Annette von Droste-Hülshoff…
…hatte ich als gewesener Jugendlicher als Schulstoff, also nicht die Dichterin an sich – über die Vitas erfuhren wir recht wenig und mussten hier private Initiative zeigen, zu der Zeit Bibliotheken, kein Google! ^^ – sondern viel mehr über ihre Gedichte. Allerdings haben sich diese mir mit 13 oder 14 Jahren [mein Sturm & Drang] nicht wirklich erschlossen, da war Rilke für mich schon „handfester“.
Vor einigen Jahren war ich im „Fürstenhäusle“ in Meersburg am Bodensee und erwarb dort die Biographie von Doris Maurer über die Dichterin. Diese lebte ja im Biedermeier [also die Zeit nach Napoleon bis zum Revolutionsjahr 1848], einer Epoche, in der das „Paranormale“ als fester Bestandteil des Lebens galt und jedem „Kicherfaktor“ entzogen war.
Das Buch lag über Jahre auf meinem SUB [Stapel Ungelesener Bücher] und wurde erst heute begutachtet. Aufschlussreich ist, dass die Droste-Hülshoff bei einer mitternächtlichen Ostermesse des Gesindes erwachte und aus dem Fenster blickte, um dem Geschehen zu folgen.
Darauf öffnete sich die zum Hof führende Haustür und heraus trat eine blonde Frau mit einem Kerzenleuchter in der Hand. Annette von Droste-Hülshoff erkannte sich darin selbst, ein Irrtum war ausgeschlossen.
Das verwunderte Gesinde machte Platz, woraufhin die Phantomgestalt in Richtung auf den rechten Flügel des Gebäudes ging und dort durch eine Tür schritt und verschwand.
Dieses Phänomen der „Bilokation“ ließ sie sich am nächsten Morgen bestätigen. Die Dienstboten hatten sich gewundert, dass die junge Herrin nur im Nachthemd bekleidet durch die „Prozession“ schritt. [S. 158]
„Medial“ interessiert war auch ihr Vater, Clemens August, der sich mit dem „Vorgesicht“ [Prophezeiungen] beschäftigte und hierzu ein Buch, das „Liber mirabilis“, verfasste. [S. 11]
Annette von Droste-Hülshoff…
…wird mich hier auf dem Blog auch weiterhin beschäftigen.
Zwar war die erste Buchquelle für meinen Beitrag recht interessant, jedoch wurden dort meist nur Anmerkungen dazu gemacht, dass sie „Gesichte“, also „Visionen“ über zukünftige Ereignisse hatte, ohne näher darauf einzugehen.
Zumindest ihren frühen Tod ahnte sie, trotz gegenteiliger Aussagen ihrer Ärzte! Kurz vor ihrem Ableben durch Herzschlag (anderen Quellen zufolge Lungenentzündung) machte sie ihr Testament – sie starb im Revolutionsjahr 1848 – und mit ihr auch das Biedermeier.
Meine neue Quelle ist 'Blamieren mag ich mich nicht'. Das Leben der Annette von Droste-Hülshoff von Barbara Beuys. Ich hoffe, dort nähere Informationen zu ihren „Schauungen“ zu erhalten.
In der Quelle werden ihre spiritistischen Interessen, entgegen dem ersten Buch, welches ich gelesen habe, kaum erwähnt – vielleicht weil es der Autorin der Biographie peinlich ist?
Für mich unverständlich, wenn man weiß, welchen Stellenwert der Spiritismus im Leben der Droste hatte: Welche Biographie spart einen solch starken Faktor im Leben eines Menschen aus?
Ebensogut könnte man eine Biographie über mich verfassen ^^ und UFOs unerwähnt lassen... Wie auch immer:
Auf Seite 7 steht, dass die Dichterin Kontakt zu Verstorbenen aufnehmen wollte (konnte?), und auf Seite 45 wird kurz auf das väterliche Werk „Liber mirabilis“ eingegangen. Es umfasste 120 Seiten, die angefüllt waren mit Prophezeiungen und „wunderlichen Geschichten“ [O-Ton im Buch].
Auf Seite 173 findet sich noch ein Hinweis darauf, dass sie 1820 gegenüber ihrem Bekannten Friedrich Beneke angab, „Gesichte“ zu haben, also „Visionen“ bzw. „Schauungen“, allerdings erfährt man nichts über den Inhalt.
In der Regel bezieht sich der Ausdruck „Gesichte“ auf Zukünftiges bzw. Paranormales. Fest steht aber, dass sie bei gesellschaftlichen Empfängen „Geistergeschichten“ zum Besten gab, selbst erlebtes, erfundenes? [S. 181] Man erfährt es im Buch nicht…
Erwähnt wird im Buch jedoch, dass sie unter schweren Alpträumen litt, die wohl irgendwie mit diesen „Gesichten“ in Zusammenhang stehen mussten… Ich denke, ich werde mich mal nach einer weiteren Biographie umsehen müssen, mit der Hoffnung, Licht ins Dunkel zu bekommen…
Die Sternenjungfrau in der kosmischen Zelle
Über die deutsche Dichterin Anna Elisabeth Franzisca Adolphina Wilhelmina Ludovica Freiin von Droste zu Hülshoff habe ich bereits einen Artikel verfasst, siehe oben! Dieser ist leider recht „fragmentarisch“ ausgefallen, da die Autoren ihrer Biographien entweder völlig darauf verzichteten, von ihren paranormalen Interessen und Erfahrungen zu berichten, oder nur Andeutungen gemacht haben, dies in den von mir schon so oft beklagten „Halbsätzen“!
In der Biographie von Gustav Sichelschmidt sieht es nicht besser aus, aber einige neue Informationen sind enthalten, wenn auch nur spärlich. Die besagte Quelle trägt übrigens den Titel „Allein mit meinem Zauberwort“!
Der Vater der Dichterin, Clemens August, sammelte Berichte über parapsychologische und / oder anomalistische Phänomene, wobei Prophezeiungen ein Schwerpunktthema bildeten.
Diese Erfahrungen wurden schriftlich niedergelegt. Die so gesammelten Aufzeichnungen wurden gebunden und erhielten den Arbeitstitel „Liber Mirabilis“.
Im ländlichen Westfalen war die Gabe des „Zweiten Gesichts“ weit verbreitet und der freie Geist des Biedermeier machte es möglich, sich mit solchen Phänomenen zu beschäftigen bzw. mit anderen Personen auszutauschen, ohne schief angesehen zu werden!
Clemens August betrieb also „Feldforschung“ auf den Feldern der Bauern, wenn er sie befragte oder sie zu ihm kamen, um entsprechende Vorkommnisse zu „melden“.
Es ist also nicht so, wie gerne behauptet, dass ihn lediglich die „Folklore“ der Landbevölkerung interessiert hat, sein Hauptgebiet war, neumodisch formuliert, die Anomalistik! Darum ging es ihm!
Wenn man so will, war er ein früher Kollege von uns und wäre sicher auch „Forteaner“ geworden, wenn es Charles Fort damals schon gegeben hätte!
Das „Liber Mirabilis“ wurde nie veröffentlicht und nur ein ausgewählter Kreis durfte darin blättern und lesen! Mir ist nicht bekannt, was daraus wurde!
Unklar ist, ob bereits Clemens August „Gesichte“ hatte; in der Regel vererben sich diese „wilden Talente“ über die mütterliche Linie! Die Droste selbst war entsprechend begabt, wir wissen aber nicht konkret in welchem Umfang!
Da sie ausführliche Aufzeichnungen geführt und, dem Zeitgeist entsprechend, viele Briefe geschrieben hat, sind Berichte mit Gewissheit noch vorhanden! Nur interessieren sich ihre Biographen nicht dafür!
Auf einen Fall von Bilokation bei ihr habe ich in meinem ersten Bericht schon hingewiesen!
Im Buch erfahren wir, dass die von Droste vorgetragenen Geistergeschichten nicht fiktionaler Natur waren, sondern sich wirklich ereignet hatten, einige hatte sie selbst erlebt! Natürlich schweigt sich das Buch über die Inhalte dieser aus!
In der Bevölkerung bzw. auch beim eigenen Gesinde galt sie als „Sternenjungfrau“, also medial begabt, und wurde bei Krankheitsfällen gerufen, da sie über Heilungskräfte verfügt haben soll!
Da immer wieder nach ihr geschickt wurde, war wohl auch etwas an den Gerüchten dran, wer heilt, hatte eben schon damals Recht!
Zur „Sternenjungfrau“ passt recht gut, dass sie ihre Studierstube im [=Fürstenhäuschen] als „kosmische Zelle“ bezeichnet hat!
Der Hamburger Kaufmann Fritz Beneke hatte ein offenes Ohr für Phänomene und so erzählte ihm die Droste von einem sinistren, präkognitiven Traum! Dazu Beneke:
„Ihr erscheint sehr häufig im Traum ein Gesicht, sie mit Grauen erfüllend. Es gibt ihr stets Rat zu zauberischen Versuchen, sagt ihr Dinge vorher, die stets eingetroffen, ja beurkundet sich auf die unwidersprechlichste Weise durch kleine Gaben der sonderbarsten Art.
Anfangs hat sie sich verleiten lassen, Versuche zu machen, die auf überraschende Weise gelingen. Endlich aber hat sie sich zu Gott gewandt, und lange schon ist der dunkle Geist gewichen, der nur noch zuweilen anpocht; jetzt fühlt sie sich körperlich wohler.“
Nicht nur die Droste hatte Alpträume, sie erschien auch in solchen. Sie und Wilhelm [=Grimm] hatten einige Animositäten ausgetragen. Dies verfolgte den Grimm bis hinein in einen grimmigen Traum:
„Sie war ganz in dunkle Purpurflammen gekleidet und zog sich einzelne Haare aus und warf sie in die Luft nach mir; sie verwandelten sich in Pfeile und hätten mich leicht blind machen können.“
Ein befreundetes Ehepaar hatte sich über alptraumhafte Ereignisse in einem Geisterhaus beklagt, dazu Droste:
„Kessels hingegen gaben die prächtigsten Beiträge, meist aus eigener Erfahrung, dass einem die Haare zu Berge standen; sie haben unter anderem ein berüchtigtes Spukhaus bewohnt und sind so geplagt worden, dass sie nach drei Monaten ausziehen mussten.“
Wer sich mit „Medien“ beschäftigt, wird wissen, dass eine merkwürdige Wechselwirkung zum „Mondstand“ beobachtbar ist. Was bei [=Irlmaier] galt, galt auch für die Droste:
„Vor allem bei Vollmond sind ihre Nerven bis zum Zerreißen gespannt. Sie selbst berichtet von ‚Austritten’.“
Austritte? Im Sinne von außerkörperlichen Erfahrungen oder Bilokation? Wir wissen es nicht!
Dass Adlige sehr oft über „erweiterte Sinne“ verfügt haben, vielleicht noch verfügen, ist bekannt. Wie sich das erklärt, ist für Europa, also den „Kontinent“, schwer zu beantworten. Das sieht für die „Insel“, UK, etwas anders aus:
*Nachdem die Römer abgezogen waren und Kämpfe um die Macht ausbrachen, ernannten einzelne Gruppen medial begabte Personen zu ihren Anführern. Tatsächlich war es lebensnotwendig zu wissen, wann und wo man angegriffen wurde bzw. sich die Möglichkeit für eine eigene Aktion ergab! Dieser Vorteil wog schwerer als alles, was der Schwertadel anbieten konnte!
Es ist also möglich, dass auch „auf dem Kontinent“ ähnlich verfahren wurde und die „Medialen“ zu den führenden Personen ihrer Stämme und Völker wurden! Die Angewohnheit, das „blaue Blut“ und mit ihm die „wilden Talente“ zu erhalten und nur innerhalb des Standes zu heiraten, hat diesen Trend noch verstärkt! Adlige waren also nicht nur bestens ausgebildet und vorbereitet für das politische Tagesgeschäft, sie hatten auch mediale Begabungen als zusätzlichen Pluspunkt!
Damals gereichte es noch zum Vorteil, „Visionen“ zu haben!
Auch wenn es ein „zähes“ Geschäft und die Anzahl der Droste-Biographien sehr übersichtlich ist, bleibe ich am Ball! Nicht zuletzt, da ich als Fan des Biedermeier gerne über „meine“ Epoche lese!ʬ