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04/08/26

🎭✨
Goethe,
Name Game
und die Lichter

Als Goethe 1765, damals im zarten Alter von 16 Jahren, von Frankfurt nach Leipzig fuhr, um dort sein Studium aufzunehmen, ereignete sich Außergewöhnliches. Hierzu Richard Friedenthal in seiner 1967er Biographie „GOETHE Sein Leben und seine Zeit“:
„In Auerstädt, auf dem künftigen Schlachtfeld, blieb der Wagen bei anbrechender Nacht stecken […]. In einem verlassenen Steinbruch“ ganz in der Nähe „flimmerten bei Nacht unzählige Lichter die ‚nicht etwa still saßen, sondern hin und wieder hüpften… ob dies nun ein Pandämonium von Irrlichtern oder eine Gesellschaft von leuchtenden Geschöpfen gewesen, will ich nicht entscheiden.’ So schrieb der Dichter, als er schon den Faust geschrieben hatte.“
Der vollständige Bericht liest sich in Goethes zweitem Band von „DICHTUNG UND WAHRHEIT“ so:
„Wir waren zur Allerheiligen-Pforte hinausgefahren und hatten bald Hanau hinter uns, da ich denn zu Gegenden gelangte, die durch ihre Neuheit meine Aufmerksamkeit erregten, wenn sie auch in der jetzigen Jahreszeit wenig Erfreuliches darboten.
Ein anhaltender Regen hatte die Wege äußerst verdorben, welche überhaupt noch nicht in den guten Stand gesetzt waren, in welchem wir sie nachmals finden; und unsere Reise war daher weder angenehm noch glücklich.
Doch verdankte ich dieser feuchten Witterung den Anblick eines Naturphänomens, das wohl höchst selten sein mag; denn ich habe nichts Ähnliches jemals wieder gesehen, noch auch von anderen, dass sie es gewahrt hätten, vernommen.
Wir fuhren nämlich zwischen Hanau und Gelnhausen bei Nachtzeit eine Anhöhe hinauf, und wollten, ob es gleich finster war, doch lieber zu Fuße gehen, als uns der Gefahr und Beschwerlichkeit dieser Wegstrecke aussetzen.
Auf einmal sah ich an der rechten Seite des Wegs, in einer Tiefe, eine Art von wundersam erleuchtetem Amphitheater. Es blinkten nämlich in einem trichterförmigen Raume unzählige Lichtchen stufenweise übereinander, und leuchteten so lebhaft, dass das Auge davon geblendet wurde.
Was aber den Blick noch mehr verwirrte, war, dass sie nicht etwa still saßen, sondern hin und wieder hüpften, sowohl von oben nach unten, als umgekehrt und nach allen Seiten.
Die meisten jedoch blieben ruhig und flimmerten fort. Nur höchst ungern ließ ich mich von diesem Schauspiel abrufen, das ich genauer zu beobachten gewünscht hätte.
Auf Befragen wollte der Postillon zwar von einer solchen Erscheinung nichts wissen, sagte aber, dass in der Nähe sich ein alter Steinbruch befinde, dessen mittlere Vertiefung mit Wasser angefüllt sei.“
Interessant ist, vermerkt bei Friedenthal, dass Goethe nach seiner „Uforbs“-Sichtung in Leipzig angekommen, in der Herberge „ZUR FEUERKUGEL“ abstieg. Ob sich ihm diese Synchronizität „Name Game“ erschloss, ist unbekannt!ʬ