Im Jahr 2015 las ich die Biografie über Friedrich den Großen von Tillmann Bendikowski. Da mein historisches Wissen im Grunde solide ist, überraschte mich die Erkenntnis zutiefst, dass dieser preußische Regent ein Freimaurer war. Die Freimaurer-Sekte fasste im Jahr 1737 erstmals in Hamburg Fuß auf deutschem Boden, und bereits 1738 geriet der zukünftige König in ihren Bann.
Über den nächtlichen Initiationsvorgang hielt ein unbekannter Logenbruder fest, dass der königliche Prinz kurz nach Mitternacht aufgenommen wurde. Seine Unerschrockenheit, sein gefasstes Auftreten und sein vorbildliches Benehmen selbst in kritischen Augenblicken wurden dabei bewundert, bis das Ritual gegen vier Uhr morgens endete.
Mit seiner Thronbesteigung im Jahr 1740 bekannte sich Friedrich öffentlich zu dieser Gemeinschaft. Bemerkenswert ist, dass er sofort als Meister graduiert wurde und direkt „den Hammer führen“ durfte, was ihm den Vorsitz einer eigenen Loge ermöglichte.
Beim Lesen fiel mir ein auffälliger Bruch in seiner Biografie auf:
Vor seiner Mitgliedschaft war er künstlerischen und literarischen Themen zugetan, besaß keinerlei Bezüge zum Militär, verkehrte mit Voltaire und den Aufklärern und verfasste sogar einen Gegenentwurf zu Machiavellis Lehren, den sogenannten „Antimachiavelli“. Doch bereits im dritten Jahr seiner Freimaurerei wechselte der ehemalige Pazifist radikal die Seiten:
Am 16. Dezember 1740 überfiel er mit 20.000 Soldaten das damals zu Österreich gehörende Schlesien, womit er eine Kette schwerer Kriege in Gang setzte. Die drängende Frage bleibt, ob damals der Mensch Friedrich oder das Werk des Freimaurers handelte, um die politischen Pläne der Sekte zu verwirklichen.
Meine spätere Lektüre von Bernt Engelmanns Werk über Preußen brachte weitere aufschlussreiche Details zutage. Der praktizierende Freimaurer traf bemerkenswerte Entscheidungen bezüglich Grenzverschiebungen, der Demografie Berlins und der gezielten Zerrüttung des preußischen Währungssystems.
So bot er 1755 dem französischen König das ihm gar nicht gehörende Kurfürstentum Hannover an, nachdem er bereits 1745 Ostfriesland den Engländern in Aussicht gestellt hatte.
Im Jahr 1759 entwarf er einen Plan, wonach Ostpreußen an Russland fallen und das linke Rheinufer an Frankreich gehen sollte – passend zu seiner bereits 1746 geäußerten Ansicht, dass die Rheinlande eigentlich zu Frankreich gehörten.
Kurz vor Ausbruch des Siebenjährigen Krieges im Jahr 1756 übertrug der König preußischen und anderen Bankiers wie Daniel Itzig, Moses Isaak und Moses Gumpertz die gesamte Münzprägung. Zusammen mit Veitel Heine Ephraim nutzten sie diese Monopolstellung bis Kriegsende aus, um durch extreme Münzverschlechterung enorme Vermögen anzuhäufen.
Den Löwenanteil dieses Betrugs strich dabei der König ein, der seine Untertanen und Handelspartner zur Annahme des wertlosen Geldes zwang. Später äußerte der Alte Fritz sogar seufzend den Wunsch, Franzosen und Türken mögen Berlin bevölkern.
Historisch interessant ist zudem, dass das katholische Frankreich nach späteren Konflikten tatsächlich versuchte, das Rheinland zu verschlingen, was jedoch von London und Washington verhindert wurde – Mächte, die bekanntermaßen seit Jahrhunderten stark von freimaurerischen Strukturen beeinflusst sind. Auch die spätere Rheinische Separatistenbewegung während der Weimarer Republik wurde von Paris aus vergebens unterstützt.
Mit zunehmendem Alter wird mir klar, welche wesentlichen historischen Hintergründe in der Schulzeit verschwiegen wurden. Ein Großteil der gefeierten deutschen Geistesgrößen jener Epoche war Mitglied in staatsfeindlichen Geheimbüchern, weniger aus demokratischem Idealismus heraus, sondern um die eigenen Logenbrüder gezielt an die Schalthebel der Macht zu bringen.
Ein Paradebeispiel hierfür ist der Philosoph Johann Gottlieb Fichte, dessen Biografie von Wilhelm G. Jacobs belegt, dass er sowohl Freimaurer als auch Jakobin und Illuminat war. Bereits 1798 schrieb Fichte offen von einer Weltregierung, womit die Pläne einer zentral gesteuerten Neuen Weltordnung historische Wurzeln besitzen, die weit zurückreichen.
Voraussetzung dafür war die Zerschlagung des Adels, da sich dynastische Systeme weitaus schwerer unterwandern lassen als Demokratien, in denen mediale Präsenz und finanzstarke Wahlkämpfe den Ausschlag geben.
Bei der Lektüre über den Vatikan und verbotene Bücher von Hubert Wolf stieß ich auf Adolph Freiherr von Knigge, dessen berühmtes Werk „Über den Umgang mit Menschen“ seinerzeit auf dem Index landete.
Der Grund lag weniger im Inhalt selbst als in der politischen Rolle des Autors als führendem Kopf der Illuminaten. Deren Hauptziel war die geheime, systematische Unterwanderung aller wichtigen Institutionen in Staat und Kirche, um die Macht durch eine streng kontrollierte Elite zu übernehmen.
Die Mitglieder mussten absolute Verschwiegenheit, bedingungslosen Gehorsam und strenge Unterordnung geloben, gestützt auf ein ausgeklügeltes System psychotechnischer Menschenführung, das maßgeblich von Knigge mitgestaltet wurde.
Die Lektüre von Charlie Chaplins Autobiografie führte mich zu einem weiteren historischen Detail aus dem Jahr 1914:
Während in Europa und Amerika zunächst ein kurzer Kriegsverlauf erwartet wurde, prognostizierte der britische Kriegsminister Horatio Herbert Kitchener eine Dauer von über vier Jahren:
Da aus Churchill-Biografien bekannt ist, dass Kitchener Freimaurer war, fügt er sich nahtlos in die Reihe jener Logenbrüder ein, die politische Entwicklungen im Voraus kannten. Da ich an keine reinen Zufälle glaube, spricht dies für eine bewusste, langfristige Planung hinter den Kulissen.
Ein wiederkehrendes Motiv bei den Freimaurern ist das erstaunliche Vorherwissen historischer und politischer Ereignisse. Laut Berichten aus dem Buch über österreichische Geisterschlösser beschäftigte sich Johann Ferdinand II., der neunte Herr auf Greillenstein, im 18. Jahrhundert als Freimaurer und Alchemist mit unheimlichen Experimenten.
Er versuchte, künstliche Menschen zu züchten, und soll Briefen zufolge tatsächlich Homunculi erschaffen haben, die in mit Weihwasser gefüllten Gläsern lebten und zutreffende Weissagungen abgaben. Nach geglückter Flucht dieser Kreaturen soll der Graf sein Labor entsetzt vermauert haben.
Diese historischen Berichte über künstliche Wesen, die in die Zukunft blicken konnten, weisen Parallelen zu modernen Berichten über menschenähnliche Anomalien auf.
Während uns vermittelt wird, dass der Adel im Wesentlichen mit Krieg, Jagd und Vergnügungen beschäftigt war, zeigt sich bei genauerer Betrachtung ein anderes Bild:
Die historischen Eliten waren tief in Okkultismus und Geheimverbindungen verwurzelt, wodurch der Okkultismus gewissermaßen als die eigentliche Religion dieser Machtstrukturen fungierte.
Friedrich der Große gab die Macht schließlich an seinen Neffen Friedrich Wilhelm II. weiter, dessen Vorlieben im Mystizismus, Spiritismus und Rosenkreuzertum lagen. Offenbar suchten diese Kreise gezielt den Kontakt zu anderen Seinssphären.
Haben Freimaurer den Vatikan gekapert?
Obwohl sich der Vatikan über Jahrhunderte gegen den Einfluss der Freimaurer stemmte, scheint er mittlerweile von innen heraus unterwandert worden zu sein:
Sein Entschluss, diese Strukturen zu zerschlagen, konnte durch seinen plötzlichen und bis heute ungeklärten Tod nicht mehr verwirklicht werden!ʬ
Bendikowski, Tillmann: Friedrich der Große, C. Bertelsmann Verlag, München. Engelmann, Bernt: Preußen – Land der unbegrenzten Möglichkeiten, C. Bertelsmann Verlag, München. Jacobs, Wilhelm G.: Johann Gottlieb Fichte: Eine Biographie, Insel Verlag, Berlin. Wolf, Hubert: Index – Der Vatikan und die verbotenen Bücher, C.H. Beck, München. Chaplin, Charlie: Autobiographie, Schirmer/Mosel Verlag, München. Hasmann, Gabriele; Gruber, Alexandra; Bieberger, Christof; Herberstein, Johannes: Geisterschlösser in Österreich: Spuk hinter herrschaftlichen Mauern, Ueberreuter Verlag, Wien. von Roques, Valeska: Mord im Vatikan, Hoffmann und Campe, Hamburg.