Hahnbach: „[…] zeigten sich an Heiligen Abenden Lichtchen, welche zu Hunderten etwa mannshoch vom Boden einen gewissen Weg machen und an der Stelle der alten Kapelle einen Tanz halten“. [S. 44]
Pennading: „Ein alter Bauer von Pennading […] sah bei der Einöde Berghof in einem Busch seltsame Lichter. […] er wurde gleich darauf schwer krank, und das Leiden dauerte ein ganzes Jahr…“. [S. 60]
Möninger Berg: „Vor 500 oder 600 Jahren […] zeigten sich auf dem Berg bei Möning Lichterscheinungen […]. [S. 168]
Tiefenbach: „Eine Frau lag in Kindsnöten, und das Bett war gegen das Fenster gerichtet. Da sah sie am Himmel ein feuriges Schwert“. [S. 128]
Etwas die Augen gerieben habe ich mir, als ich die Sage vom „Preisslhut“ fand. Die erinnerte mich sogleich an den „Hat Man“, einen „Paranauten“, wie er gerade in den angelsächsischen Staaten gerne auftaucht, eine Phantomgestalt mit Mantel und Hut – siehe auch meine Recherche zum „
Hatman und ein UFO über München“!
„Die Leute in Lintach erzählen von einer geisterhaften Erscheinung, die von übermenschlicher Größe war und einen breiten Hut auf dem Kopf trug. Man nennt den unheimlichen Geist den 'Preißlhut'“. [S. 57]
Ein kurioses „Sonnenwunder“ soll sich 1944 über Gnadenberg abgespielt haben. Aufgrund des Ablaufs ist ein „Nebensonnenphänomen“ wohl auszuschließen. An sich haben wir es hier mit einen modernen UFO-Bericht zu tun:
„Im letzten Weltkrieg, im Jahr 1944, sahen etliche Leute über der Klosterruine in Gnadenberg ein seltsames Himmelswunder. Über dem westlichen Himmel stand die Sonne und neigte sich dem Untergang zu.
Das seltsame Himmelsschauspiel dauerte fast eine Viertelstunde, dann verschwand die eine Sonne in den roten Abendwolken. Die Erscheinung wurde auch in den umliegenden Orten und in der Stadt Nürnberg gesehen“ [S. 161f]
Im gleichen Jahr gab es übrigens ein ähnliches Sonnenwunder im
Sudetenland!
Manchmal ist es erstaunlich zu sehen, wie „neuartige“ Phänomene in historischen Beschreibungen eine gewisse zeitlose Komponente erhalten. Seit einigen Jahren werden in Kanada, genauer in British Columbia, Füße angeschwemmt, ohne dass man sich das Phänomen so recht erklären kann!
Das Phänomen kannte man aber auch schon in Giggling. Vom Himmel fallende Leichenteile wurden dort der „Wilden Jagd“ zugeschrieben, etwa so wie wir heute Aliens oder geheime Regierungskreise und Menschenexperimente im Fokus haben. Ein Bauer hatte so ein „Fundstück“ auf seinem Grund und Boden. Nachdem in der Nacht besagte Wilde Jagd seinen Hof überflogen hatte, trug sich folgendes zu:
„Da geschah ein fürchterlicher Pumpser, und am Morgen lag ein menschlicher Fuß mit einem roten Strumpf im Fenster“ [S. 161]
Auf den „OZ-Faktor“ bin ich auf meinem Blog bereits öfter eingegangen. Es handelt sich dabei um ein kurioses Phänomen, welches in der Regel kurz vor einer paranormalen Manifestation in Erscheinung tritt und so verläuft, dass die betroffene Person eine veränderte Realitätswahrnehmung hat.
So wirken vertraute Orte fremdartig, die Umgebung ist in völlige Stille getaucht, Tiere und Menschen scheinen „entrückt“ zu sein, der „Erlebende“ ist alleine in einer „synthetisch“ wirkenden, „simulierten“ Welt. Dieser Effekt wird auch in einer Sage aus Rittsteig beschrieben:
„Zu der Zeit, als es noch Bären gab, war zu Rittsteig ein Bärenjäger. […] Da geriet er unversehens in ein Steingespreng, in welchem er sich nicht mehr auskannte. Auch erschien ihm die ganze Gegend fremd, obwohl er darin auf seinen früheren Jagden oft herumgestreift war“. [S. 112]
Schwarze, „selbstfahrende“ Kutschen [also ohne Zugtiere] tauchen in den eher „unheimlichen“ Sagen [High Strangeness] gerne auf, an Bord befinden sich oftmals ziemlich „abgefahrene“ Gestalten.
Der Themenkomplex passt zu meinen Blogkategorien „Geisterfahrer“ und „Autokutschen“ – siehe Tags unten –, wobei die beobachteten Entitäten oft an Men in Black erinnern. In Sulzkirchen hatte ein Bauer ein „Zauberbuch“. Als er im Sterben lag, erhielt er Besuch:
„Da kam, wie von Geisterhand gezogen, eine schwarze, unbespannte Kutsche gefahren. Sie hielt vor seinem Haus an, und ihr entstieg ein langer, hagerer Mann mit grünem Hut und feuerrotem Bart.“ [S. 179]
Was in den Sagen NICHT steht
Wie bereits bei den Sagen aus Niederbayern fehlt auch hier jeder Hinweis auf Kornkreise oder ein vergleichbares Phänomen. Zumindest scheint dieses keinen Eindruck in der bayerischen Kulturlandschaft hinterlassen zu haben.
„Massive“ metallische Flugkörper, wie wir sie heute in Form von „Fliegenden Untertassen“ kennen, wurden nicht beschrieben. Tierverstümmlungen spiegeln sich in den Sagen ebenfalls nicht.
Genannt werden jedoch alle möglichen intelligenten Lichterscheinungen, wie sie auch heute rund 80 % der UFO-Sichtungen ausmachen.
Frau Böck und ihre Kollegen haben in klassischer Feldforschung das Land durchstreift und Menschen [zumeist ältere Herrschaften] zu überlieferten Sagen befragt. Irgendwie überschneidet sich da die Arbeitsweise mit der der Ufologen…
Was Sagen von Märchen unterscheidet, ist der Anspruch des Erzählers auf Wahrhaftigkeit. So wird etwa auf Seite 141 [Bildteil] eine Erzählerin schreibt: „Das habe ich selber erlebt“.
Die meisten Erzählungen [geschätzt, nicht gezählt] haben einen „unheimlichen“ Hintergrund. Es geht dabei um Vorfälle, die wir in den Bereich Spuk, Geister und Parapsychologie verorten würden.
Mit dabei sind aber auch Inhalte, wie wir sie aus der Ufologie her kennen, wobei keiner der im Buch Zitierten einen Zusammenhang zu UFOs sah – das Akronym taucht nicht ein einziges Mal auf!
Interpretiert wurden diese Erscheinungen im „Spuk-Kontext“. Dominierend sind dort, wie eigentlich in allen Regionen Deutschlands und Österreichs, „Lichterscheinungen“!
Breitenbrunn: „Da hat eine mit meiner Tochter […] gearbeitet […]. Die Bruckmeier-Rita […]. Da ist in der Nähe von ‚Sewasti’ [= St. Sebastian] ein Kreuz. […]. Da hat sie gewohnt in einem kleinen Häusl. Und da soll von ‚Sewasti’ ein Licht rübergegangen sein wie eine runde Kugel. Wie auf einem Seil ist das rübergeschwebt. Und dann ists wieder zurück auf ‚Sewasti’“ [S. 40]
Raitenbuch: „Mein Vater […] ist […] von der Mühle in Plankstetten heimgefahren. […]. Da sieht er auch schon von der Weiten vom Dietfurter Weg ein Licht den Weg entlangkommen und geht durchs Dorf durch und kommt auf ihn zu. Er weicht aus mit dem Ochsen, und das Licht kommt her und ist weg. […] Er hat gesagt, wenn er nicht ausgewichen wär, hätt ihn das Licht zusammengefahren“ [S. 53]
Wiesendorf: „Einmal bin ich mit dem Vater nach Waldhof […]. Da sind Irrlichter gekommen […]. Es war ein schwebendes Licht, das sich bewegt hat. Das waren keine Leuchtkäfer. Es war so groß wie Taschenlampen“. [S. 79]
Besonders interessant ist ein Bericht, der an die heutigen „Begegnungen der Dritten Art“ erinnert und aus Krummennaab stammt.
Aufschlussreich ist, dass es zwei Zeugen gab, die unabhängig voneinander einer „Entität“ begegnet sind, und dass es dabei einen in der Ufologie oft kolportierten „Sekundäreffekt“ gab: Ein Pferdegespann kam nicht von der Stelle – wir kennen so was heute mit versagenden Automotoren!
„Einmal bin ich nachts um halb zwölf [oder: 1/2 12 Uhr] von Krummennaab nach Hause gegangen. Plötzlich hab ich etwas Schwarzes im Straßengraben gesehen. Es ist eine Zeitlang neben mir hergegangen. Erst hab ich gemeint, es ist mein Schatten. Aber der hätt auf der anderen Seite sein müßen [müssen]. Am anderen Tag hab ich das meinem Vater erzählt. Darauf hat er gesagt: Er ist auch einmal an dieser Stelle vorbeigefahren, und genau an diesem Platz hat ihm der Gaul nicht mehr gehen wollen; der hat nämlich auch das schwarze Mandl gesehen“. [S. 131]
Diese „schwarzen Mandln“ kennen wir heute übrigens als „Shadow People“…ʬ