Seine begeisterten Berichte über die üblichen Phänomene wie Tischchenrücken, schwebende Taschentücher, Glockenläuten, Maschinenschreiben, Tamburine und sogar Geistererscheinungen – deren Echtheit zu bezweifeln ihm unmöglich schien – dienten nicht nur der Unterhaltung beim Abendessen, sondern wurden auch detailliert an Schrenck-Notzing übermittelt.
Katia, die als mathematischer Kopf diesen Dingen skeptisch gegenüberstand, akzeptierte dennoch seinen Glauben, da sie ihm stets mit tiefer Taktvollkommenheit und Anpassungsbereitschaft begegnete. Seine okkulten Erlebnisse verarbeitete er im Anschluss ziemlich ausführlich in seinem Roman Der Zauberberg.
Daneben schrieb er über die okkulten Erlebnisse, die er demnächst in Augsburg präsentieren werde. In Wien, Budapest und Prag gab er den erzieherischen Ansatz freilich zugunsten des Okkulten auf, und seine Darbietungen entfalteten eine außergewöhnliche Wirkung auf das Publikum.
P.S.: Thomas Mann & die Geisterkralle
Heute habe ich mir die Thomas Mann-Biografie von H. Kurzke besorgt. Das Buch ist eine Zumutung, da es darin im Grunde nur um die homoerotischen Neigungen des Autors geht und sämtliche Lebensbereiche sowie Werke ausschließlich in diesem Kontext auf erotische Fantasien reduziert werden. Bei moderneren Biografien lässt sich diese völlige Sexualisierung historischer Persönlichkeiten immer wieder beobachten.
Als es ab Seite 336 schließlich um die okkulten Interessen Manns geht, wird Kurzke plötzlich dramatisch und urteilt, es folge ein peinliches Kapitel, das man weder verstehe noch billige. Der verwendete Pluralis Majestatis ist in dieser Hinsicht durchaus bemerkenswert.
P.S.²: Die Mann’s ⅋ der Wilde Mann
Die Autorin Dagmar von Gersdorf war mir schon von ihrer Biografie über Goethes Mutter bekannt, einem meiner Lieblingsbücher. Goethe hatte ja selbst ein ungewöhnliches Erlebnis mit einem Lichter-Reigen während einer nächtlichen Überlandfahrt! Von Gersdorf verfasste auch eine ausgesprochen interessante Abhandlung über Julia Mann, also die in Brasilien geborene Mutter von Thomas & Heinrich Mann! Die ungewöhnlichen Aspekte der Familiengeschichte wurden hier bereits in Form von Beiträgen oben behandelt!
Allerdings war bisher nicht zu erfahren, ob auch Julia Mann entsprechende Erlebnisse hatte oder nicht.
In der Regel vererben sich „wilde Talente“ [=also paranormale Fähigkeiten] von der mütterlichen Seite, hier jedoch scheinen beide Familienzweige eine entsprechende Vorgeschichte zu haben!
Der Leser erfährt nicht viel zu dem Thema, aber ein wenig schon!
So hatte Julia „als Kind die Mutter Gottes im blauen Mantel über dem Meer erblickt“ – es war der Südatlantik, sie hatte ihre Kindheit in Angra dos Reis und Paraty verbracht, also im heutigen Staat Rio de Janeiro!
Jahrzehnte später, kurz vor ihrem Tod, hatte sie, fernab von Südamerika, in Polling / Bayern, ein Erlebnis, welches von ihrem Enkel Klaus Mann niedergeschrieben und überliefert ist!
Unklar bleibt, ob es sich dabei um ein einmaliges Vorkommnis gehandelt hat, oder nicht!
Sie berichtete über „kalte Blitze, die in Form von durchsichtigen Kugeln auftreten und zunächst ganz reizend anzusehen sind, wenn sie vom Dache abwärts durchs Fenster schweben, von Stockwerk zu Stockwerk, bis sie den Keller erreichen, wo sie explodieren und alles verwüsten“.
Diesen Part hatte ich meiner Kollegin Corinna [ehemals UFOs & Co] kurz in einer E-Mail beschrieben, ohne genauer auf die Zusammenhänge einzugehen.
Sie antwortete mir:
„Bei Kugel denke ich an Planeten. Saturn und die ihn umrundenden Ringe. Ursymbol für Leben und Tod und Erneuerung. Kein Anfang, kein Ende. Keine Richtung, kein Ziel. Eine durchsichtige Kugel jedoch kann verpuffen, platzen wie eine Seifenblase. Eine Todesankündigung?“
Tatsächlich starb Julia Mann nicht lange nach diesen merkwürdigen „Kugelblitzen“, wenn es denn solche waren.
Mir ist kein Fall bekannt, in dem diese als „Cluster“ auftreten – wer es besser weiß, möge mich bitte aufklären:
retroanomalien@gmx.deAufschlussreich, gerade aus mythologischer und forteanischer Perspektive heraus, ist das alte Wappen der Familie – Heraldiker aufgemerkt!
„… ein wilder Mann mit einem Fell um die Lenden, in einer Hand eine Keule und in der anderen einen ausgerissenen Baum“.
Der Wilde Mann als Elementarwesen mit seinen übernatürlichen Kräften spukt durch die Sagenwelt und ist seinem Gegenstück – Sasquatch oder Bigfoot – artverwandt!
Besonders erhalten hat sich dieses Erbe in UK, wo sein Motiv neben Familienwappen Pub-Schilder und Namen ziert!
Wappen haben einen direkten Bezug zur Familie, symbolisieren meist deren Gewerbe oder Adelsstand. Welchem Gewerbe gingen die Vorfahren der „modernen“ Manns nach? In meiner Quelle ist lediglich vermerkt, dass es sich um ein sehr altes Wappen handelt – Mittelalter? –, erklärt wird das Motiv nicht.
Hatten die „historischen“ Manns irgendwie mit Elementarwesen zu schaffen, vergleichbar mit Schamanen, und vererbten sich diese „wilden Talente“ bis in die Moderne hinein?ʬ
P.S.³: Thomas Mann ⅋ der Grinning Man(n)
Auf die paranormalen Interessen von Thomas Mann und entsprechende Vorkommnisse in seiner Familie bin ich bereits oben eingegangen! Weitere Hinweise auf „wilde Talente“ fanden sich in „Im Netz der Zauberer“ von Marianne Krüll! Dreh- und Angelpunkt zweier Ereignisse, von denen Thomas Mann und sein Bruder Heinrich betroffen waren, war der Selbstmord der Schwester Carla!
Heinrich befand sich gerade im Urlaub, als er etwas Merkwürdiges erlebte:
„Gegen Mittag erging ich mich in einem kahlen Garten, dem einzigen auf diesem Südtiroler Berg. Es war still, da wurde ich gerufen: ich meinte aus dem Haus. Ich war so wenig vorbereitet, dass mir im ersten Augenblick nicht einfiel: hier ruft niemand mich bei meinem Namen. Später am Tag kam das Telegramm mit der Nachricht!“
Dass der Tod von nahestehenden Personen oft durch Rufen oder andere akustische Phänomene „angezeigt“ wird, ist in der parapsychologischen Forschung bekannt.
Eine interessante Synchronizität war die, dass Heinrich Mann gerade an einem Stück mit dem Titel „Varieté“ schrieb, in dem es um eine Schauspielerin und ihren Freitod geht! Carla Mann war Schauspielerin!
Kurz nach Carlas Tod schrieb Thomas Mann die Novelle Tod in Venedig. Die Hauptfigur begegnet darin auf einem Gottesacker in München einer unheimlichen, finster grinsenden und starrenden Gestalt.
„Viele in der Novelle geschilderte Ereignisse sind bis ins kleinste Detail realen Vorkommnissen […] nachempfunden. […] sogar der seltsame Todesbote auf dem Münchner Friedhof – all das hatte Thomas Mann erlebt“.
Seinerzeit sah Mann den diabolischen „Grinser“ an einer Friedhofskapelle!
Aufmerksame Leser dieses Blogs kennen diesen „Paranauten“, er ist der „Grinning Man“, der auch vom UFO-Phänomen adoptiert worden ist – man denke an Indrid Cold und andere Gestalten bei „Nahbegegnungen“!
Dass das UFO-Phänomen entsprechende Entitäten aus der Überlieferung und der Mythologie „kopiert“ und „modernisiert“ wieder einsetzt, ist auch anhand der Men in Black gut nachzuvollziehen, die ihrerseits zuerst als Todesboten unterwegs waren, um dann im Umfeld fliegender Untertassen sinister aufzutrumpfen!
Unheilsboten haben sich bei den Manns immer wieder eingestellt:
Bevor Klaus Mann, ein Sohn von Thomas Mann, 1915 eine Blinddarmerkrankung hatte, die dann auch noch von einer Bauchfellentzündung flankiert war, und er schon von den Ärzten aufgegeben wurde, hatte er Alpträume von einem Mann ohne Kopf, der ihn mit dem Tod bedrohte!
Als Erwachsener sollte er sich dann u. a. mit Kaspar Hauser beschäftigen!
Möglicherweise war Thomas Mann das „Hauptmedium“ der Familie, denn ihn umkreisten die meisten Phänomene, und er war es auch, der sich ab den 1920er-Jahren, beginnend in München, mit parapsychologischen Erscheinungen und Séancen beschäftigte!
Das Meiste wird wohl nie enthüllt werden, wie etwa eine erschreckende Vision, die er in Italien hatte:
„Peter de Mendelssohn schreibt, dass Thomas Mann offenbar während seines ersten Besuchs mit Heinrich in Italien in jenem […] Saal ein unheimliches Erlebnis, eine Art Vision hatte, die ihn erschreckte und die er nun – fast ein halbes Jahrhundert später – in die Faustus-Geschichte einbrachte“.
Thomas Mann erinnert mich in der Hinsicht an den amerikanischen Schriftsteller Lovecraft. Dieser hatte seine Alpträume zu Literatur geformt, so dass seine „Privatoffenbarungen“ in Millionenauflage ihren Weg in die Vorstellungswelt der Leser antreten konnten!
Mann „literaturisierte“ seine unheimlichen Begegnungen ebenfalls und ließ sie, versteckt zwischen den Zeilen seiner Bücher, hinaus in die Welt und in die Köpfe seiner Leser, wo sie zu kulturellen Archetypen heranwuchsen und ein Eigenleben entfalteten!ʬ