Striebers neuestes Buch trägt den Titel The Fourth Mind – eine Anspielung auf das angeblich „tetrakonale“ Gehirn der Greys [„tetra“ = vier, „konos“ = Kegel/Sphäre in einem abstrakteren Sinn – also vier konische Einheiten].
Dreh- und Angelpunkt des Inhalts ist ein anonym auf Reddit veröffentlichter Text, der angeblich von einem Molekularbiologen stammt, der in Fort Detrick (Maryland, USA) an einem streng geheimen Projekt gearbeitet haben will – es ging um die Analyse von Alienkörpern.
Zeitlich soll sich das Ganze zwischen 2000 und etwa 2005 abgespielt haben. Die Entitäten werden als „Exo-Biospheric Organisms“ bezeichnet. Strieber behauptet, die darin enthaltenen Angaben deckten sich mit seinen eigenen Erfahrungen als Abductee.
Im Buch ist es stellenweise allerdings schwer zu unterscheiden, was von Strieber selbst stammt und was vom anonymen Reddit-Autor. Manchmal hatte ich sogar den Verdacht, Strieber selbst könnte hinter dem „Fort Detrick Report“ stecken.
Grundsätzlich geht Strieber davon aus, dass die Körper der Wesen nur eine physische Hülle darstellen – Vehikel für nichtphysische Entitäten, die in diese „schlüpfen“, um auf Erden zu agieren. Vergleichbar mit einem Taucheranzug, den wir benutzen, um uns in Tiefen aufzuhalten, die unserem eigentlichen Dasein nicht zugänglich sind.
Leider äußert sich Strieber kaum zu diesen nichtphysischen Wesen, sodass man nur mutmaßen kann, ob er etwa zur Simulationsthese neigt oder andere Konzepte im Kopf hat, um die Aktivitäten der fremden Intelligenz zu deuten.
Die biologischen Körper der Ufonauten sollen genetisch eng mit uns verwandt sein. Ihre flüssige Nahrung – zu der auch Blut gehört – nehmen sie über die Haut auf. Diese dient zugleich als Ausscheidungsorgan, das einen grauen „Staub“ abgibt. Dieser wird von den Greys händisch abgestreift.
Einige Aussagen von Strieber bzw. aus dem Reddit-Dokument zur Körperlichkeit der Greys wirken paradox, da sie in der bisherigen Abductee-Literatur kaum oder gar nicht vorkommen. So sollen die Wesen etwa mit hoher Geschwindigkeit laufen können – so schnell, dass es wirkt, als lösten sie sich in Luft auf.
Ihre Augen verfügen demnach über eine Schutzmembran; die eigentlichen Augen darunter seien menschenähnlich, aber etwa dreimal so groß.
Tierverstümmelungen erklärt Strieber mit dem Blutdurst der Fremden. Was allerdings mit Berichten über Human Mutilations oder dem Missing-411-Phänomen ist, bleibt offen – das muss jeder für sich bewerten.
Dass die vom Himmel Herabgestiegenen oft einen eigentümlichen Geschmack hatten, zeigt sich nicht nur in den Fallakten, sondern auch in der Mythologie. Marvin Harris schreibt in Kannibalen und Könige:
„Die Götter der Azteken verspeisten Menschen, sie verzehrten Menschenherzen und tranken Menschenblut. Die erklärte Funktion der aztekischen Priesterkaste bestand darin, frische Menschenherzen und Menschenblut heranzuschaffen. […] Von Brasilien bis zu den Great Plains brachten amerikanische Indianergesellschaften rituelle Menschenopfer, um sich bestimmte Vorteile bei den Göttern zu verschaffen. Praktisch alle Elemente des aztekischen Rituals waren bereits in den Glaubensauffassungen und Praktiken der Horden- und Dorfvölker enthalten.“
Was die Technologie der Ufonauten betrifft: Sie sei extrem fortgeschritten – man verfüge über Mittel, außerkörperliche Erfahrungen „maschinell“ hervorzurufen oder sogar zu erzwingen.
Wie auch immer – das Buch schließt mit der These, dass unsere Vorfahren vor etwa 10.000 bis 12.000 Jahren eine kosmische Katastrophe durchlebt haben sollen, die mitverantwortlich war für den Verlust aller PSI-Fähigkeiten, die der Mensch ursprünglich besaß.
Mein Resümee
Ich will nicht hoffen, dass Strieber recht hat. Aliens, die auf Bloody Mary stehen – allerdings mit Blut statt Tomatensaft –, sind schon sehr unerfreulich. Richtig garstig wird es, wenn sie uns, je nach Belieben, die Seele vom Leib ziehen können. Ich denke da mit gewissem Grausen an die schwarze „Soulbox“, in der sich bereits diverse Abductees wiederfanden, die an Bord außerkörperliche Erfahrungen machten!ʬ
