Manchmal kommt es vor, dass sich zwei Hobbys bzw. Interessengebiete überschneiden. In diesem Falle für mich UFOs und Steampunk! Auslöser dafür ist ein Aufsatz / Artikel des amerikanischen Ufologen Nigel Watson in dem Buch ALIEN ARTIFACTS, in dem er sich mit der UK-Luftschiffwelle von 1909 befasst.
Er erwähnt daneben eine weitere im Jahre 1913, geht aber nicht näher auf diese ein. Die Vorgänge 1909 begannen Mitte Mai und klangen Ende Juni aus und sorgten für Schlagzeilen in ganz UK. Ausgesucht hat Watson allerdings nur 4 Reporte, ich vermute mal die interessantesten.
Einer der ersten Fälle spielte sich am 16-05 bei Clacton-On-Sea, Essex ab. Ein Mr. Egerton S. Free bemerkte, dass sich nachts ein Luftschiff über seinem Anwesen tummelte und gen Frinton steuerte. An Bord hatte es zwei helle Lichter / Scheinwerfer, die es gut beobachtbar machten. Am nächsten Tag liefen zwei unbekannte Männer um sein Anwesen herum.
Als eine Hausangestellte das Gebäude verließ und in Richtung Kirche ging, kamen die beiden Männer auf sie zu. Einer von links und einer von rechts. Sie redeten sie in einer unbekannten, merkwürdig klingenden Sprache an. Sie versetzten sie so in Schrecken, dass sie sich zu ihrem Dienstherrn flüchtete.
Die Parallele zum modernen Men in Black Phänomen ist interessant, auch wenn nichts über die Kleiderfarbe der „Stranger“ bekannt ist. Das diese die Frau vom Kirchgang abhielten ist historisch interessant, da MIBs früher als Todesboten / „Ankünder“ einen dämonischen Touch hatten!
Am gleichen Tag fielen am Caerphilly Mountain in Süd-Wales fünf unbekannte Männer auf, die sich die Gegend über Stunden ansahen und Bilder machten, obwohl es dort nichts Sehenswertes gab. Zwei Tage später kam es dort zu einer bizarren „Begegnung der 3ten Art“:
Ein Charles Lethbridge lief am „Berg“, auf einem Bild im Buch ist nicht mehr als ein Hügel erkennbar, vorbei. Auf dem Gras liegend befand sich ein röhrenförmiger, großer Körper, denn er nicht identifizieren konnte. Unweit davon bemerkte er zwei junge Männer, die dicke Pelzmäntel und Pelzmützen trugen und aussahen wie Polarforscher.
Sie bemerkten Lethbridge, riefen sich in unbekannter Sprache etwas zu und liefen zu dem Ding im Gras. Dieses erhob sich in die Luft und ließ aus gewisser Höhe, einen Wagen mit Rädern herab, in den die „Aeronauten“ Sprangen. Das „Luftschiff“ zog ziemlich zügig und im „Zickzack“ in die Höhe davon und verschwand!
Das fliegende Ding hatte am Ende einen kleinen Propeller, wie ein Ventilator und zwei Lichter oder Scheinwerfer, letzterer Punkt taucht in den meisten Beschreibungen auf. Ein surrendes Geräusch war zu hören. Indirekt bestätigt wurde die Sichtung von mehreren Arbeitern, die am 19ten, also einen Tag später, in den nahen Cardiff Docks beschäftigt waren und von Matrosen des Schiffes ARNDALE.
Ein Luftschiff kam aus Richtung Newport geflogen, kurvte um die Docks und flog in Richtung Weston weiter. Es gab ein zischendes Geräusch von sich. Es war groß, zigarrenförmig und flog mit hoher Geschwindigkeit. Einige Zeugen hatten den Eindruck, zumindest sah es von ihrem Standpunkt so aus, als habe das Vehikel kurz über den Docks geschwebt.
Berichtet wurde in der Presse auch von einem „Suchlicht“ welches von den Luftschiffen, wenn es denn mehrere waren, ausging. Das kennen wir auch von der Sichtungswelle 1896 / 1897 in den USA und den „neumodischen“ Solid Light die von UFOs ausgehen!
Unabhängig davon beobachteten die Einwohner der Salisbury Road, Cathays, Cardiff, Wales, am 18ten Mai zwischen 22h40 und 22h50 ihrerseits ein Luftschiff und informierten darüber die Polizei. Die Parallelen zum UFO-Phänomen sind interessant:
1. Einsatz starker / intensiver Lichter;
2. Flugverhalten und Geschwindigkeit, die über den technischen Möglichkeiten der Zeit liegen;
3. Merkwürdige „Männer“, die im Umfeld der Sichtungsorte auftauchen und sich verhalten wie wir es heute von den MIBs her gewohnt sind;
4. Bizarrer CE3, in dem der Flugkörper Manöver durchführt, die einem Luftschiff nicht möglich sind, der Flug im Zickzack. Flucht „unpassend“ angezogener Aeronauten, Verwendung einer fremdartigen Sprache!
Resümee
Als ich 1992 in St. Petersburg / Russland weilte und mich mit UFO-Literatur eindeckte, war das Erstaunen groß:
In den vornehmlich sowjetischen Fällen gab es keine Greys, keine UFO-Entführungen, keine Tierverstümmlungen, keine UFO-Abstürze, keine schwarzen Hubschrauber, keine Untergrundbasen der Fremden.
Die Sowjet-Ufonauten waren groß gewachsene Menschen in „Ski-Anzügen“, die begleitet waren von nicht weniger großen „Robotern“. Deren Verhalten war entweder zuvorkommend, oder neutral. Von Analsonden und Schweinkram, wie wir ihn aus der amerikanischen Ufologie her kennen, war nicht die Rede!
Spätestens ab da war mir klar, dass es ein einheitliches, globales UFO-Phänomen nicht gibt. Es manifestiert sich in verschiedenen Facetten, abhängig von Ort und Zeit immer anders!ʬ
„Scareoplanes“
Im März 2015 ist bei mir das Buch „UFOs of the First World War“ von Nigel Watson eingetroffen. Es geht in diesem, nomen est omen, um kuriose Luftaktivitäten vor und während des Ersten Weltkriegs.
Beim ersten Durchblättern fiel mir auf, dass auch die heute bekannten UFO-Charakteristiken genannt wurden, etwa lautloses Schweben und der Einsatz von massivem „Suchlicht“, mit welchem der Luftraum bzw. der Boden illuminiert worden ist.
Offenbar war den Zeugen dabei nicht klar, was sie da sahen. Eine klassische Beschreibung lieferte ein Mann aus Ontario, Kanada, im Jahr 1914:
„…I cannot find anyone who heard the noise of the motors. […] I could not swear, though, that it was an aeroplane. All I can say is that it looked like one to me”.
Bei dieser Sichtungswelle bezeichnete man die Vehikel aufgrund ihrer unkonventionellen Erscheinung und ihres Flugverhaltens als „Scareoplanes“. Kurioserweise wurden diese Vorfälle damals mit deutschen Militäraktivitäten „erklärt“, wobei jedoch unklar blieb, warum diese mit starken Scheinwerfern operieren sollten.
Diese Suchscheinwerfer wurden übrigens auch bei der Luftschiffwelle von 1896/97 eingesetzt (Bericht), spielten bei einem „Kryptidenfall“ 1903 eine Rolle (Bericht) und auch die „moderne“ Hudson-Valley-Welle war geprägt von Illumination (Bericht). Offenbar unterliegen „UFOs“ dem Zwang, ihre Umgebung taghell erleuchten zu müssen.
Die Sichtungswelle(n) bzw. Flaps der „Mystery Airships“ begannen 1908 in den USA, Dänemark und Schweden. Bei den Skandinaviern wurden Luftschiffe mit Flügeln beobachtet. Ein Jahr später, im Zeitfenster von März bis Ende Mai, wurde Großbritannien heimgesucht. Die Vehikel tauchten über Ostengland, Südwales und Irland auf.
Als besonders erwähnenswert erschien den Zeugen die relativ hohe Geschwindigkeit, mit der sie sich bewegt haben sollen. Die Form wurde als „torpedoförmig“ angegeben. Diese „Welle“ enthielt bereits alle „Zutaten“, die wir auch vom modernen UFO-Phänomen her kennen.
Sie bewegten sich sehr schnell am Himmel, strahlten gleißendes Licht aus und waren ihrer Zeit technisch voraus. Hinzu gesellten sich auch die ersten „Begegnungen der Dritten Art“, da oftmals Piloten an Bord beobachtet worden sind.
Besonders interessant ist in der Hinsicht ein Vorfall, der sich am 18. Mai am Caerphilly Mountain, Südwales, abspielte. Ein Zeuge beobachtete ein zigarrenförmiges Luftschiff und zwei Männer mit Felljacken/Fellmützen, die etwas vom Boden aufklaubten und sich dabei in einer unverständlichen Sprache unterhielten. Nachdem sie den Zeugen bemerkt hatten, sprangen sie in ein am Luftschiff befestigtes Gestell und flogen davon.
Licht spielte bei den Phänomenen (ich muss mich hier wiederholen) eine entscheidende Rolle. Die „St. Olaf“, ein Schiff, welches sich an der Küste vor Blyth, Northumberland, befand, wurde von einem Luftschiff angeflogen. Es „parkte“ direkt über den Seeleuten und illuminierte sie mit fünf an Bord befindlichen Scheinwerfern, um später wieder abzuziehen.
1909 erreichten die unbekannten Vehikel wieder die USA. Ein Wallace Elmer Tillinghast behauptete, dass die Sichtungen auf sein Luftschiff zurückgehen würden. Er habe einen geheimen Stützpunkt in Worcester, Massachusetts, errichtet. Belegen konnte er seine Aussagen jedoch nicht. Ob hier das „Namegame“ hineinspielt?
Am 22. Dezember wurde über Worcester, Arkansas, ein Luftschiff von mehreren Zeugen beobachtet, darunter eine Truppe Polizeibeamter. Wie üblich schien starkes Licht von dem Objekt. Zeugen berichteten auch, zwei rote, separate Lichter gesehen zu haben.
Die Elemente „schwarze Masse“, „intensives Licht“ und „rötliches Leuchten“ kennen wir auch von „neumodischen“ UFOs. 1913 ging es in UK heiß her, wobei diesmal nicht nur „Luftschiffe“, sondern auch bizarre Lichter gesehen wurden.
Eine Zeugin beschrieb, dass von einem dieser Lichter Schwefelgestank ausging bzw. es roch wie Feuerstein. Andere schilderten, die Lichter hätten ihr Gesicht verbrannt und die Haare versengt. Erklärt wurde dies mit „Leuchtkäfern“, phosphoreszierendem Gas und anderem; die „Deutung“ war damals nicht intelligenter als heute.
Besonders dramatisch verlief die Begegnung der „Othello“, welche sich am 27. Februar 170 Meilen nordöstlich von Spurn Point auf hoher See befand. Ein Luftschiff setzte sich über sie und blendete die Besatzung, die sich vollständig an Deck versammelt hatte, um den Besucher zu bestaunen.
Es war taghell. Das Ereignis muss ziemlich dramatisch abgelaufen sein. Die Lichtquelle bzw. das Luftschiff umkreiste das Schiff dabei, hielt seine Scheinwerfer jedoch immer darauf gerichtet. Von dem „Ding“ gingen Propellergeräusche aus. Es verschwand westwärts.
Der sicherlich interessanteste und „eindeutigste“ Fall spielte sich am 5. September 1914 ab. Damals war ein Polizeiboot auf der Themse unterwegs, als ein eiförmiges UFO dieses überflog. Die Gesamtsichtungsdauer betrug 2–3 Minuten, wobei es dem Flussverlauf folgte. Leider wird die Zeugenzahl nicht genannt, auch weitere Details finden sich nicht.
Resümee
Dass die Besprechung dieses Buches gute vier Monate gedauert hat (bei gerade mal 220 Seiten), hängt nicht nur mit der unendlich langweiligen Schreibe des Autors zusammen.
Er schaffte es tatsächlich, ungezählte Luftschiff- und Flugzeugsichtungen jener Zeit aufzureihen, wobei sich dem Leser nicht erschließt, was das soll.
Damals wurden effektiv Flugzeuge und Luftschiffe beobachtet, gemeldet wurde dies jedoch nur, weil man Feinde darin vermutete und nicht, weil die Flugvehikel an sich irgendwie „exotisch“ waren!
Die wenigen von mir übersetzten Reporte sind tatsächlich die besten, die ich darin fand. Sie sind „strange“ genug, um zu belegen, dass damals außer den kriegführenden Parteien auch noch jemand anderes am Himmel unterwegs war!ʬ
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