Wenn man sich die letzten Jahre betrachtet, spielte Pakistan bei UFO-Sichtungsberichten eigentlich keine große Rolle. Die wenigen Berichte, die vorliegen, stammten zumeist von Ausländern oder Touristen, die Merkwürdiges erlebt haben. Berichte von Einheimischen waren bis vor Kurzem noch Mangelware.
Die Gründe hierfür sind sicherlich unterschiedlicher Natur. Zum einen sind viele Regionen in dem großen Land bisher noch unerschlossen, was die moderne Kommunikation betrifft, und viele Reporte verlieren sich, ohne jemals außerhalb des direkten Umfeldes bekannt zu werden. Zum anderen werden ungewöhnliche oder „paranormale“ Phänomene im jeweiligen soziokulturellen Kontext erklärt.
Das PCE-Erlebnis in Lahore (1963)
Vor einigen Jahren jedoch, wurde mir von einer deutschen Zeugin ein interessanter PCE-Bericht [PCE: Personal Contact Experiences] gemeldet, der darstellt, dass Berichte über „Besucher“ auch in Pakistan bekannt sein müssen. Die Zeugin schrieb:
“Das besagte Ereignis fand im September 1963 in Lahore [Pakistan], zwischen 23 und 24 Uhr statt und dauerte etwa zehn Minuten. Es war zwei Tage nach Vollmond. Die Tage im September sind in Lahore noch immer sehr heiß, so dass man erst abends aus dem Haus geht, um sich zu erfrischen.
Ich war an diesem Abend von einem Spaziergang zurückgekommen und hatte mich angekleidet im Dunkeln auf mein Lager gelegt, um vor dem richtigen Zubettgehen noch ein bisschen zu entspannen. Ich lag flach und lang ausgestreckt da, die Arme am Körper entlang und den Kopf nach links gewendet, mit dem Blick aus dem Fenster.
Ich sah ihm bei seiner stillen Wanderung zu, atmete den Duft der Büsche und dachte nichts, als höchstens, dass ich angesichts all der Schönheit glücklich sei. Plötzlich vernahm ich zu meiner Rechten das Knarren, das für meine Badezimmertür typisch war.
Sie führte in den Garten, also musste jemand von draußen hereingekommen sein. Ich erschrak, wusste ich doch, dass ich beide Türen, die von meiner Wohnung ins Freie führen, verriegelt hatte, bevor ich mich hinlegte. Nach einer Minute des Wartens raschelte ein Frauenkleid und mir schien, als kämen leise Schritte näher.
Da wollte ich aufstehen und nachsehen, wer das sei – aber zu meinem größten Entsetzen konnte ich nicht einmal den Kopf wenden. Er war in Richtung Mond wie festgewachsen. Systematisch versuchte ich nun nacheinander die Arme zu heben, die Beine zu bewegen, den Oberkörper aufzurichten – alles umsonst!
Von einem Moment zum anderen war ich in eine grässliche Starre verfallen, in der ich nichts rühren konnte, nur die Augen. Soweit es ging, drehte ich sie nach rechts in die Richtung, aus der das Wesen herkam – ich war ganz sicher, dass es eine Frau war, hörte aber dabei nicht auf, den aussichtslosen Kampf gegen meinen starren Körper zu kämpfen.
Ich hörte mich laut stöhnen und merkte, wie mir der Schweiß vor Anstrengung in die Augen lief, so dass sie brannten. Mittlerweile stand das unsichtbare Geschöpf neben mir, im toten Winkel meines Blicks.
Und nachdem es mich eine Zeit lang betrachtet hatte, tat es etwas ganz Merkwürdiges: es zog eine Art „Stricknadel“ hervor, scharf und spitz, und stach damit – langsam und bedächtig – in meinen rechten Oberarm, bis auf den Knochen!
Es tat mächtig weh, ich schrie aber nicht. Da wurde die Nadel herausgezogen und gleich darauf ein zweites Mal, daneben, hineingestoßen. Die Person – das fühlte ich deutlich – beobachtete mich dabei unbeteiligt. Danach blieb sie noch eine Weile neben mir stehen und entfernte sich schließlich in Richtung auf die andere Tür.
In demselben Augenblick war ich aus meiner „Starre“ erlöst. Sofort sah ich ihr nach, sah, wie sie durch den Vorhang an der Eingangstür verschwand, sprang auf und rannte hinterher. Doch ich erreichte sie nicht mehr, nur den Laut der zufallenden Fliegengittertür hörte ich sehr deutlich.
Da stand ich dann und schaute in die Nacht hinaus. Niemand zu sehen. Der Riegel der Tür, die ich doch soeben hatte zufallen hören, war fest vorgeschoben und draußen lag wie immer unser Koch, ein steinalter Mann, der dort auf meinem Vorplatz seinen Schlafplatz hat, zusammen mit dem Diener und beide waren am Einschlafen.
Sie hatten mich zwar stöhnen gehört, aber aus – oder eingehen hatten sie niemanden. Übrigens war natürlich auch die erste Tür, durch die das Wesen gekommen war, verriegelt. Und trotzdem kann das alles kein Traum gewesen sein. Mein Arm schmerzte. Ich sah auf die Uhr, es war halb zwölf.
Wenn ich die Frau beschreiben soll, die ich ja für den kurzen Augenblick gesehen habe, bevor sie durch den Vorhang verschwand, so würde ich sagen: ich habe in ihr niemanden erkannt, den ich je einmal sah.
Sie war recht unscheinbar gekleidet: in grau-grün-gelbliche Farben, nach Landestracht. Ihr Gesicht schien mir lang. Ihre Bewegungen sehr ruhig und leidenschaftslos, fast kalt. Überhaupt drückte ihr ganzes Verhalten die vollständige Sicherheit eines Wesens aus, das niemand berühren, geschweige denn festhalten kann ...”
Soweit also die Zeugin. Bei einem persönlichen Gespräch schilderte sie mir, dass sie aufgrund einer beruflichen Anstellung ihres Mannes in Pakistan lebte. Sie hatte weder vor dem „Zwischenfall“ noch danach „paranormales“ erlebt. Sie interessierte sich auch nicht für „mystisches“ – das Erlebnis kann sie sich bis heute nicht erklären.
Parallelfall aus Deutschland?
Im April 1996 erhielt ich ein Fax vom Herausgeber des Magazins „Jenseits des Irdischen“, Herrn Gerd Kirvel. In diesem teilte er mir mit, dass sich bei ihm ein Zeuge gemeldet habe, der ein außergewöhnliches nächtliches Erlebnis mit einer „exotischen“ Gestalt hatte, das dem vorhin zitierten Bericht sehr ähnelt.
Noch am gleichen Tag rief ich den Zeugen an, der sich übrigens sehr kooperativ zeigte. Wenige Tage später erhielt ich auch einen entsprechenden Fragebogen zurück, aus dem Folgendes zu den Erlebnissen des Mannes hervorgeht:
“Liege im Bett, am Fußende erscheint eine junge, schwarzhaarige Frau, Locken, feingliedrig, scheint von „unten“ hervorzukommen [aus dem Fußboden?]. Legt ihre Hände an meine Füße, es entsteht ein Gefühl, wie wenn man Strom abbekommt, aber nicht körperlich schmerzhaft. Mein Körper spannt sich an, erzittert, ich trete geistig etwas weg.
Dann bekomme ich Angst, ziehe meine Füße weg. Sie kommt an die Seite [links] des Bettes, will ihre Hände auf meine legen [sie sagt es nicht, ich weiß es einfach]. Ich traue mich nicht, verdränge geistig, was ich sehe [sie], will aus der Situation [Panik]. Sie verschwindet. Ich höre ein sirrendes Geräusch, das sich binnen drei Sekunden rasend schnell entfernt.”
An anderer Stelle im Fragebogen führte der Zeuge noch Folgendes über die äußere Erscheinung der beobachteten Gestalt aus:
“Klein, zart, feingliedrig, schwarze, lockige Haare, menschliches Aussehen. Geschätztes subjektives Alter zwischen 22-35 Jahre, faltenlos, gütiges, rücksichtsvolles Auftreten. Ich sah sie auch nur ab ihrem Oberkörper aufwärts.”
Der Zeuge schilderte die Bewegungen des Wesens als „langsam und ruhig“. Interessant ist noch ein weiteres Detail in der Beschreibung. So stellte der Zeuge an sich unerklärliche körperliche Effekte fest. Er schrieb:
"In den letzten Wochen stellte ich kleinere Schnittwunden, zwei bis drei Mal an der Hand und am Handgelenk fest. Außerdem wurde ich am rechten Fuß, an der linken Seite, während des Schlafes gestochen. Beide Socken waren etwas blutig, die Stelle ist immer noch etwas geschwollen, ohne dass es juckt oder schmerzt.”
Stellen wir also fest:
In dem Bericht haben wir das Auftauchen einer fremdartigen Frauengestalt, die an den Füßen des Zeugen manipuliert und mit ihm telepathisch kommuniziert. [„sie sagte es nicht, ich weiß es einfach”]. Nach dem „Besuch“ ist ein merkwürdiges Geräusch zu hören und der Mann entdeckt an sich Schnittwunden und Einstiche an den Beinen.
Interessant ist auch, dass der Zeuge eine „fliegende Kugel“ beobachtet hat:
“Beobachtung am 19-04-1996, zwischen 00:30 und 01:00 Uhr, von Donnerstag auf Freitag: Beobachte den Himmel und sehe eine leuchtende, kleine Kugel, weiß oder weißgelb, die binnen einer Sekunde über unseren Balkon flog und hinter dem Haus verschwand. Mögliche Größe zwischen Tennisball und Fußball.”
Wie man sieht, sind die Parallelen zwischen den beiden zitierten Berichten sehr signifikant, trotz einer großen geografischen und zeitlichen Distanz!
Historische Bezüge und andere (?) "Paranauten" in Lahore
In „Gespenstergeschichten aus 300 Jahren“ [Anaconda Verlag] findet sich auch der Beitrag eines Rudyard Kipling unter dem Titel „Meine selbsterlebte, wahre Geistergeschichte“. Diese soll uns aber nicht interessieren.
Als Intro wird dort ein Einblick in die Geisterwelt Indiens gewährt, also zu einer Zeit, in der es noch unter britischem Mandat stand und Pakistan nicht existierte. Zitat:
„…eine weiße Dame soll rings um ein Haus in Lahore den Nachtwächter machen“. [S. 158]
Ich frage mich natürlich, ob die oben beschriebene „Geistin“ mit jener „Nachtwächterin“ oben identisch ist?
Zu dieser Stadt fand sich bei Michell & Rickard in Die Welt steckt voller Wunder, ein weiterer Hinweis auf einen Paranauten in der Stadt:
„[…] berichtete die Daily Mail am 26. September 1923, indische Kulis in Lahore glaubten, ein Mumiai sei unterwegs, ein unsichtbares Wesen, das Menschen am helllichten Tage anfalle”!ʬ

