Interpretation von Frequenzen, die letztlich Projektionen aus einer anderen Dimension sind, einer tieferen Seinsordnung, die sich jenseits von Raum und Zeit erstreckt. Das Gehirn ist ein Hologramm, das sich in einem holographischen Universum verhüllt. [...]
Die objektive Welt existiert nicht, jedenfalls nicht in der Form, die wir für gegeben halten. Was sich ‚da draußen‘ befindet, ist ein unermesslicher Ozean von Wellen und Frequenzen, und die Wirklichkeit erscheint uns deshalb konkret, weil unser Gehirn imstande ist, diese verschwommenen holographischen Eindrücke aufzunehmen und in die vertrauten Objekte zu verwandeln, die unsere Welt ausmachen.“
Die relative Beschaffenheit der Wirklichkeit
Unter diesem neuen Gesichtspunkt betrachtet – das Gehirn als „Transformator“ der „Wirklichkeit“, das aus „Wellensalat“ eine physische Welt „zaubert“ – wird für uns klar, dass die Beschaffenheit der „Realität“ transparenter und „relativer“ ist als gedacht.
Talbot führt in seinem Buch ein recht interessantes Beispiel aus eigener Erfahrung an, das unsere subjektive Selektion von „Informationen“ darstellt:
„Mein Vater hatte einen Berufshypnotiseur engagiert, um ein paar Freunden eine kleine Abwechslung zu bieten, und er hatte auch mich hinzugebeten. Nachdem sich der Hypnotiseur sehr schnell ein Bild von der Suggestibilität der verschiedenen Personen gemacht hatte, entschied er sich für einen Freund meines Vaters namens Tom.
Dies war Toms erste Begegnung mit einem Hypnotiseur. Tom erwies sich als ausgezeichnete Versuchsperson, und schon nach wenigen Sekunden hatte ihn der Hypnotiseur in einen tiefen Trancezustand versetzt. Er machte dann mit den üblichen Tricks weiter, wie man sie etwa auf der Bühne vorführt. Er redete Tom ein, im Zimmer befinde sich eine Giraffe, und schon sperrte Tom vor Staunen den Mund auf. Anschließend erklärte er Tom, eine Kartoffel sei eigentlich ein Apfel, den dieser dann mit Genuss verspeiste.
Doch der Höhepunkt des Abends kam, als er Tom sagte, seine minderjährige Tochter Laura sei für ihn vollkommen unsichtbar, sobald er aus der Trance erwachte. Der Hypnotiseur stellte Laura direkt vor den Stuhl, auf dem Tom saß, weckte ihn und fragte ihn, ob er sie sehen könne. Tom schaute sich im Zimmer um, sein Blick schien durch seine kichernde Tochter hindurchzugehen. ‚Nein‘, entgegnete er. Der Hypnotiseur fragte ihn, ob er sie sehen könne, und wiederum antwortete Tom mit Nein, obwohl Laura immer lauter kicherte.
Dann trat der Hypnotiseur hinter das Mädchen, sodass er Toms Blicken entzogen war, und holte einen Gegenstand aus der Tasche. Er verbarg den Gegenstand so sorgfältig, dass niemand im Zimmer ihn sehen konnte, und drückte ihn Laura ins Kreuz. Er forderte Tom auf, den Gegenstand zu identifizieren. Tom beugte sich vor, als wolle er direkt durch Lauras Magen hindurchstarren, und erwiderte, es sei eine Taschenuhr.
Der Hypnotiseur nickte und fragte, ob er die Inschrift auf der Uhr lesen könne. Tom kniff die Augen zusammen, so als strenge er sich an, die Schrift zu entziffern, und las dann sowohl den Namen des Uhrbesitzers [den kein Anwesender kannte] als auch die Widmung vor.
Daraufhin zeigte der Hypnotiseur die Uhr und ließ sie im Zimmer herumgehen, damit sich alle davon überzeugen konnten, dass Tom die Inschrift richtig gelesen hatte. Als ich mich hinterher mit Tom unterhielt, versicherte er mir, dass seine Tochter absolut unsichtbar gewesen sei.
Er hatte nur gesehen, dass der Hypnotiseur dastand und in der geschlossenen Hand die Taschenuhr hielt. Hätte der Hypnotiseur ihm nicht erklärt, was vorgefallen war, er hätte nie erfahren, dass er keinen normalen Wirklichkeitsausschnitt wahrgenommen hatte.“
Verborgene Welten und Sinnesgrenzen
Die Unfähigkeit Toms, etwas zu erkennen, was seinen Sinnen mittels hypnotischer Suggestion abgesprochen wurde, ist signifikant.
Tatsächlich „verschwand“ das Mädchen aus seinem Realitätsempfinden, was ihm sogar ermöglichte – durch sie hindurch – einen Gegenstand zu erkennen. Doch wie vieles ist unseren Sinnen eigentlich noch verborgen? Vielleicht sind für uns ganze Welten „unsichtbar“, die sich mit unserer „Realität“ überschneiden?
Es gibt eine Reihe von Indizien [zumeist sogenannte „paranormale“ Manifestationen, die aus einer „übergeordneten“ Sicht heraus aber wohl ganz „natürlich und erklärlich“ sind], die darauf hinweisen, dass es „verborgene Welten“ geben könnte und wir hier und da – im Rahmen einer „Überlappung“ – ihrer ansichtig werden bzw. „Besucher“ aus jener Welt oder jenen Welten hier bei uns „eintauchen“.
Maya – Die Göttin der Illusion
Ähnlich wie die Theorie des holographischen Universums hat auch die uralte Maya-Philosophie einen realitätsverändernden Blickwinkel:
Die Überzeugung der indischen Philosophen, dass das, was wir sehen, nicht die wirkliche Welt ist und dass wir ständig getäuscht werden, hat dazu geführt, Maya als lächelnde, verführerische, launenhafte, verräterische Göttin zu sehen – als Göttin dessen, was von westlichen Wissenschaftlern als physische Wirklichkeit bezeichnet wird.
Bei den Griechen entspricht sie Cybele, die auch als Maia bekannt ist. Ursprünglich war Maya die Bezeichnung für „physische Erscheinung, irdische Form“, „trügerisches Äußeres“.
Für die indischen Philosophen und auch für die Platoniker war die wirkliche Welt die Existenz geistiger Begriffe, Platons unveränderliche Idee. Die veränderliche physische Welt ist nicht real, sondern gleich „Schatten eines fernen Feuers“, wie Platon es im Höhlengleichnis beschrieb.
Maya kommt dicht an den Sufi-Begriff Ghurur, also „Täuschung, Illusion“, heran, dem Gegenteil von Haq, „Wahrheit, Gott“. Vishnu „nahm“ in seinen Inkarnationen einen Körper „an“, als wäre er ein Gewand, das seinen unsichtbaren göttlichen Geist umhüllt.
Mit ihrem stärkeren Willen können die Götter die Sterblichen das sehen lassen, was sie sehen sollen. Die Fata Morgana in der Wüste ist nur ein schwaches Abbild der Märchen, welche die indischen Götter ganze Nationen durchleben lassen können.
Die Erkenntnis des Ewigen
Die Weisen sind die einzigen Menschen, denen es nach vielen Jahren Askese geglückt ist, den Zauber dieser göttlichen Illusionen zu brechen.
Sie erkennen, dass all das, was für einen Durchschnittsmenschen etwas Gewohntes darstellt, eine Illusion ist – beispielsweise ein Körper, denn er wird am nächsten Tag verfallen.
Nur das Ewige ist wahr, und das Ewige ist einzigartig. Die Menschen, die wir um uns herum sehen, sind nichts weiter als vielfältig vorhandene illusorische Visionen, Emanationen der einzigen Einheit: der Menschheit, des menschlichen Geistes, des Wesens des Menschseins.
Körper werden kommen und gehen, aber der Geist, die Essenz, Sat, wird noch lange fortbestehen, auch wenn alle Körper schon längst verschwunden sind und nur Brahma unsichtbar überlebt hat.
Ein Weiser hatte einst so viel Askese geübt, dass ihm der Gott Vishnu erschien und eine Gunst gewährte:
„Lehre mich, großer Gott, deine Maya!“, bat der Weise. „Gut“, erwiderte Vishnu. „Spring in den Fluss!“ Der Weise gehorchte. Er tauchte hinunter bis zum Grund des Flusses, wo er ein Mädchen wurde, eine Prinzessin, die in einem Palast innerhalb eines schönen Parks aufwuchs.
Als sie volljährig war, wurde sie mit einem stattlichen Prinzen verheiratet und lebte viele Jahre glücklich mit ihm zusammen, bis ein Feind in das Land einfiel. Ihr Vater, der König, ihre Brüder und ihr Gatte mussten in den Krieg ziehen, um das Königreich zu verteidigen.