Die ersten umfangreicheren Informationen zu den japanischen „Tsunamigeistern“ erhielt ich im März 2021, als auf einem russischen TV-Sender eine Dokumentation über den verheerenden Tsunami vom 11.03.2011 mit über 20.000 Toten in Japan lief. Die Filmcrew hatte einige Taxis angemietet, und einer der Fahrer berichtete, dass es seit der Katastrophe immer wieder zu Geistersichtungen gekommen sei.
Er selbst hätte eine Frau mitgenommen, die, nachdem sie das Fahrziel genannt hatte, schweigend auf dem Rücksitz Platz genommen hatte. Nach kurzer Zeit sei sie verschwunden. An der angegebenen Adresse habe nur noch eine Ruine gestanden; das Haus war von den Wassermassen zerstört worden.
Zum Thema habe ich mir das Buch „Ghosts of the Tsunami“ von Richard Lloyd Parry besorgt. In diesem geht es im Schwerpunkt um das Schicksal einer Grundschule in Okawa und ihrer Schüler, die es mehrheitlich nicht mehr geschafft hatten, sich in Sicherheit zu bringen. Daneben findet man aber auch ein paar Informationen zu den Geistersichtungen!
Einer der Zeugen, nicht direkt im Tsunami-Gebiet wohnhaft, beobachtete Wochen nach dem Ereignis eine Gruppe von Menschen, die an seinem Haus vorbeiliefen. Vermeintlich Eltern mit ihren Kindern, Jugendliche und weitere Personen. Die Kleidung, die sie trugen, war schmutzig. Sie starrten den Mann feindselig an. Dabei „flackerten“ sie wie in einem Film.
Ein weiterer Zeuge wurde nachts von einem Wesen heimgesucht, welches agierte wie eine Drud, sich auf seine Brust setzte und ihm so den Atem nahm! Interessant, dass es diesen „Mythos“ / „Typus“ auch in Japan gibt; in Europa ist er ja bis in die heutige Zeit hinein bekannt!
Eine gruselige Gestalt – Parry beschrieb sie nicht genauer – hatte sich im Haus einer jungen Frau eingenistet beziehungsweise festgesetzt und machte ihr das Leben zur Hölle!
An einem abgelegenen Teil des Strandes bemerkte ein Stadtbediensteter aus Soma eine Frau. Während er sinnierte, wie sie durch die Absperrungen dorthin gelangt sein konnte, verschwand sie spurlos!
Die Feuerwehr von Tagaja erhielt immer wieder Anrufe über Telefonleitungen, die von Häusern stammten, die vom Tsunami zerstört worden waren! Dort gab es aber keinen aktiven Telefonanschluss mehr! Die Stimmen riefen um Hilfe und beschrieben die hereinbrechenden Wassermassen. Die Feuerwehrleute fuhren oft zu den Stellen und beteten für die Toten.
Ein Taxifahrer aus Sendai nahm einen männlichen Fahrgast mit. Während der Fahrt verschwand dieser. Am Ziel angekommen fand sich nur eine Ruine. Dessen ungeachtet öffnete der Fahrer die Tür und ließ den Geist aussteigen!
Taxifahrer werden als Zeugen immer wieder genannt. Sie sammelten ihre Fahrgäste an Straßen auf, an denen sie standen und warteten.
Dem „Fährmann“ der griechisch-römischen Mythologie Charon nicht unähnlich, der die Verstorbenen über den Styx ins Totenreich brachte!
Solche Berichte kamen aus allen Teilen der überfluteten Gebiete! Interessant ist, dass die meisten Begegnungen bedrohlich oder unangenehm waren, selbst wenn die eigenen Familienmitglieder herumspukten!
So wandten sich die Betroffenen an ihre jeweiligen Priester, unabhängig davon, ob sie nun Shintoisten, Buddhisten oder Christen waren, und baten um einen EXORZISMUS; die ehemaligen Angehörigen in ihrer neuen „Daseinsform“ sollten ausgetrieben werden!
Das Geisterproblem war so weit verbreitet, dass die Tohoku-Universität damit begonnen hatte, Sichtungsberichte zu sammeln und auszuwerten!
Soweit ich das bis jetzt einschätzen kann, ist diese „Geisterflut“ die erste in der neueren Geschichte. Im Internet fand ich keine weiteren Hinweise auf einen Tsunami, der ähnliche Auswirkungen gehabt haben soll.
Wieso die Begegnungen als so negativ empfunden wurden, dass man zum Exorzismus, also zur AUSTREIBUNG, griff, erschließt sich auch nicht wirklich.
Wer will schon sein verstorbenes Kind oder seinen ehemaligen Partner austreiben lassen? Oder waren es nicht die Seelen der Verstorbenen, sondern etwas anderes?
Tsunami-Geister / Update
Das Buch „A Strange Little Place“ von Brennan Starr hat sich als klassischer Fehlkauf erwiesen. Der Autor versucht uns den Ort Revelstoke {British Columbia} als ParaSport anzudrehen, wahrscheinlich weil er dort geboren wurde!
Die läppischen „Fälle“ im Ort selbst {ein paar Lichter am Himmel, die angeblich „UFOs“ sein sollen, und vermeintliche Geisterschritte in alten Häusern als „Spuk“!} sind nicht mehr als harmlos und völlig uninteressant!
Folglich stammen die meisten Fälle {ich schätze mal über 90%!} aus anderen Teilen Kanadas, aus den USA und selbst aus Russland!
Wie groß muss die Not des Autors gewesen sein, das schmächtige Büchlein „voll“ zu bekommen‽ Irgendwie geordnet sind die Anekdoten auch nicht. Weder geographisch noch chronologisch noch phänomenologisch {also eine Sparte über Ufos, eine über Geister usw.}!
„Out of the blue“ kommt der Schreiberling dann plötzlich auf die japanischen Tsunami-Geister zu sprechen, über die ich oben schon berichtet habe! Dieser Part, etwa eine halbe Seite in dem sonst völlig wertlosen Pamphlet, ist der lesenswerteste!
Starr bezieht sich auf einen Presseartikel von 2006, der in der Asahi Shimbun {einer japanischen Zeitung} erschien.
Dort wird über den Soziologen Yuka Kudo berichtet, der in der Präfektur Miyagi {in der Stadt Ishinomaki} rund 100 Taxifahrer befragte, die „Geisterfahrer“ an Bord hatten.
Diese wirkten wie reale Menschen, hatten jedoch manchmal die „falsche“ Kleidung an, Winterkleidung im Sommer! Der Tsunami von 2011 ereignete sich am 11. März, dementsprechend trugen die Opfer {und ihre Geister} warme Sachen.
Kurz bevor das Fahrziel erreicht wurde, verschwanden die Passagiere. Die Fahrten waren in einem digitalen Fahrtenbuch eingeloggt worden!
Es ist nicht anzunehmen, dass sich die Taxler einen morbiden Scherz auf eigene Kosten hatten einfallen lassen!ʬ