Es war eher Zufall, dass sich ein neues Artus-Buch in meine Bibliothek verlaufen hat. Verfasst hat „Artus – König von Camelot – Wahrheit und Legende“ ein Wilfried Westphal, der sich darin unter anderem auf einen Lord Tennyson beruft, seinerzeit Hofpoet. In seinem Nationalepos „Idylls of the King“, in dem er die Taten von König Artus besang, schrieb er unter anderem:
„… und traten hinaus, um frische Luft zu schöpfen, und als sie dort am Tor standen und durch die Nacht in den tiefen Abgrund schauten – eine Nacht, in der die Grenzen von Himmel und Erde verschmolzen –, gewahrten sie, so hoch über der tosenden Tiefe, dass es im Himmel schien, ein Schiff, der Form nach wie ein geflügelter Drache und vom Bug bis zum Heck hell erleuchtet, mit Menschen auf dem Deck, doch schon entschwunden, kaum dass sie es gesehen.“
Das Szenario erinnerte mich stark an die Airship-Welle in den USA von 1896/1897, wo bizarre Fluggeräte ähnlicher Qualität den Luftraum belagerten! Dass die fremden Aeronauten stellenweise mit Steampunk-Technologie unterwegs sind, ist nicht ganz unbekannt!
Die Herrscher jener Zeit und deren Berater hatten stellenweise so merkwürdige Hintergründe und Biografien, dass man sich auf überirdische Intervention berief. So kann man in der genannten Quelle auch lesen:
„Wie Apuleius in seinem De deo Socratis versichert, gibt es zwischen Mond und Erde Geister, die wir Kobolde und Dämonen nennen. Sie sind halb Mensch, halb Engel, und manchmal nehmen sie die Gestalt von Sterblichen an und haben geschlechtlichen Verkehr mit Frauen.“
Sehr viel anders findet man es auch heute nicht in der modernen Ufoliteratur!ʬ
Merlin
2018 habe ich das Buch „Auf der Suche nach Merlin“ von meinem Landsmann, den Anglorussen Nikolai Tolstoy, der in UK geboren wurde und sich von Kindheit an mit der britischen Mythologie beschäftigt hat, gelesen. Über König Arthur kam er auf den Druiden und „Magier“ Merlin. Zitat:
„Ich bin zu der Überzeugung gelangt, dass es Merlin als historische Gestalt gab. Er lebte im ausgehenden 6. Jahrhundert in dem Gebiet, das wir heute die schottischen ‚Lowlands’ nennen. Er war ein echter Prophet, sehr wahrscheinlich ein Druide, der in einer heidnischen Enklave im Norden lebte“. [S. 9]
Erstmals schriftlich fixiert wurde er 1136 in der „Geschichte der Könige von Britannien“ von Geoffrey von Monmouth. [S. 16]
Dieser wies übrigens darauf hin, dass die britische Ur-Urbevölkerung „Riesen“ waren, die von den Menschen im Laufe der Zeit überrannt und bezwungen wurden. [S. 17]
Merlin war offenbar ein Mensch-Alien-„Hybrid“, anders lässt sich folgende Textpassage bei Monmouth [O-Ton von 1136!] nicht deuten:
„Seine Mutter hatte ihn eines Nachts von einem Inkubus empfangen, einem Dämon, der in dem luftigen Raum zwischen Mond und Erde lebt“. [S. 183]
Er gilt als Erbauer von Stonehenge, die Steine soll er mit magischen Mitteln levitiert haben [S. 19], und als typischer „Alien“ war er auch ein Formwandler, konnte jede nur denkbare Gestalt annehmen. [S. 30]
Dass Personen „mit besonderen Fähigkeiten“ durch die Geschichte spuken, die Hybride gewesen sein sollen, also halbmenschlich und „halb-was-ganz-anderes“ und aus „himmlischen“ Räumen stammten, ist nicht neu, auch der Aspekt, dass sie ihre physische Erscheinung bearbeiten konnten wie Knetmasse, zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte bis in die Gegenwart hinein!
1150 erschien vom gleichen Autor die „Vita Merlini“, wobei er sich auf ältere Quellen bezog:
„Einige dieser Stoffe waren extrem archaisch und von Geoffreys Lebenszeiten ebenso entfernt wie unser Jahrhundert von seinem.“ [S. 52]
Darin kann man auch erfahren, dass Merlin ein kreisförmiges Observatorium nutzte. [S. 52] Eine der Urquellen für Merlin sind die „Four Ancient Books of Wales“, die in ihrem ältesten Kern, etwa in den Büchern Taliesin und Aneirin, auf das sechste Jahrhundert zurückgehen. Der dortige Merlin heißt MYRDDIN! [S. 50ff]
Alles in allem finden sich VIER historische Quellen für die Merlin-Vita, in denen er allerdings verschiedene Namen trägt. In der irischen Sage „Buile Suibhne“ heißt er – Nomen est omen – Suibhne und fliegt bei seiner Flucht vor Häschern von Baumkrone zu Baumkrone. Dieses „Talent“ kann uns bei der alienlastigen Lebensgeschichte des Druiden nicht weiter erstaunen!
Im Gedicht CAD GODDEU [Die Schlacht der Bäume] taucht unser Druide als „übernatürlicher“ Barde wieder auf:
„Cad Goddeu erzählt, dass der Barde aufgrund einer übernatürlichen Macht nach Belieben die Gestalt wechseln und ein wildes Tier, ein Mensch oder ein Element der Natur werden kann. Seine Seele löst sich vom Körper und bewegt sich frei; ohne Begrenzung durch Zeit und Raum kann sie die Jahrhunderte durchstreifen, kann nacheinander zu großen Gestalten der Vergangenheit ‚werden’ und so aus erster Hand alles verfügbare Wissen erwerben“. [S. 288ff]
Tolstoy führt in seinem Buch weitere Beispiele aus aller Welt an, in denen Hybride [meine Terminologie!] mit ihren übernatürlichen Fähigkeiten als Kulturheroen beschrieben werden:
Die afrikanischen Dinka etwa kennen den Aiwel Longar. Dessen Mutter war eine Irdische, sein Vater eine Fluss-Gottheit. Er hatte die gleichen „Talente“ wie Merlin und verschwand nach seinen Glanztaten!
Das Erzähl- und Ablaufmuster unterscheidet sich nicht bis ins heutige Ufozeitalter, offenbar werden ausgesuchte Menschen mittels genetischer „Aufbesserung“ erzeugt und losgeschickt, um etwas „zu bewegen“, und man kann sich fragen, ob solche „Hybride“ auch heute noch die Geschicke der Welt in fremdem Auftrag leiten!
Wenn die Wilde Jagd jagt
Ein deutschsprachiges Buch, das mich dieses Jahr angesprochen hat, war „Geisterschlösser in Österreich“. Interessant ist für mich, dass auch „altmodische“ Phänomene noch heute berichtet werden, wie etwa die Wilde Jagd. „Tatort“ ist das Schloss Grünau im Waldviertel, Niederösterreich. Die Schlossherrin hatte eine „unheimliche Begegnung“! Zitat:
„Plötzlich begann es draußen zu stürmen und zu brausen, als ob sich ein schlimmes Gewitter näherte. Lärm umbrandete mit einem Mal das Haus, wüster Schlachtenlärm. Ich hörte wiehernde Pferde, Hufschlag, Waffengetöse, Hundegebell und höllisches Gelächter.
Diese Horde kam bis zum Portal, schlug ans Tor, als wollte sie das Haus stürmen. Ich nahm ganz eindeutig Kampfhandlungen wahr und Waffengeklirr, lautes Gebrüll und wilde Schreie, ein Stimmengewirr. Die Worte aber konnte ich nicht verstehen, denn die Sprache war mir fremd. […]
Das Licht flackerte wie verrückt und ich wurde so panisch, dass ich die Polizei verständigen wollte. Als ich den Hörer abnahm, blieb das Telefon stumm. Es war außer Betrieb. Währenddessen schien es, als habe sich die wilde Meute auf die Südseite des Schlosses verzogen und versuche dort einzudringen.
Dann, langsam, verflüchtigte sich das Getöse in der Ferne, als würde die Heerschar in eine andere Richtung weiterziehen. Als schließlich alles verstummt war, funktionierte auch das Telefon wieder“.
Ein ähnlicher Effekt war auch im – relativ – nahegelegenen Schloss Raabs {nicht meines!} zu spüren gewesen:
„Zwei Tage später rief mich auch der damalige Besitzer des Schlosses an und versicherte mir glaubwürdig, diese kriegerische Horde habe gegen Mitternacht auch an seinem Tor gerüttelt. Daraufhin ist die Meute wohl von Raabs nach Grünau gezogen“.
Herne The Hunter
Meinen allerersten Einblick in die Mythologie hatte ich in meiner Kindergartenzeit in Glasgow bzw. bei der nicht wirklich vollzogenen Einschulung mit 5 Jahren:
Aus dieser lang vergangenen Epoche ist noch ein Buch erhalten, in welchem es um Herne The Hunter geht; dieser führte (führt noch immer?) die Wilde Jagd in UK an. Es ist merkwürdig, dass diese nicht nur mythologischer Zierrat ist, sondern tatsächlich erlebt wurde:
In UK fand sie 1127 im „Anglo Saxon Chronicle“ erstmals Erwähnung und plagte die Einwohner von Peterborough:
„Diese Jäger waren schwarz und groß und hässlich und sie ritten auf schwarzen Pferden und Hirschen. Man sah sie mitten im Hirschpark von Peterborough und in allen Wäldern zwischen dieser Stadt und Stamford; und die Mönche hörten das Schmettern der Hörner, die sie nachts erschallen ließen. In jener Nacht wurden sie von glaubwürdigen Leuten beobachtet, die sagten, es seien etwa zwanzig oder dreißig Hornbläser gewesen“.
[Nikolai Tolstoy, Auf der Suche nach Merlin, Diederichs, S. 137].
Tolstoy selbst erinnert sich an einen Zeugen:
„Charles Richard Cammel, ein mir befreundeter Dichter, erzählte einmal, dass er vor dem Zweiten Weltkrieg während seiner Schulzeit in Eton sich mit einem alten Wildhüter zu unterhalten pflegte, der Herne auf seinem nimmer endenden Jagd hatte vorbeistürmen sehen“. ʬ[S. 138]
