Die Sagenüberlieferungen des deutschsprachigen Raumes bergen faszinierende Parallelen zu modernen Phänomenen der Anomalistik. In der Quellensammlung „Sagen aus Heide und Spreewald“ von Erich Schneider finden sich außergewöhnliche Berichte, die von behaarten Wesen über spektakuläre Lichtanomalien bis hin zu stofflich wirkenden Seuchenerscheinungen reichen.
Begegnung mit dem Schirrmann
Ein besonders bemerkenswerter Bericht stammt aus der Saßlebener Heide, wo im 19. Jahrhundert zwei als „Schirrmann“ und „Schirrowa“ bezeichnete Wesen gehaust haben sollen. Dabei handelte es sich um ein Paar wilder, stark behaarter Menschen, deren dichtes Fell dem eines Hundes glich.
Die Überlieferung erzählt von einem jungen Viehhüter, der die Schirrowa mit einem Feuerbrand angriff und ihr Fell in Brand steckte. Als der Junge auf seinem Pferd die Flucht ergriff, wurde das Tier kurz vor dem heimischen Gehöft vom erbosten Schirrmann eingeholt und im Bereich des Hinterteils schwer zerrissen. Nach diesem Vorfall verschwanden die beiden Wesen spurlos aus der Region.
Lichtphänomene und Uforbs
Neben solchen Kreaturen nehmen leuchtende Erscheinungen eine zentrale Rolle in regionalen Sagen ein. Während solche Phänomene in der traditionellen Folklore häufig als „Drachen“ gedeutet wurden – beschrieben als feurige Kugeln mit langem Schweif, die durch den Schornstein drangen –, entsprechen sie strukturell den modernen Uforbs.
Eine Episode an der Schrebeniza schildert ein kleines, glühwürmchenartiges Licht am Ufer, das sich mendelnd verlor und mendelnd in ein gewaltiges Scheinfeuer über den Erlen umschlug.
Obwohl der gesamte Busch in Flammen zu stehen schien und Äste feurig herabstürzten, zeigte sich am folgenden Tag bei einer Nachprüfung, dass nicht ein einziges Blatt verbrannt war. Solche Sekundäreffekte verdeutlichen den inszenatorischen, fast theaterhaften Charakter dieser Erscheinungen.
Nebel und die Bändigung der Pest
Auch historische Epidemien wurden in den Sagen mit anomalen Luft- und Himmelsphänomenen verknüpft. Bei Muskau schildert die Überlieferung einen grauen, strangartigen Nebelschwaden, der sich im Abendgrauen wie eine tonnenschwere Last auf die Schultern eines Waldarbeiters legte und ihn durch die Nacht trieb, ehe sich die Erscheinung im Morgengrauen in einem Erdriss auflöste.
In Geierswalde hingegen trat die Seuche in Gestalt einer fliegenden, großen Kugel auf. Die Dorfbewohner bändigten die Bedrohung, indem mutige sorbische Mädchen eine schwere Steinplatte herbeischafften und das Phänomen fest in einem Morastloch versiegelten!ʬ

