
Als gewesener Schüler war Kant für mich eher eine Erschrekung denn eine Erweckung. Sein Werk so unmöglich zu lesen wie das von Kafka, dessen Kurzgeschichten einmal ausgenommen! Wobei beide Literaten, jeder auf seine Art Exzentriker seiner Epoche, mich als Personen ansprachen und nicht durch ihr Werk gewannen.
In Manfred Kühns Kant-Biografie fand ich einige mir bis dahin unbekannte Facetten des Königsberger Philosophen, der sich auch mit Themen beschäftigte, die in unseren Themenkreis hineinreichen!
So spekulierte Kant, dass wir nicht die einzigen Bewohner dieses Universums seien, sondern es intelligentes Leben auf anderen Planeten gebe. In diesem Zusammenhang überlegte er, ob Christus ebenfalls für Außerirdische gestorben sein könnte oder ob er womöglich auf anderen Welten noch einmal sterben müsste.
Als Kant sich vorstellte, dass unsere Seele auf einem jener Planeten weiterleben könnte, bewegte er sich an den Grenzen des damals theologisch Erlaubten. Dass das Jenseits eventuell im Weltraum zu verorten ist, wird auch in der Gegenwart noch gerne spekuliert, und genau das wurde von Probanden bei einigen Hypnose-Regressionen behauptet.
Offenbar interessierten Kant auch ungewöhnliche Himmelserscheinungen. So veröffentlichte er in den Königsberger gelehrten und politischen Zeitungen die Besprechung eines Buches, das eine Theorie der Feuerkugel lieferte, die am 23. Juli 1762 am Himmel erschienen war.
In seinem Buch Die Träume eines Geistersehers beschäftigte sich Kant unter anderem mit einem Vorfall, in den Emanuel Swedenborg als schwedischer Mystiker, Geisterseher, Mathematiker, Physiker, Erfinder, Ingenieur und Universalgelehrter verwickelt war, und bei dem dieser eine außergewöhnliche Fernwahrnehmung erlebte. Heute würde man dies am ehesten als eine spontane Form des Remote Viewing bezeichnen.
Darüber berichtete Kant in einem Brief an seine Bekannte Charlotte von Knobloch von einem Ereignis aus dem Jahr 1756. Damals kam Swedenborg aus England in Göteborg an und wurde von William Castel sowie einer Gesellschaft von 15 Personen empfangen. Abends gegen sechs Uhr verließ Swedenborg den Raum und kehrte bleich und bestürzt in die Gesellschaft zurück.
Er berichtete aufgeregt, dass in Stockholm gerade ein verheerender Brand ausgebrochen sei, der sich rasch ausbreite, und erwähnte, dass das Haus eines Bekannten bereits zerstört und sein eigenes Heim in Gefahr sei. Nach einem weiteren Gang nach draußen kehrte er um acht Uhr mit erleichterter Miene zurück und verkündete, dass das Feuer gerade bei der dritten Tür vor seinem Haus gelöscht worden sei.
Am Dienstagmorgen traf ein königlicher Kurier in Göteborg ein und bestätigte das Brandgeschehen minutengenau so, wie es Swedenborg zuvor beschrieben hatte. Die Entfernung zwischen Göteborg und Stockholm beträgt laut luftlinie.org 397,46 Kilometer!
Signifikant ist auch, dass Kants Philosophie unsere Eingeschränktheit offenbart, die tatsächliche Realität zu erfassen, und das weit vor der Filmtrilogie Matrix und den daraus resultierenden Simulationstheorien.
Kant vertrat nämlich den Standpunkt, dass wir die Dinge niemals so erkennen können, wie sie an sich sind, sondern immer nur in der Form, wie sie uns erscheinen. So können wir niemals ergründen, was die Welt im Innersten zusammenhält oder wie die Dinge unabhängig von unserem eigenen Begriffsapparat beschaffen sind, womit uns letztlich auch das Wissen über unser eigenes wahres Wesen verwehrt bleibt.
Kant behauptete, es gebe einen transzendenten Grund, der uns dazu verleitet, Schlüsse zu ziehen, die aus keinem tatsächlichen Wahrnehmungsinhalt folgen können. Über unser wahres Selbst wissen wir demnach ebenso wenig wie über die Dinge an sich, wobei Kant durchaus einräumt, dass es ein zweites Selbst geben muss, welches die jeweilige Erscheinung beziehungsweise Erfahrung überhaupt erst hat.
Tatsächlich lassen sich diese Gedanken auch recht gut auf das Besucherphänomen münzen, bei dem subjektive Aspekte eine ganz besonders große Rolle spielen und auch die jeweilige Kultur und Soziologie spiegeln! So ist der Zeuge als Empfänger und das Phänomen als Sender zu betrachten, wobei das Signal individuell im jeweiligen Zeitgeist interpretiert wird.
1785 erschien Kants Beitrag Über die Vulkane im Monde, in dem er sich an dem Gelehrtenstreit beteiligte, ob Vulkanismus für die Gestalt unseres Trabanten verantwortlich sei oder ob möglicherweise andere Faktoren mitwirkten.
Kant argumentierte, dass Planeten und Monde in ihrer Urform zuerst flüssig gewesen sein mussten, wodurch sich auch ihre Kugelform erklärte, womit er seiner Zeit ebenfalls weit voraus war!
Die Wissenschaft seiner Epoche war ja noch darum bemüht, Gott und die Bibel mit den neuen Erkenntnissen zu versöhnen und in Einklang zu bringen!
Kant und die schwarze Energie
Kant postulierte eine Art Äther oder Wärmestoff, der das ganze Universum erfüllt und alle Körper in gleicher Weise durchdringt, wobei dieser Urstoff keiner Ortsveränderung unterworfen war.
Kant wollte darüber hinaus zeigen, dass der Äther nicht nur ein hypothetisches Prinzip, sondern die ursprüngliche bewegende Kraft ist, ohne die es weder Sinnesgegenstände noch irgendwelche Erfahrungen gäbe.
Er nutzte diesen Äther, um alle anderen bewegenden Kräfte zu erklären, indem er ihn als einen raumfüllenden, alldurchdringenden, allbewegenden und dauerhaften Urgrund verstand!ʬ
Manfred Kühn, Kant: Eine Biografie, München 2004
A. Titelmann, „Nur dass ich ein Mensch sei – Immanuel Kant“
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