Sind die Verfechter von Mindkontrol oder Okkultismus Christen, die zwar höchst unchristlich handeln, aber trotzdem Angst oder Respekt vor Jesus haben? Das ergibt für mich überhaupt keinen Sinn, auch wenn ich mich auf Ihre Erfahrungen diesbezüglich verlasse und es glaube.
Ein Kreuz, als Schutz vor dem Bösen, das könnte grotesker und komödiantischer nicht sein. Vielleicht ist unser Leben tatsächlich nur ein Computerspiel einer pubertären, zynischen Anderswelt-Peergroup...
Reicht übrigens ein ganz normales Kreuz, wie man es im Buchladen kaufen kann, quasi als Symbol? Oder muss es geweiht sein, was dann für mich eher für eine seltsame Verknüpfung der Institution Kirche mit dem Phänomen spricht, weil dann ja die "Energie" des Pfarrers als Vertreter der Kirche auf das Kreuz "geladen" wird.
Der Zusammenhang zwischen Kirche und schwarzer Magie wurde bereits öfter erwähnt.
Und noch eine Frage beschäftigt mich, seit ich ein Kind war:
Woher wissen Gespenster, wann die Geisterstunde (früher 12 Uhr Mitternacht, heute 3 Uhr morgens), trotz Sommer- und Winterzeit, ist? 🙃
Herzlichen Dank für Ihre Arbeit, Herr Raab, und die Möglichkeit, über solche abstrusen Themen zu diskutieren.
Liebe Grüße aus der Oberpfalz!
E.R.
Liebe E. R.,
vielen Dank für Ihren großartigen Leserbrief! Solche Mails mag ich besonders, weil man daran sieht, wie herrlich seltsame Fragen sich ergeben können, wenn man einmal anfängt, sich ernsthaft mit dem Phänomen auseinanderzusetzen.
Und gleich vorweg: Ihre letzte Frage ist fantastisch. Woher wissen Gespenster eigentlich, wann die Geisterstunde beginnt? Und vor allem: Haben die sich damals beim Übergang zur Sommerzeit alle kollektiv um eine Stunde verrechnet? Oder gibt es im Jenseits eine zentrale Behörde, die rechtzeitig eine Rundmail verschickt? 🙃
Aber im Ernst: Ihre Frage nach dem Selbstschutz beschäftigt mich ebenfalls schon lange.
Ich erinnere mich an die CROPfm-Sendung, auf die Sie sich beziehen. Dort ging es unter anderem um die Beobachtung, dass Kreuze und andere religiöse Symbole in manchen Fällen offenbar eine abschreckende Wirkung auf bestimmte Erscheinungen haben können. Das ist nämlich einer der Punkte, die mich selbst am meisten irritieren.
Warum sollte etwas, das möglicherweise überhaupt nichts mit dem Christentum zu tun hat, ausgerechnet vor einem Kreuz zurückweichen?
Wenn wir beispielsweise davon ausgehen, dass hinter manchen Erscheinungen eine unbekannte Intelligenz steckt, vielleicht etwas, das mit dem menschlichen Bewusstsein interagiert oder sich auf eine Weise manifestiert, die wir noch nicht verstehen, dann wirkt die Vorstellung tatsächlich zunächst grotesk:
Da kommt irgendein möglicherweise uraltes, nichtmenschliches oder völlig andersartiges Etwas – und dann hält man ihm ein Kreuz entgegen, woraufhin es sich denkt: „Oh verdammt, ein Christ, ich bin weg!“
So einfach wird es vermutlich nicht sein.
Eine Möglichkeit wäre natürlich, dass das Symbol selbst gar nicht entscheidend ist. Vielleicht reagiert das Phänomen auf die Bedeutung, die ein Mensch diesem Symbol gibt. Ein Kreuz kann für den einen lediglich ein Stück Metall oder Holz sein. Für einen anderen steht es für Schutz, Ordnung, Glauben, Widerstand oder für die bewusste Weigerung, sich von etwas einschüchtern zu lassen.
Und vielleicht ist genau das der interessante Punkt.
Wenn wir es mit einem Phänomen zu tun haben, das – wie auch immer – mit dem menschlichen Bewusstsein interagiert, dann könnte die innere Haltung des Betroffenen wesentlich wichtiger sein als das konkrete Objekt. Das Kreuz wäre dann gewissermaßen nicht unbedingt die „Waffe“, sondern ein Symbol, mit dessen Hilfe der Mensch seine eigene Grenze zieht.
Und genau das scheint mir auch beim Thema Selbstschutz grundsätzlich wichtig zu sein.
Ich würde mich persönlich niemals ausschließlich auf ein bestimmtes Objekt verlassen. Nicht auf ein Kreuz, nicht auf ein Amulett, nicht auf irgendeinen Kristall und vermutlich auch nicht auf ein kleines silbernes Pentagramm, das man bei Amazon bestellt hat. 😉
Was ich dagegen für sinnvoll halte – unabhängig davon, wie man das Phänomen letztlich interpretiert –, ist eine klare innere Haltung. Wenn man mit etwas konfrontiert wird, das man als unangenehm oder bedrohlich empfindet, sollte man versuchen, sich nicht vollständig in die Angst hineinziehen zu lassen.
Man kann Grenzen setzen.
Man kann innerlich oder laut sagen: **Nein. Ich will das nicht. Ich möchte keine Interaktion. Du hast hier nichts zu suchen. Geh.**
Ob das nun auf eine tatsächlich vorhandene Entität wirkt, auf einen unbekannten Mechanismus des Phänomens oder zunächst einmal auf die eigene Psyche, kann ich natürlich nicht sagen. Aber erstaunlicherweise finden sich Berichte aus sehr unterschiedlichen kulturellen Zusammenhängen, in denen genau dieses bewusste Zurückweisen einer Erscheinung eine Rolle spielt.
Und hier wird es dann richtig interessant.
Denn offenbar sind religiöse Symbole keineswegs die einzigen „Schutzmittel“. Christen verwenden Kreuze und Gebete. In anderen Kulturen gibt es Amulette, bestimmte Symbole, Rituale, Namen oder Formeln. Und Menschen, die mit Religion überhaupt nichts anfangen können, berichten teilweise ebenfalls davon, dass eine entschlossene innere Haltung oder eine klare Aufforderung zum Verschwinden eine Wirkung hatte.
Vielleicht ist das also gar keine Frage von Christentum gegen Nichtchristentum.
Vielleicht haben wir es mit etwas zu tun, das auf Symbolik, Erwartung, Bewusstsein und menschliche Überzeugung reagiert. Oder – und das ist mindestens ebenso interessant – Symbole und Rituale besitzen tatsächlich eine Funktion innerhalb eines Systems, dessen Regeln wir schlicht noch nicht kennen.
Was die Weihe eines Kreuzes betrifft, wird es noch komplizierter.
Aus materieller Sicht ist ein geweihtes Kreuz natürlich zunächst einmal dasselbe wie ein ungeweihtes. Der Unterschied besteht in dem Ritual und in der Bedeutung, die diesem Gegenstand zugeschrieben wird. Ob dadurch tatsächlich etwas geschieht, das über die psychologische Wirkung hinausgeht, weiß ich nicht.
Ich würde es jedenfalls nicht ausschließen, aber auch nicht behaupten, es zu wissen.
Und genau hier kommen wir zu dem Punkt, den Sie selbst angesprochen haben: der Kirche.
Natürlich gibt es historische Verbindungen zwischen kirchlicher Tradition, Ritualmagie, Dämonologie, Exorzismus und all den Bereichen, die heute gern unter dem Sammelbegriff „Okkultismus“ zusammengefasst werden. Die Geschichte ist hier wesentlich komplizierter, als es die einfache Formel „Kirche hier, schwarze Magie dort“ vermuten lässt.
Und wenn man dann noch mögliche militärische, geheimdienstliche oder Mind-Control-Aspekte mit in das Gesamtbild hineinbringt, wird die Sache endgültig unerquicklich. Denn dann müssten wir möglicherweise davon ausgehen, dass nicht alle seltsamen Erfahrungen dieselbe Ursache haben.
Vielleicht ist genau das einer unserer größten Denkfehler: dass wir ständig versuchen, alles unter einem einzigen Begriff zusammenzufassen.
Geister. UFOs. Entitäten. Dämonen. Shadow People. Außerirdische.
Vielleicht handelt es sich aber um völlig unterschiedliche Dinge, die lediglich gelegentlich ähnliche Effekte erzeugen oder sich auf ähnliche Weise bemerkbar machen.
Oder – um es mit Keel zu sagen – vielleicht haben wir es mit einem Phänomen zu tun, das sich immer wieder neue Masken aufsetzt.
Und was den Selbstschutz betrifft, würde ich deshalb sagen: Jeder sollte das verwenden, was ihm persönlich ein Gefühl von Schutz, Stabilität und innerer Stärke gibt. Für den einen mag das ein Kreuz sein. Für den anderen ein Gebet. Für einen dritten vielleicht überhaupt nichts Religiöses, sondern eine bewusste innere Haltung.
Ich glaube jedenfalls nicht, dass man Christ sein muss, um sich gegen etwas zur Wehr zu setzen, das man als unerwünscht empfindet.
Vielleicht ist es sogar genau das, worauf es ankommt: dass man sich selbst nicht als hilfloses Opfer betrachtet.
Und falls unser gesamtes Leben tatsächlich nur ein Computerspiel einer pubertären, zynischen Anderswelt-Peergroup sein sollte, dann hoffe ich wenigstens, dass irgendwann ein Patch erscheint, der ein paar der gröbsten Fehler behebt. 😉
Was die Geisterstunde betrifft, bin ich allerdings nach wie vor ratlos.
Vielleicht haben Gespenster einfach keine Armbanduhr.
Oder sie leben in einer Zeitzone ohne Sommerzeit.
Herzliche Grüße zurück in die Oberpfalz und nochmals vielen Dank für Ihren tollen Leserbrief!
Beste Grüße
Wladislaw {ʬ} Raab