Eine meiner Novemberlektüren im Jahr 2021 war unter anderem das Buch „Der berühmte Herr Leibnitz“ von Eike Christian Hirsch.
arin geht es – wie der Titel bereits vermuten lässt – um das Leben des Universalgelehrten Gottfried Wilhelm Leibniz.
Dieser hatte nicht nur eine mechanische Rechenmaschine erfunden und konstruieren lassen, sondern war in so gut wie allen erdenklichen Feldern der Wissenschaft aktiv.
So pendelte er stetig zwischen den Höfen von Hannover, Berlin und Wien hin und her und galt bei kniffligen Fragestellungen stets als erste Anlaufstelle.
Dadurch blieb es naturgemäß nicht aus, dass er auch immer wieder zu Rate gezogen wurde, sobald es um Anomalien ging.
Das Medium Rosamunde Juliane von der Asseburg
Im Herbst des Jahres 1691 sprach die gesamte Öffentlichkeit über eine Lüneburger Prophetin namens Rosamunde Juliane von der Asseburg. Das neunzehnjährige Adelsfräulein soll bereits seit ihrer frühen Jugend immer wieder Visionen von Christus erlebt haben.
Der Lüneburger Superintendent Johann Wilhelm Petersen, in dessen Haushalt sie untergekommen war, zeigte sich von ihrer ungewöhnlichen Begabung fasziniert. Aus heutiger Sicht würde man die Adlige wohl am ehesten als Remote Viewerin bezeichnen.
Man überreichte der jungen Frau damals einen versiegelten Umschlag, der drei in englischer Sprache verfasste Fragen enthielt. Diese konnte sie vollständig auf Deutsch beantworten, ohne das Siegel des Umschlags jemals aufgebrochen zu haben.
Solche Experimente wurden wiederholt durchgeführt – und das mit anhaltendem Erfolg. Ein gewisser Abt Molanus zeigte sich jedoch verärgert über diese Vorkommnisse. Er riet dazu, die junge Dame unverzüglich zur Kur nach Bad Pyrmont zu schicken. Dort sollte sie ihre Verstopfung behandeln lassen, welche nach seiner Auffassung die alleinige Ursache für ihre Visionen darstellte. ^^
Leibniz ging die Angelegenheit deutlich pragmatischer an. In seinem Bericht an Landgraf Ernst bezeichnete er das Fräulein von Asseburg zwar lediglich als eine Halb-Prophetin, räumte jedoch gleichzeitig ein, dass es durchaus wahrhaftige Propheten wie jene des Alten Testaments gebe, in deren Nähe er Rosamunde letztlich auch einordnete.
Das Rätsel um Johann Besslers Perpetuum Mobile
Etwas anders gelagert war der Fall des Mediziners Johann Bessler, welcher behauptete, ein funktionierendes Perpetuum mobile konstruiert zu haben. Solche Behauptungen waren in der damaligen Epoche keineswegs ungewöhnlich.
Bessler hob sich jedoch von anderen Erfindern und Bastlern dadurch ab, dass er keinerlei Bedenken hatte, seine Apparatur von Wissenschaftlern eingehend überprüfen zu lassen. Bei seiner Erfindung handelte es sich um ein über mannshohes Holzrad, das sich ohne erkennbaren äußeren Antrieb ununterbrochen drehte.
Nach dem Lösen einer Arretierung durch ein Seil setzte sich das Rad von selbst unter starker Geräuschentwicklung mit großem Schwung in Bewegung und ließ sich selbst nach Stunden nur mit Mühe wieder anhalten. Leibniz, der durch die Entwicklung seiner eigenen Rechenmaschine von Technik begeistert war, stand vor einem Rätsel.
Er verbrachte zwei Stunden damit, die Apparatur zu umrunden, sich davor zu bücken, nachzudenken und sich mit anwesenden Personen auszutauschen.
Dennoch vermochte niemand den zugrundeliegenden Mechanismus zu durchschauen. Auch in der Folgezeit konnte sich Leibniz die Wirkungsweise nicht erklären, lehnte einen Betrugsversuch jedoch ab und nahm den Erfinder gegen Angriffe in Schutz.
Am 31. Oktober 1715 fand in Merseburg schließlich eine entscheidende Demonstration der Maschine vor den Augen zahlreicher kritischer Mathematiker und Mechaniker statt. Die Vorführung erregte erneut großes Staunen, woraufhin dem Erfinder eine offizielle Bestätigung ausgestellt wurde.
Augenzeugen berichteten von Gewichten, die sich innerhalb des Kunstrades bewegt haben sollen. Die entwickelte Kraft war derart stark, dass das Rad über ein Seil einen mit sechs Ziegelsteinen beladenen Kasten bis hinauf zum Dach ziehen konnte.
Der Erfinder ließ das Rad sogar aus seiner ursprünglichen Verankerung heben und auf eine andere, entfernte Halterung setzen, wo es sich sogleich wieder eigenständig in Bewegung setzte.
Zudem durften die Prüfer die angrenzenden Räume betreten und das Rad gründlich untersuchen. Ein weiterer Erfolg gelang dem Tüftler im November 1717 auf Schloss Weißenstein bei Kassel. Dort wurde vor vielen Zeugen ein neues Rad in einem Raum fest verschlossen und versiegelt.
Als man die Siegel im Januar 1718 nach mehr als sieben Wochen schließlich aufbrach, lief das Rad noch immer ungehindert. Bessler gab darüber hinaus an, dass er in der Lage sei, ein U-Boot sowie eine Horizontalwindmühle zu bauen. Bei den Arbeiten an einer solchen Windmühle stürzte er im Jahr 1733 leider tödlich ab.
Ein Gedanke zum Abschluss
Bei Bessler musste ich natürlich sogleich an einen Zeitreisenden denken – einen Fremden aus einer anderen Epoche, der durch die Jahrhunderte streift und sich seinen Lebensunterhalt mit technischen Kunststücken finanziert.
Womöglich handelte es sich bei den im Rad verborgenen Gewichten in Wahrheit um Komponenten eines Elektromotors aus einer Epoche, in die Bessler nicht mehr zurückkehren wollte?
Zugegeben: Mich hält im 21. Jahrhundert auch nicht mehr viel. Hätte vielleicht jemand einen Elektromotor und ein großes Holzrad für mich?ʬ ^^
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