📰 Leitartikel: Casanova und das "UFO"

22/08/26

🗡️🎩
Von einem, der auszog,
ein solcher zu werden,
wie sein Vater gewesen ist!

So schlecht, wie anfangs befürchtet, ist das Buch „Lost Prince“ von Jeffrey Moussaieff Masson eigentlich nicht! Allerdings hätte der Psychoanalytiker Hauser anhand der reichlich vorhandenen medizinischen Befunde psychoanalysieren sollen. 
Stattdessen bemüht er sich als „Hauserianer“ zu punkten, was nicht wirklich gelingt, da ihm einfach das Hintergrundwissen fehlt! In Deutschland hatte er Kontakt zu den Hauser-Forschern Dr. Oskar Adolf Bayer und Johannes Mayer aus Stuttgart, der den Pies-Nachlass verwaltet.
Von einer möglichen amerikanischen Perspektive erfährt man recht wenig, bis nichts: Lediglich, dass Zeitungsmeldungen zu Hauser in New York, Boston und Philadelphia erschienen sind und Suzanne Vega ein Lied namens „Wood Horse ~ Caspar Hauser Song“ verfasst und besungen hat!
Masson vermutet, dass Hausers Vergessen und Verdrängen bzw. der Rückfall in die Kindheit durch ein Trauma verursacht worden war und er Lesen, Schreiben und Malen nicht erstmalig, sondern wieder erlernte!  
Er befragte auch amerikanische Mediziner, ob eine Wasser-und-Brot-Verkostung bzw. „Diät“ in einem finsteren Keller über zwölf Jahre hinweg überlebbar wäre, was einhellig verneint wurde! 
Dessen ungeachtet geht er, ganz Neu-Hauserianer, noch immer von einer solchen Gefangenschaftsdauer aus! Unter „Analysen“ kam dann nichts mehr!
Hauser gab Daumer gegenüber an, dass er in der Zeit seiner Kerkerhaft sich seiner selbst nicht bewusst war. Ob man diesen Zustand mit Drogen oder Hypnose hergestellt hat?
Kaspars vermeintliche Mutter, Stéphanie de Beauharnais, war 1851 auf Einladung von Queen Victoria nach England gekommen. Die Zeit nutzte sie, um über zwei Tage hinweg den ominösen Lord Stanhope in Chevening Castle, Kent, zu besuchen! 
Natürlich unterhielt der englische Edelmann zum Hause Baden enge Kontakte. Vor allem zu Stéphanie, der er Feuerbachs Hauser-Schrift mitbrachte und ein Treffen der beiden arrangieren wollte. Das Desinteresse kam von Stéphanie, so viel zur Mutterliebe!
Stanhope war „ihr Mann“ in Nürnberg und Ansbach, zu ihr reiste er und hielt sie auf dem Laufenden! Unabhängig davon, ob Hauser ihr Sohn war oder nicht! War er es nicht, war er mit seinem fiktionalen Anspruch auf den Thron, der von den damaligen Zeitungen aufgeworfen und durch anonyme Briefe als Fakt dargelegt wurde, eine Gefahr für Baden! 
Wie weit ihr vom französischen Hauserianer Bapst beschriebener Hass auf ihren Mann Karl eine Rolle spielte, steht in den Sternen: Stand sie hinter der „Ausschaffung“ des Erbprinzen, da sie ihrem Göttergatten keinen Nachfolger gönnte? Oder wollte man in Karlsruhe ein mögliches Kind von Napoleon höchstselbst verschwinden lassen?
Beides erklärt, wieso er nicht sofort ermordet, sondern ausgetauscht worden war gegen ein anderes Kind, welches an seiner Stelle den Tod fand! Wer die Briefe Stéphanies in Übersetzung bei Bapst gelesen hat, wird wissen, dass sie keine Mimose war und alles andere als zart besaitet! 
Resolut und unnachgiebig setzte sie ihre Interessen knallhart durch, in jeder Kleinigkeit! Wieso nicht im Falle Hauser? Es ging doch schließlich um ihren Sohn! Wenn nicht voller Einsatz in seiner Sache, wann dann?
Und was sollten die ständigen Treffen mit Stanhope? Angeblich gehörte der zu den Verschwörern, die ihren Sohn töten ließen! Und mit dem traf sie sich bis 1851? Was wurde da besprochen? Wie erfolgreich die Aktion abgelaufen war? Fragen über Fragen!
Aufschlussreich ist, dass Hauser in der Gefangenschaft kein Wissen zu Religion und Gott vermittelt worden ist! Die religiösen Traktate in seiner Kleidung hatte er nie gelesen! Lässt das Rückschlüsse auf die Personen im Hintergrund zu? Im religiösen Biedermeier, wo die Bibel im Volke noch für bare Münze genommen worden ist, wurde jedem der Glaube vermittelt, dies galt als Grundrecht jedes Menschen! 
Wieso „internierte“ man Hauser und brachte ihm nicht einmal ein infantiles Nachtgebet bei? Eine zusätzliche Erniedrigung als „Heide“, ohne Anspruch auf das Himmelreich? Für damals bedeutende Fragen!
Oder hielt man ihn aufgrund seiner „übersinnlichen Fähigkeiten“ für einen Abkömmling des Leibhaftigen? Nach dem ersten Mordanschlag auf ihn 1829 lag er zu Bett und sprach im Fieber. Unter anderem: „Nicht nach Erlangen in Walfisch!“ Ich konnte mit dem Statement bisher nichts anfangen. Masson fragt sich, ob es gegebenenfalls ein Hotel oder einen Gasthof dieses Namens in Erlangen gegeben hat‽
Daumers private Aufzeichnungen
Hauser verbrachte seine ersten 1,5 Jahre vom 18. Juli 1828 bis Januar 1830 bei Professor und Lehrer Georg Friedrich Daumer, die mit Abstand beste Zeit für ihn in Freiheit! Wenn man so will, hat er nur in dieser Zeit wirklich gelebt: 
Konnte andere Menschen treffen, sich mit Daumer austauschen, Schach spielen, in die Natur hinaus und reiten. Die Zeit danach verbrachte er bei stupiden Paukern, die ihm Schulstoff für zwölf bis 16 Stunden pro Tag aufgenötigt hatten, versteht sich!
Die größten Lernfortschritte hatte er folglich bei Daumer, bei keinem anderen seiner „Lehrer“, denen er sich völlig verweigerte. Da wurde nicht gelehrt, da wurde nur noch gestritten. Wenn er sich dem für ein oder zwei Stunden unter Ausflüchten entziehen wollte, unterstellte man ihm Faulheit, Undankbarkeit und Neigung zur Lüge. An sich befand er sich bei diesen Herren im gleichen Kerker bzw. Käfig wie vor seiner Zeit in Nürnberg! Nur diesmal mit Fensterblick in die Freiheit, um zu sehen, was ihm entgeht!
Lehrer Meyer in Ansbach versuchte mittels einer Axt sich Zutritt zu Hausers verschlossener Kammer zu verschaffen, wohl den Film „Shining“ vorwegnehmend! Das Hauserrätsel wäre keines, wenn er beim verständigen Menschenfreund Daumer hätte bleiben können, leider kam es anders!
Dieser legte sich private Notizen zurecht, die er von einer Person handschriftlich kopieren ließ. Er schickte sie anschließend an Feuerbach, der Inhalte daraus für seine eigene Hauser-Schrift verwendet hatte! 
Daumers Aufzeichnungen wanderten dann über Feuerbachs Nachfahren in Lindau zum Hauserianer Pies, der sie abtippte und so auf ein Konvolut von 170 Seiten kam. Nach dem Tod von Pies gingen sie weiter an den Hauserianer Johannes Mayer in Stuttgart, wo Masson sie entdeckt haben will! Der Inhalt ist dann später in einem Buch des Eichborn Verlages erschienen!
In den Aufzeichnungen findet sich ein ziemlicher „Knaller“, der bei Pies unpubliziert blieb! Zitat Daumer: 
„Geimpft ist Hauser nicht. Gleich anfangs behaupteten dies zwei Aerzte (Medizinrat v. Hoven und Dr. Osterhausen). Auch Dr. Preu nimmt jetzt seine Behauptung zurück“.
Die Impfung war für Hauser bisher immer ein „Ritterschlag“ gewesen, denn zu der Zeit ließen nur Adlige oder andere sehr hochgestellte Personen ihre Kinder impfen! Wir erinnern uns: 
Hauser hatte zwei festgestellte Impfnarben, wie man in den Befunden der Ärzte nachlesen kann, die eigentlich in jedem Buch zum Thema aufscheinen und zitiert werden. Eine älteren Datums und eine jüngere, erst kurz vor Nürnberg angesetzte! Die Untersuchungen durch die genannten Ärzte fanden unabhängig voneinander und mehrmals statt, dies zu verschiedenen Zeiten!
Wir haben drei Ärzte, die je zwei Impfnarben halluzinierten, wo es keine gab: Also sechs Irrtümer, drei Ärzte zu je zwei Narben, in der gleichen Angelegenheit, wobei die Lage dieser Impfmale von allen an denselben Stellen verortet worden waren! Wer soll das glauben? 
Wahrscheinlich wurde Druck auf die Doktoren ausgeübt, damit sie ihre Ergebnisse noch mal überdenken konnten! Pflichtschuldig wird man dann Daumer aufgesucht haben, um zu beichten! Kamen sie einzeln oder als Trio?
Als Hauser im Dezember 1833 starb, folgten ihm zwischen 1833 und 1835 nach: Binder, der Bürgermeister Nürnbergs, als Hauser aufgetaucht war; Bieberbach, ein Kaufmann, bei dem Hauser kurz gelebt hatte und dessen Gattin später Selbstmord beging, indem sie sich angeblich aus dem Fenster stürzte bzw. gestürzt wurde; der Schuster Georg Leonhard Weikmann, der erste Nürnberger, den Hauser bewusst zu Gesicht bekam, als er in die Stadt torkelte; Dr. Preu; Dr. Osterhausen sowie Dr. Albert, der die Autopsie an Hauser durchgeführt hatte!ʬ

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