Wenn man sich intensiver mit Esoterik oder Geistergeschichten beschäftigt, merkt man schnell, Nebel ist nicht einfach nur trockene Meteorologie, sondern so was wie die Brücke rüber in die andere Dimension.
Liest man Berichte von Parapsychologen, stolpert man ständig darüber, das Geister sich nicht direkt als fertige Gestalt zeigen. Erst sammelt sich die Energie als eine Art ektoplasmatischer Schleier oder Dunst.
Wenn es spukt, saugt das wohl massiv Energie aus der Umgebung ab...die Temperatur sackt ab, und die Luftfeuchtigkeit im Raum kondensiert plötzlich.
Richtig abgedreht wird es bei Geschichten über Zeitreisen und verschwundene Personen. Piloten im Bermudadreieck sollen ja durch so eine komische, elektrisch geladene Nebelwand geflogen sein und waren auf einmal viel zu schnell ganz woanders.
Klingt ein bisschen nach Science Fiction, passt aber perfekt zu den alten Volkssagen. Egal ob in den nordischen Mythen rund um Niflheim oder bei den Storys von Weißen Frauen...wer im Nebel die Orientierung verliert, steht mit einem Bein schon drüben.
Klar, vieles davon lässt sich psychologisch erklären. Wenn draußen alles grau in grau ist und Geräusche wie in Watte gepackt klingen, läuft unser Hirn im Leerlauf heiß. Wir sehen dann in jedem Vorbeiziehenden Fetzen sofort eine Gestalt stehen.
Aber ob das jetzt alles Einbildung ist oder doch was Paranormales dahintersteckt...unheimlich ist das auf jeden Fall. Was auch megaspannend ist...
Nebel wird in paranormalen Zirkeln oft als ein richtiger „Energieträger“ beschrieben. Es heißt, das Geister und Phänomene eine feuchte, aufgeladene Atmosphäre förmlich brauchen, um überhaupt aktiv zu werden.
Trockene, klare Luft ist für paranormale Aktivität viel zu träge, während Nebel die elektrische Leitfähigkeit der Luft erhöht. Manche Geisterjäger meinen sogar, das solche Phänomene den Nebel wie eine Art Batterie anzapfen, um Stimmen (die berühmten EVPs auf Aufnahmegeräten) oder Schattenbilder zu erzeugen.
Dann gibt es da noch die unheimlichen Geschichten über den sogenannten „lebendigen Nebel“. Das sind Berichte, in denen Nebelschwaden sich komplett entgegen der Windrichtung bewegen oder sich zielgerichtet auf Menschen zubewegen.
In einigen Paranormal Foren liest man von Sichtungen, bei denen der Nebel nicht flächendeckend war, sondern wie eine meterhohe, dichte Wand auf der Straße stand...dahinter war alles glasklar. Wenn Leute da durchgefahren sind, berichteten sie oft von plötzlicher, absoluter Stille, Orientierungslosigkeit oder dem Gefühl, beobachtet zu werden.
Auch die Sache mit den „Spukorten“ hängt extrem oft am Nebel. Alte Moorgebiete, Friedhöfe oder feuchte Täler gelten weltweit als Hotspots. Ein bekanntes Beispiel ist das Aokigahara Moor in Japan oder der Ben Macdui in Schottland...
Dort berichten Wanderer seit Jahrzehnten von der „Big Grey Man“ Gestalt, einer riesigen Schemenfigur, die urplötzlich aus der Nebelwand auftaucht und Schritte hinter einem macht.
Selbst wenn man das nüchtern betrachtet, Nebel verzerrt unser Entfernungs und Größenempfinden massiv. Ein kleiner Strauch in zehn Metern Entfernung wirkt durch den grauen Schleier plötzlich wie ein riesiger Hüne, und der Schall bricht sich völlig anders.
Ob man nun an das Übersinnliche glaubt oder nicht... sobald der Nebel aufzieht, schaltet unser Urinstinkt automatisch auf Alarm. Der „Big Grey Man“ ...auf Gälisch Am Fear Liath Mòr ist wohl eine der unheimlichsten Gestalten im gesamten schottischen Volksglauben.
Die Storys drehen sich alle um den Ben Macdui, den zweithöchsten Berg Schottlands, und sind eng mit dem extrem dichten Nebel verknüpft, der dort oben ständig aufzieht. Das Verrückte an dieser Legende ist, dass sie nicht von irgendwelchen Geisterjägern erfunden wurde, sondern von extrem erfahrenen Bergsteigern.
Der berühmteste Fall geht auf Professor Norman Collie zurück, einen hochangesehenen Wissenschaftler und Alpinisten.
Er erzählte 1925 öffentlich, das er schon 1891 alleine im dichten Nebel auf dem Ben Macdui unterwegs war. Plötzlich hörte er hinter sich im Kies alle paar Schritte ein gewaltiges Knirschen als würde eine riesige Gestalt mit dreimal so langer Schrittweite wie ein Mensch direkt hinter ihm herlaufen.
Er bekam so eine Panik, dass er kilometerweit den Berg runter gerannt ist. Nach seinem Geständnis trauten sich plötzlich etliche andere erfahrene Bergsteiger an die Öffentlichkeit, die genau dasselbe erlebt hatten. Was den Big Grey Man so besonders macht, ist das Zusammenspiel aus Nebel, Geräuschen und einer beklemmenden Atmosphäre.
Das akustische Musterschema ...die meisten sehen ihn gar nicht zuerst, sondern hören ihn. Wenn der Nebel wie eine dichte Wand auf dem Gipfel liegt, hören Leute ein knackendes, schweres Stapfen im Geröll. Der Witz dabei, sobald man stehen bleibt, hört das Stapfen kurz danach auf...als würde das Wesen genau hinschauen, was man tut.
Die unerträgliche Panik ...fast alle Berichte erwähnen eine plötzliche, grundlose Welle von existenzieller Angst. Selbst abgebrühte Profis berichten, das sie ohne sichtbare Bedrohung vom reinen Fluchtinstinkt übermannt wurden und nur noch den Berg runter gerannt sind.
Die seltene Optik ...wenn man ihn doch zu Gesicht bekommt, wird er als eine gut drei Meter hohe, graue, leicht verschwommene Hünen-Gestalt beschrieben, die im Nebel kaum von den Felsen zu unterscheiden ist und schattenhaft zwischen den Wolkenfetzen wandert.
Wissenschaftler haben natürlich eine recht solide Erklärung dafür...das sogenannte Brockengespenst. Wenn die Sonne im Rücken steht und man vor sich eine dichte Nebelwand hat, wirft das eigene Licht einen gigantischen, oft mit bunten Lichtringen umgebenen Schatten in den Nebel.
Durch das veränderte Tiefensehen wirkt der eigene Schatten wie ein riesiges Wesen, das sich mitbewegt. Zusammen mit der Dämpfung von Schall im Nebel (wodurch das eigene Echoschritt Geräusch seltsam verzögert zurückkommt) und der Höhensonne baut das Gehirn im Nebel den perfekten Horrorfilm zusammen.
Aber egal ob optische Täuschung oder schottischer Berggeist...der Gedanken, ganz alleine im meterdichten Nebel auf über 1.300 Metern Höhe ein schweres Stapfen direkt hinter sich zu hören, reicht völlig aus, das es einem eiskalt den Rücken runterläuft

