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📌 Wladislaw Raab @ CROPfm: Spurlos / Missing 411 [11.12.2015] 📌 Wladislaw Raab @ CROPfm: Spurlos II / Missing 411 [26.05.2017]
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1837: Missing 411 in der Schweiz?Kanton Uri, Gemeinde Silenen, bei Stüg:
Am 26.08.1837 verschwand der damals 2 oder 3jährige Johann Joseph beim Erdbeeren sammeln und wurde erst drei Tage später von zwei Kindern entdeckt.
Die Kleidung („Röckchen“) war aufgeknöpft und stellenweise zerrissen, Kappe und Schuhe fehlten und die Strümpfe waren an den Füßen aufgerissen, die Füße jedoch unversehrt, wie der restliche Körper.
Der Junge fühlte sich schwach und klagte über Schmerzen unter der Brust. Er gab an von einem schwarzen Mann verschleppt und durch den Wald getragen worden zu sein.
Er sei auch „im Himmel“ gewesen. Dort habe sich eine weiße Brücke befunden, weiße Häuser und die Menschen hätten musiziert und getanzt, er hätte sich daran beteiligt. Zwei weiße Pferde habe er dort auch gesehen.
Interessant ist der Hinweis dass er seine suchende Mutter „ganz neben sich schreien und weinen“ gesehen habe und eine andere Person sei an dem Platz vorbeigegangen an dem er sich befand ohne ihn zu sehen. Auch von dem Regen der vergangenen zwei Tage habe er nichts mitbekommen.📌 Originaltext"Räthselhafter Spuck mit einem Kinde (aus der Schweiz.) Mitgetheilt von Herrn Obrist v. Pfiffer in Luzern.
Im Kanton Uri in der Gemeinde Silenen bei Stüg lebt eine nicht wohlhabende, aber brave Familie, deren Mitglieder sind: der Großvater Johann Joseph Tittli, 60 Jahre alt, sein Sohn Johann Joseph, 24 Jahre, seine Ehefrau Ursula Tryisch aus der Nachbargemeinde Silenen, auch 24 Jahre alt, deren Kinder, zwei Knäbchen, das ältere Johann Joseph, jetzt ungefähr 3 Jahre, das jüngere 2 Jahre alt.
In dieser Familie trug sich den 26. August 1837 der wunderbare und unbegreifliche Vorfall zu, daß das ältere Kind drei Tage, aus der Eltern und vieler nachsuchender Menschen Augen in einer eingeschränkten Gegend entschwunden war, nach drei Tagen aber in derselbigen Gegend wieder erschien und allerhand Wunderbares erzählte, das mit ihm indessen vorgegangen wäre.
Was ich aus dem Munde der Eltern und des Kindes hierüber erfragte, werde ich hier wörtlich mittheilen. Der Großvater, die Mutter und die zwei Kinder befanden sich benannten Tag auf dem sogenannten Brüstenberg bei Stüg auf einer Alp, Rupleben genannt; der Vater aber war auf einer andern benachbarten Alp, wo er in Geschäften stand.
Da es Sonntag war, so gieng die Mutter nach Stüg in die Kirche, der Großvater blieb mit den beiden Kindern allein in einem Häuschen auf der Alp, auf welcher sonst viele andere Menschen, auch Verwandte von der Familie, wohnten.
Er hatte das kleine Kind auf dem Arme, das größere war mit einigen andern älteren Kindern ungefähr sechzig Schritte weit vom Haus in ein kleines Wäldchen gegangen, um in ein hölzernes Geschirrchen Erdbeeren zu sammeln.
Da das Kind in dem Wäldchen leicht auf den umliegenden Steinen und Gesträuch hätte fallen können, so gab der Großvater, der das kleine Kind auf dem Arm hatte, welches fortwährend schrie, immer Acht auf dasselbe, und rief es zurück, indem er dem kleineren etwas Milch wärmen wollte, um es zu stillen.
Während der Zeit rief er das Kind noch einmal ernstlich zurück, welches antwortete, es wolle jetzt gleich kommen. Der Großvater gieng nun ins Haus und gab dem Kinde die Milch; unterdessen kam die Schwägerin der Familie, welche aus der höhern Gegend etwas Schnee geholt hatte, von da zurück und hörte das Kind im Wäldchen sehr laut schreien.
Sie schickte sogleich ihren Knaben, nach dem Kleinen zu sehen, während sie zum Großvater, der noch mit Stillen des Kindes beschäftigt war, ins Häuschen eilte und ihm sagte, das Kind im Walde schreie so sehr.
Dieser lief sogleich, das kleine Kind auf dem Arme tragend, nach der Gegend, wo es gewesen war, sah und hörte aber nichts mehr von ihm, und fand nur das kleine hölzerne Geschirr. Ungefähr zehn herbeigerufene Menschen durchsuchten nun das keine Viertelstunde lange Wäldchen, fanden aber das Kind nicht; auch der erstgeschickte Knabe hatte nichts von ihm gesehen.
Jetzt kam auch die Mutter von der Kirche zurück. Der Großvater gieng ihr entgegen und meldete ihr mit Angst, was sich zugetragen; sie konnte es nicht glauben, lief aber sogleich, ihr Kind zu suchen; jedoch ihr lautes Schreien, Weinen und Klagen mit fortgesetztem Suchen auf dem kleinen Bezirk, wo es nicht hätte möglich seyn können, in so kurzer Zeit zu verlaufen, und das Suchen aller Andern war vergebens.
Die Mutter, eine hübsche Frau, blieb sogar suchend die ganze Nacht mit mehreren Andern auf diesem Bezirk. Doch das Kind war und blieb verschwunden, Niemand sah und hörte etwas mehr von ihm. Sie glaubten, es sey entweder in den nicht weit davon herabströmenden Bach gefallen oder ein Geist habe es genommen. Dieses Letztere soll sich schon mehrmals in den hohen Berggegenden zugetragen haben.
Den andern Tag wurde nach dem Vater geschickt, dieser konnte nun auch freilich weiter nichts helfen, als suchen, welches er weinend that mit Hülfe vieler Personen aus der Umgegend. Am Dienstag wurde mit zwölf Personen gesucht und am Mittwoch mit sieben.
Da nun gar keine Spur mehr zu finden war, weder im Wäldchen noch im Bach, welcher unten bei Stüg vorüberfließt, ward beschlossen, ins End oder die Todtenglocke zu läuten, wobei der Sage nach Hoffnung seyn soll, wenn nämlich ein Kind von einem Geist genommen worden sey, daß dasselbe sich wieder einstellen könne.
Es war nun am Mittwoch 5 Uhr Abends, da wirklich die Todtenglocke in Stüg läutete, daß zwei Knaben, der eine 13, der andere 10 Jahre alt, sich oberhalb des Platzes befanden, wo das Kind verloren gegangen war; von Ungefähr sahen sie hinab und bemerkten, daß sich etwas am Boden bewegte: es war das verlorne Kind, welches mit kleinen Steinchen spielte und beschäftigt war, Häuschen davon zu machen.
Eben jetzt wollte es sich aufrichten, sank aber sogleich wie vor Schwäche wieder zurück. Der jüngere stieg hinab zu ihm, es erschrak aber so sehr, daß es am ganzen Leibe zitterte. Die Stelle, wo es gefunden wurde, ist an der Seite des Wäldchens an einem Bache, wobei ein ganz kleines Nebenbächchen ist, durch das das Kind hätte gehen können, ohne daß das Wasser ihm über die Schuhe gegangen wäre.
Neben diesem Wässerchen befand sich das Kind auf einem Stein; sein Röckchen war aufgeknöpft, vornen, von Unten ein ganzes Stück herausgerissen, Käppchen und Schuhe hatte es verloren, die Strümpfe waren an den Sohlen ganz weggerissen, so daß es auf bloßen Füßen gieng, die Füße jedoch ganz unversehrt, sonst befand sich das Kind außer großer Schwäche ganz munter, hatte volle, rothe Backen und klagte bloß über Schwäche und Schmerz unter der Brust.
Der Knabe, der zu ihm gekommen war, nahm es mit sich in seiner Leute Haus, welches nicht weit davon war. Man gab ihm etwas zu essen, und dahin wurde der Vater gerufen, dem es Kußhand reichte. Die Mutter erkannte es nicht mehr sogleich; erst nachdem sie es auf den Arm genommen und gefragt hatte: Johann Joseph kennst du mich denn nicht mehr? erkannte sie das Kind und gab auch ihr die Kußhand.
Auf die Fragen, wo es gewesen und was es gemacht habe, gab es Folgendes zur Antwort:
Es sey ein großer, schwarzer Mann gekommen, der habe es im Genick gefaßt und sehr geschwinde seitwärts durch das Wäldchen getragen und auf den Ort gebracht, wo es gefunden worden. Durch das schnelle Tragen sey ihm in Gesträuchen das Käppchen und die Schuhe verloren gegangen, auch das Röckchen zerrissen.
Als es aus Furcht so stark geschrieen, habe der schwarze Mann gesagt, es solle nicht schreien, es geschehe ihm nichts zu leid. Es habe auch seine Mutter ganz neben sich schreien und weinen gesehen, es hätte auch wollen schreien, sey aber durch den Schwarzen verhindert worden.
Jemand von den Suchenden, den das Kind wohl kannte, sey sogar über den Platz, wo es sich befand, mit einem Stecken hingegangen. Dieses war auch in der That der Fall. Ferner erzählte es, es sey im Himmel gewesen, habe eine schöne, weiße Brücke gesehen, auch schöne, weiße Häuser, die Menschen hätten musicirt und getanzt, es habe das Alles auch mitgemacht und habe auch noch zwei weiße Rosse gesehen.
Fragt man, ob es auch geschlafen, so sagt es: ja, es hätte, auf einer Seite liegend, den Kopf auf den ausgestreckten Arm gelegt, geschlafen. Von dem Regen, der die zwei Nächte fiel, weiß es nichts; wenn man es weiter und Mehreres frägt, so gibt es keine Antwort mehr. Als interessant erzählte es, daß es beinahe in das kleine abfließende Wässerchen gekommen wäre, es sey mit dem Kopf ganz nahe daran gewesen.
Gegessen habe es nichts; zu dem schwarzen Mann wolle es nicht mehr, es wolle den Schutzengel bitten, daß es wieder in den Himmel komme, es sey da schöner als hier. Das Kind ist sonst gesund und munter und nie krank gewesen, hat sehr früh zu reden angefangen, beträgt sich wie gewöhnlich unter Kindern etwas ausgelassen. Es hatte nicht gern, daß man aufschrieb, was man mir erzählte, und suchte mich durch Schreien zu stören.
Es ist für sein Alter gesund und stark, die Gesichtszüge freimüthig, die Augen dunkel, die Haare blond und sieht dem Vater ähnlich. Es gibt sich nicht gerne mit andern Kindern ab, lieber mit den Eltern, zu Hause hauptsächlich mit der Mutter. Es betet auch sehr gerne und unaufgefordert Morgens und Abends, besonders zu dem Schutzengel, der es wieder in den Himmel bringen soll.
Es fordert die Eltern öfters auf, in die Kirche zu gehen. Von dem Pfarrer in Stüg ist ein besiegeltes Zeugniß über die Wahrheit der sich zugetragenen Geschichte, so wie über die Unbescholtenheit der Familie, ausgestellt worden. Aufgeschrieben den 13. November 1837."
📌 Quelle: http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/magikon1840/0385?sid=d2f47d8b8b4dc6de30b114b9c516cc03
