Erzherzogin Elisabeth Marie, Tochter von Kronprinz Rudolf, Enkelin des Langzeitregenten Kaiser Franz Joseph I. und Elisabeth Amalia Eugenia {"Sisi"} (später bürgerlich verheiratet als Elisabeth Petznek), führte ein in allen Belangen recht aufregendes Leben.
Eines ihrer vielen Steckenpferde war die Parapsychologie, in der Albert Baron von Schrenck-Notzing, Arzt und Parapsychologe, als Mentor fungierte. Entsprechende „Experimente“ fanden im herzoglichen Schloss Schönau statt, zu denen begabte Medien geladen wurden.
Die meisten Probanden konnten Gegenstände berührungslos durch die Räume schweben lassen, andere poltergeisterten unkontrolliert.
Wirklich interessant waren jene Versuche, bei denen Körperformen bzw. einzelne Körperteile materialisiert wurden, je nach Aggregatzustand „durchscheinend“, „anfassbar“ oder rabiat zupackend.
Die Sitzungen mit den Brüdern Schneider
Zwei der Medien, die Körperformen erscheinen lassen konnten, waren die österreichischen Brüder Willy und Rudi Schneider.
„Wenn Rudi im Trancezustand war, begannen die Gegenstände, die sich in einer bestimmten Entfernung von ihm befanden, sich zu bewegen; in diesem Augenblick konnte man feststellen, dass vom Medium ein Lichtstrahl zum bewegten Gegenstand führte.
Eine Sitzung mit Willy war phantastisch. Unter der Kontrolle von zwei Wissenschaftlern erschienen in einer Entfernung von einem Meter vom Medium ein Arm und eine Hand direkt aus dem Boden aufsteigend […]
Man konnte sie aus einem Abstand von 30 bis 40 Zentimetern beobachten.“ Bei einem anderen Versuch „gewahrte man einen schwarzen Schleier, der aus der Tapete hinter dem Medium hervordrang.“
Um das Medium herum waren Fächer angeordnet, die bewegt werden sollten:
„Ziemlich rasch begann die sich zunehmend verdichtende Masse, sich selbstständig zu verformen und Gestalt anzunehmen. Man konnte drei, dann vier Finger unterscheiden, die ziemlich grob geschnitten waren.
Sie trennten sich voneinander, als ob sie zu verschiedenen Händen gehörten. Dann nahm jeder Finger einen der Fächer; es war, als würden die Fächer fortgetragen. Sie bewegten sich, als ob Frauenhände sie hielten, um damit Gesichter zu fächeln.“
Phänomene der Materialisation
An einem anderen Tag geriet der Körper Willys in einen starken Erregungszustand, „bis man die Form einer Hand sehen konnte, an der sich Finger erkennen ließen. […] Die Hand legte sich auf Schrencks Knie.
Dieses materialisierte Organ aus Ursubstanz war durch einen immateriellen Faden, der immer vorhanden, aber nur selten sichtbar ist, mit dem Medium verbunden.
Später bemerkte Schrenck, dass die Hand, wenn man sie berührte, sich warm anfühlte und von weicher Konsistenz war. […] Willys Muskeln waren auf höchster Spannung, als ein gasförmiger Nebel aus seinem Arm emporzusteigen schien.
Er nahm das Aussehen von leicht getöntem Rauch an, drehte sich um sich selbst, bis er die Form eines schwach leuchtenden Tellers annahm, den alle sehen konnten.“
Das umstrittene Medium Karl Krauss
Ein weiteres Medium, das der Erzherzogin seine Aufwartung machte, war der Physiker und Lehrer Karl Krauss, der jedoch eine schlechte Reputation sein Eigen nannte. Wertgegenstände etwa, die bei Versuchsanordnungen auf paranormalem Weg verschwanden, blieben unauffindbar – was seine Fähigkeiten bestätigte, jedoch an seiner Vita kratzte.
Im Gegensatz zu anderen Medien, die nur in abgedunkelten Räumen oder unter Rotlicht wirken konnten, arbeitete er bei hellem Tageslicht und ließ sich dabei auch von zahlreichen Neugierigen nicht stören. Er brauchte keine „präparierten“ Räume und konnte jederzeit loslegen, am liebsten natürlich mit einem exklusiven Tropfen:
„Dann erschien eine schwarze Hand, ungefähr 50 Zentimeter über dem Tisch. Sie senkte sich herab, näherte sich der Flasche, zog geschickt den Stöpsel heraus, nahm dann die Flasche und goss den Rotwein in das Glas.“
Hand und Glas flogen durch den Raum und landeten bei einem der Söhne der Erzherzogin. Dieser beschrieb sie wie folgt:
„Die Hand kam zu mir, sie lag mit geöffneten Fingern an meiner Brust. Ich habe die Hand berührt, sie war heiß. Der Handrücken und die Handfläche waren schwarz, ebenso die Fingernägel. Ich nahm die Hand in die meine, wobei ich weder Angst noch Ekel empfand. Sie erwiderte aber meinen Händedruck nicht, sondern verschwand.“
Die unheimlichen Folgen
Diese Experimente hatten, wen wundert es, die Nachwirkung, dass es anfing, im Schloss zu spuken, und die Erzherzogin mit ihrem Gesinde umziehen musste! Die Geister, die sie rief!ʬ
Quelle:
Windisch-Graetz, Kaiseradler und rote Nelke, S. 357ff
