Dies im Übrigen im Gegensatz zu zeitgenössischen Traktaten und Abhandlungen aus der Biedermeierzeit, wo man mit solchen „Anomalien“ keinerlei Probleme hatte, da diese als dem Leben zugehörig gesehen worden sind!
Tatsächlich ist diese Sichtweise kontraproduktiv. So wird in der Hauser-Literatur gelegentlich angemerkt, dass dieser nach seinem Tod als „Geist“ erschienen sein soll und seinen Mörder namentlich angezeigt hat, doch gehen solche Informationen in Halbsätzen unter und noch nicht mal der fragliche Name wird genannt!
Auch dass Hausers vermeintliche Mutter, Großherzogin Stephanie von Baden, medial veranlagt war, ebenso wie ihre drei Töchter, ist eine Verbindung, die gerne übergangen wird.
Die fast phobische Abneigung unseres seelenlosen, bildungsfernen und materialistischen Zeitalters vor den „erweiterten“ menschlichen Sinnen kann durchaus mit dem allgemeinen Kulturverfall unserer Epoche gesehen werden, anders ist diese Ignoranz nicht zu erklären!
Doch was lässt uns die Autorin des oben genannten Buches noch über Kaspars Fähigkeiten wissen?
„Er musste zum Beispiel seine Empfindlichkeit für bestimmte Metalle, etwa Kupfer oder Silber, unter Beweis stellen. Die vornehmen Herren durften dann eigenhändig das Metall im Zimmer verstecken, während Kaspar draußen vor der Tür warten musste, bis er hereinholt wurde […] [um] die versteckten Stücke auf Anhieb zu finden!“
Selbst dieser zögerliche Hinweis auf den „übersinnlichen“ Hauser war ihr offenbar zu viel, so führte sie aus, dass ihr anderes „wichtiger erscheint als die Aufzeichnungen Daumers [= Kaspar Hausers Lehrer, bei dem er zuerst lebte] über die außergewöhnlichen, fast mystischen Fähigkeiten Kaspars in dieser ersten Nürnberger Zeit!“
Am 17. Oktober 1829 wurde das erste von insgesamt drei Attentaten auf Hauser verübt. Am gleichen Tag traf sein späterer Gönner Philip Henry, 4th Earl of Stanhope, in Nürnberg ein, beide kannten sich damals noch nicht.
Er stieg im Gasthof „Wilder Mann“ ab, was ein interessantes „Name Game“ darstellt, da Hauser so gesehen tatsächlich ein „wilder Mann“, ohne zivilisatorische Prägung war.
[= Goethe stieg übrigens, nachdem er fliegende Lichter beobachtet hatte, in einer Wirtschaft namens „
Zur Feuerkugel“ ab!]
[= Dass Stanhope auch in der Nähe war, als der Hauser-Freund und -Unterstützer Paul Johann Anselm Feuerbach, ab 1808 Ritter von Feuerbach, vergiftet wurde, sei nur als Randnotiz erwähnt!]
Ob er hinter dem Attentat stand oder nicht, ist heute nicht zu beantworten, allerdings ist die örtliche und zeitliche Nähe sehr auffällig! Hauser hatte wohl schon eine Ahnung von dem, was ihm bevorstand:
„…denn er hatte sich in den letzten Wochen nicht wohl gefühlt“. In seinem Polizeiprotokoll gab er an: „… ja, es sagte mir sogar am 16. und 17. Oktober durch eine innere fortwährende Angst, dass ich einen Unglücksfall werde zu bestehen haben, wesfalls ich mich auch mitgeteilt haben würde […]“.
Dass ein „Man in Black“ ausführend war, kann uns nun auch nicht erstaunen:
„Er stand auf und sah […] eine ‚Mannsperson mit einem ganz schwarzen Kopf’, welchen er zunächst für den ‚Schlotfeger’ hielt. In dem Augenblick bekam er, wie er der Polizei berichtete, einen Schlag vor den Kopf und stürzte zu Boden“.
Wo „Men in Black“ schalten, darf auch die Frau in Weiß walten!
Bekanntlich wurde der Erbgroßherzog Kaspar am 29. September 1812 am Hofe zu Karlsruhe geboren und „verstarb“ am 16. Oktober, wobei man eher davon ausgehen kann, dass er schlicht vertauscht wurde und Jahre später zu Nürnberg als Kaspar Hauser wieder auftauchte.
Die fragliche „Todes- oder Vertauschnacht“ wurde nun von einer Geistererscheinung als „Omen“ orchestriert:
“Bedienstete aus dem Schloss hatten zu Hause schlotternd behauptet, sie seien in der Nacht vor dem Tod des Prinzen dieser Dame in einem dunklen Flur begegnet.“
Der „Fall Kaspar Hauser“ ist nicht nur eine unglaubliche Kriminalgeschichte, sondern auch ein Beispiel für paranormale Verflechtungen im Rahmen eines Rituals:
Die medial veranlagte Stephanie von Baden, immerhin die Adoptivtochter Napoleons (und wahrscheinlich noch viel mehr), bringt den medial veranlagten Kaspar zur Welt, dessen Entführung von einem Geist als Omen begleitet wird.
Kaspar verschwindet für mehrere Jahre in einem Verließ, taucht in Nürnberg auf und wird fünf Jahre später in Erlangen ermordet. In dieser knappen Lebenszeit verblüfft er seine Zeitgenossen mit seinen unglaublichen paranormalen Fähigkeiten und hat mindestens eine „Geistersichtung“ bei Lehrer Daumer.
In dieser körperlosen Form erscheint er nach seiner Ermordung einigen Freunden und verkündet den Namen seines Mörders! Da ich auch weiterhin Hauser-Literatur studieren werde, bin ich schon gespannt auf weitere gespenstische Offenbarungen!ʬ