Die Geschichte um Kaspar Hauser wird, von Buch zu Buch, immer merkwürdiger! Offenbar hatte nicht nur Luise von Hochberg ein angebliches Interesse daran, die Zähringer abzusägen, um ihren Sohn Leopold auf den Thron zu bringen, auch Österreich und Bayern spielten eine Rolle:
„Zur Ausführung der Rieder Vereinbarung schloss Österreich, das gerne den badisch gewordenen Breisgau zurückerhalten hätte, 1815 einen Geheimvertrag mit Bayern. Dieser bestimmte, dass Bayern im Falle des Aussterbens der direkten zähringischen Linie des Hauses Baden den badischen Teil der ehemaligen Wittelsbachischen Kurpfalz zurückerhalten sollte. Bayern hatte also jetzt großes Interesse daran, dass diese Linie ausstarb“.
Die Frage ist, wie weit Österreich und Bayern bei dem gewünschten Ziele nachhalfen, denn der Gedanke, Luise von Hochberg hätte 6 Zähringer liquidiert und einen ausgetauscht [=Kaspar Hauser], ist völlig absurd! Nicht absurd ist jedoch der Gedanke, dass Baden von seinen Nachbarn in die Zange genommen wurde. Baden lernte aus dieser Situation und heiratete später in Russland ein.
Bei vergleichbaren Problemen, die dann folgten, drohte der Zar in Petersburg, seine Armee zu schicken. Bayern und Österreich gaben eilfertig nach!
Wurde Hauser das Opfer einer österreichisch-bayerischen Intrige, um die Zähringer loszuwerden? Man bedenke auch, dass Schloss Pilsach, für über 10 Jahre hinweg Hausers Kerker, nicht in Baden lag, sondern unweit Neumarkt in der Oberpfalz, in Bayern also! Man hat den badischen Erbprinzen verschleppt und auf bayerisches Territorium gebracht!
Dass der Vertrag schriftlich fixiert erst 1815 vorlag, hat nichts zu sagen. Bestehende Verträge, die einen Zusatz erhielten, wurden immer nachdatiert auf den Tag des Updates. Die Vereinbarung kann schon weit vor Hausers Verschleppung bestanden haben.
Die Todesfälle bei den Zähringern bestätigen indirekt auch die Existenz eines solchen Bündnisses! Die erste tödlich verlaufende Schlittenfahrt eines Zähringers datiert auf 1801, alle anderen an Bord des Gerätes hatten überlebt!
Erklären sich auch so die diversen anonymen Briefe, die in Nürnberg beziehungsweise Ansbach an Bürgermeister Binder und Anselm von Feuerbach gesendet wurden, aus denen hervorging, der Thronraub sei eine innere Angelegenheit Badens gewesen, mit der einzig schuldigen Luise von Hochberg, die zur Massenmörderin und zum Sündenbock gestempelt wurde?
Merkwürdig. Irgendwer kümmerte sich auch noch nach deren Tod um Hauser, von wem angeleitet und finanziert?
In die Angelegenheit schien selbst Metternich involviert gewesen zu sein, denn er schickte einen seiner Männer zu Hauser! Philip Henry Earl of Stanhope, ein verarmter englischer Adliger, wird von den Hauserianern [=also jenen Personen, die sich mit Kaspar Hauser beschäftigen] gehasst!
Er hatte sich Hauser im wahrsten Sinne des Wortes an den Hals geworfen und ihn mit Geschenken überhäuft, was sich dieser gerne gefallen ließ. Stanhope erhielt die Vormundschaft über Hauser, brach dann jedoch plötzlich den Kontakt ab!
Nach dem Tod Hausers besuchte er Zeitzeugen und versuchte sie dazu anzuregen, ihre Aussagen bei der Polizei über Hauser von 1828 zu überdenken und gegebenenfalls neuen Erinnerungen Platz zu machen. Natürlich sollten alle Anstrengungen mit klingender Münze vergolten werden!
Einige warfen Stanhope hinaus, andere behielten das Geld, gingen zur Polizei und erweiterten nach 5 Jahren ihre Aussagen! Der Hauserianer Hermann Pies hat die ursprünglichen und die nachträglichen Aussagen in seinen Büchern veröffentlicht! Sehr amüsant zu lesen, wenn man um die menschliche Schlechtigkeit weiß!
„Lady Esther Stanhope, [...] hatte sich im Libanon einen Palast erbaut. Die Einwohner sagten ihr nach, Verbindungen zur Geisterwelt zu haben, und nannten sie die Zauberin von Dschihun“.
Stanhope, so heißt es, sei im Auftrag Karlsruhes unterwegs gewesen. Bewiesen wird dies damit, dass er hier und da seine Geldgeschäfte über das Bankhaus Haber & Vierordt abgewickelt habe, über welches unter anderem Staatsgeschäfte Badens gingen, ein Bankhaus von vielen, mit denen er seine Geschäfte tätigte!
Meiner Meinung nach haben wir es hier tatsächlich mit einer Verschwörung zwischen München und Wien zu tun! Dass man in Karlsruhe das Problem Kaspar Hauser mittels Gewalt aus der Welt schaffen wollte, um nicht mehr erpressbar zu sein, erscheint nicht ganz abwegig! Wenige Tage nach der Ermordung Hausers tat sich etwas in Ansbach:
„Der badische Diplomat Geheimrat Freiherr von Dusch bekam die Order, sich vorab nach Ansbach zu begeben, um dort die ersten Kontakte zu den Personen zu knüpfen, die dienstlich oder privat mit Hauser zu tun gehabt hatten. Dusch traf am 22. Dezember in Ansbach ein und stieg im Hotel Stern ab. Am 26. Dezember folgte ihm der Minister [=Staatsminister Reitzenstein] selbst, nebst Dienerschaft und in Begleitung seines Neffen. Offiziell war die Mission als Delegation für eine Konferenz mit Metternich in Wien ausgewiesen“.
Der zeitliche Aspekt ist wirklich interessant! Reitzenstein war der höchste badische Beamte, der nach der Ermordung des Erbprinzen Kaspar nach Ansbach reiste, um anschließend ausgerechnet zu Stanhopes Chef, Metternich, zu fahren! Was mag dort wohl beredet worden sein?ʬ [
Quelle]