Zu Weihnachten 2018 habe ich u. a. den Reprint des Buches „Niedersächsische Sagen und Märchen“ von Georg Schambach & Wilhelm Müller (Erstausgabe 1855) geschenkt bekommen und fand auf Seite 131 unter dem Titel „Schätze bleiben unbeachtet“ einen erstaunlichen Bericht aka eine Sage aus dem Biedermeier:
„Ein Topfhändler aus Hochstedt war an einem Sommertage nach dem braunschweigischen Dorfe Sievershausen gegangen. Als er abends zurückkam, sah er auf dem Wege zwischen Ahlshausen und Sievershausen, wo derselbe eine Biegung macht, von Ahlshausen her auf dem Kirchwege eine Leuchte rasch daherkommen. Er dachte bei sich, die Leuchte soll doch nicht eher zu der Biegung kommen als ich, und verdoppelte deshalb seine Schritte.
Dennoch war die Leuchte auf einmal unmittelbar vor ihm. Nun sah er, dass es ein großer Kessel war, inwendig ringsum mit Ringen versehen, worin hell brennende Lampen waren. Er erschrak sehr, als er dies sah, und fing an zu beten; als der Kessel trotzdem nicht verschwand, fing er an zu fluchen. Da erhob sich der Kessel mit einem Male in die Luft und flog nach der Hohnstedter Feldmark hin, zu einem Orte, der Warnecken Rot genannt wird. […]“
Der Vorfall verlief nach dem schönsten UFO-Ablaufmuster: Zuerst war aus der Ferne nur das Licht zu sehen, dann tauchte das „Ding“ plötzlich vor dem Zeugen auf, um letztlich wieder abzuheben und zu verschwinden. Auch die Form erinnert an moderne UFOs, inklusive der am „Kessel“ angebrachten Lichtquellen!
Im genannten Buch findet sich auch der Hinweis auf einen ziemlich komischen Vogel, der u. a. auch die Angewohnheit hatte, Tierteile vom Himmel „regnen“ zu lassen:
„Der Nachtrabe ist ein großer, starker Vogel, der nur bei Nacht fliegt. Man nennt ihn auch den eisernen Vogel, weil er eiserne (nach anderen eherne) Flügel hat, mit welchen er diejenigen, die ihm nachrufen, zu Tode schlägt. […]
Er fliegt mit großer Schnelligkeit; hat man ihn eben in der Nähe gehört, so hört man ihn in einem Augenblicke darauf vielleicht schon eine Stunde von da.
Ein Bauer, der ihn bei Andershausen gehört hatte, hörte ihn im nächsten Augenblick schon bei Kohnsen [= 3,63 Kilometer!ʬ] und gleich nachher bei Mark-Oberndorf [= 7,20 Kilometer!ʬ] rufen.“
Über einen dieser „Überflüge“ heißt es:
„Da ward ein Pferdeschinken aus der Luft herab ins Feuer geworfen, dass die Funken […] sprühten.“
Dabei war der „Nachtrabe“ viel mehr als nur ein einfacher Nachtrabe, denn es heißt, „er ist von ganz ungewöhnlicher Größe“.
„Als einst in Hohnstedt Schützenhof war, sollte ein Knabe mit seiner jüngeren Schwester Kraut holen. […] Sie gingen dahin, und nachdem sie eine Weile gekrautet hatten, erblickte zuerst der Knabe, dann auch das Mädchen drei weiße, weibliche Gestalten von sehr mäßiger Größe (‚Puppen‘), die sich zwischen den Weiden auf der Erde auf und ab bewegten.
Die Kinder erschraken sehr und liefen voller Angst, barfuß wie sie waren, durch die Wiese nach der Stelle, wo der Schweinehirt des Dorfes hütete. […] Dieser ging nun mit den beiden Kindern noch einmal zu der bezeichneten Stelle hin, und wirklich waren die drei weißen Puppen noch da, sodass er sie mit seinen eigenen Augen sah.“
„Ein Mann aus Fredesloh war nachts nach dem Grubenhagen gegangen, um daselbst Bucheckern zu fegen. Es war gerade Mitternacht, und er hatte seine Laterne vor sich auf den Boden gestellt, als er mit einem Male einen furchtbaren Lärm und ein entsetzliches Geschrei hörte.
Zu gleicher Zeit sah er aus der Gegend, woher das Geschrei kam, weiße Gestalten wie kleine […] Puppen mit großer Schnelligkeit daherkommen. In Todesangst lief er fort.“
Wohin Menschen verschwinden, die verschwinden, wissen wir nicht. Aber zumindest haben wir eine Überlieferung, aus der hervorgeht, dass eine Frau, die mit ihrem frisch geborenen Kinde „abhandengekommen“ war, bei den „Zwergen“ ansässig wurde – wobei die Art und Weise, wie sie aus unserer Realität genommen wurde, durchaus beachtenswert ist:
„In Elliehausen kam es einst vor, dass eine Frau, die eben im Kindbette lag, zugleich mit ihrem Kinde plötzlich verschwand. Gleich vermutete man im Dorf, dass sie von den Zwergen entführt sei, aber niemand wusste wohin.
Zufällig bekam man später von ihr eine Kunde. Als nämlich eines Morgens der Schäfer des Dorfes am Walde in der Nähe der dort befindlichen Quelle hütete, erblickte er […] jene aus dem Dorf verschwundene Frau […].
Der Schäfer ging hin zu ihr und fragte sie, ob sie nicht wieder mit ins Dorf zu ihrem Manne gehen wolle. Sie aber sagte geradezu nein, sie habe es bei den Zwergen viel besser und verlange nicht, zu ihrem Manne zurückzukehren. Kaum hatte sie diese Worte gesprochen, […] war die Frau verschwunden.“
In keltischen Überlieferungen, aber auch bei den frühen Nahbegegnungen der 1960er- bis 1980er-Jahre, spielte plötzlich auftauchender „Nebel“ eine bedeutende Rolle – zumeist gefolgt von Bewusstseinstrübung, Ufonauten und/oder dem bekannten OZ-Faktor. Ganz ähnlich wie in dieser Sage:
„Auf der oberen Straße in Wulften wohnte ein Leinweber namens Mönch. Einst ging dessen Frau nach Osterode und nahm ihren […] Sohn mit, den sie auf dem Rücken trug. Als sie in die Nähe von Schwiegershausen gekommen waren, erblickte sie in einiger Entfernung etwas, was wie Nebel aussah. Als sie näher gekommen war, stand mit einem Male ein kleines Männchen vor ihr, welches kein Wort sprach, ihr aber, ohne dass sie etwas gemerkt hätte, ihren Sohn vom Rücken nahm […]“
Uforbs und der Leibhaftige
Es liegt in der Natur der Sache, dass früher nur der Teufel Verursacher keelianischer bzw. ufologischer Phänomene sein konnte – selbst dann, wenn von Bocksfuß und Hörnern nicht die Rede war. In der ersten Sage „produzierte“ ein „Lichtwesen“ Lichtkugeln aka Uforbs:
„Zwei Wagen, welche Holz zur Stadt gefahren hatten, kehrten, als es schon dunkel geworden war, zu ihrem Dorfe zurück. Auf dem einen Wagen saß ein schon bejahrter Mann, auf dem anderen seine Tochter mit einem anderen Mädchen.
Als sie schon ziemlich nahe bei dem Dorfe sind, bemerkt das eine Mädchen, etwa 2000 Schritte weit, eine glühende Gestalt; schnell machte es seine Gefährten darauf aufmerksam und ruft aus: ‚Der Teufel, der Teufel!‘ […]
Indem die beiden Mädchen nun immer rufen, lässt der Teufel ganz dicke, glühende Kugeln fallen, welche aber verschwinden, so wie sie die Erde berühren. Er setzte sich darauf in eine nahe stehende Linde, erhellte diese ganz und speit noch immerfort seine glühenden Kugeln.
Endlich macht er sich auf und entfernt sich, indem er immer kleiner wird und im Nichts verschwindet.“
In der zweiten Sage vermag sich der „Teufel“ als Gestaltwandler zu betätigen und wahlweise als Lichtmasse zu fliegen wie auch als „Mensch“ zu erscheinen:
„[…] Nach einer Weile sahen sie eine feurige Masse, wie ein Heu-Wiesenbaum, durch die Luft fliegen. […] Auf ihren Anruf kam der Teufel sogleich aus der Luft herunter und stand in Menschengestalt vor ihnen. […] Darauf ward dieser sogleich wieder zum Wiesenbaum und flog davon.“
Die dritte Sage kommt ohne ihn aus. Sie ist das klassische Beispiel für einen Uforb: eine quasi-intelligente Lichtkugel, die interagieren und reagieren kann wie ein bewusstes Lebewesen:
„Der Feldhüter aus Wulfen sah einst, als er vor der Haustür stand, den Geist in Gestalt eines Lichtes an der Oder herunterkommen. […]