In Sagen aus dem Neuburg-Schrobenhausener Land von Emmi Böck findet sich auf Seite 176 ff. ein recht interessanter Text. Es geht dabei um einen „Zwischenfall“, der sich nach dem Ersten Weltkrieg abgespielt hat. Über die Quelle schrieb die Autorin: „Extra-Niederschrift für dieses Buch, Juni 1989: Alfons Lehmeier, geb. 25.10.1923 in Untermaxfeld, Landwirt und Pförtner i. R., Stengelheim: Donaumoosexperte.“ [S. 228]Der Gewährsmann Lehmeier beschrieb 1989 die Sichtung einer Lichtkugel, so wie er es von seinem Firmpaten, dem eigentlichen Zeugen, erzählt bekommen hatte.Bei diesem Text handelt es sich eigentlich nicht um eine „Sage“ im klassischen Sinne [kein historischer Text]! Das hängt damit zusammen, dass Frau Böck und ihre Kollegen ab etwa 1960 Feldforschung betrieben, also durchs Land fuhren, um „Sagen“ zu sammeln und so zu neuen Texten und Memorata kamen.An sich war die „Hoch-Zeit“ der Sagensammler das 19. Jahrhundert [Romantik und Biedermeier]. Die meisten Schilderungen bei Böck haben einen „paranormalen“ oder „übersinnlichen“ Gehalt.In der Regel stammten sie von Zeugen und Erzählern aus erster oder zweiter Hand. Diese wiesen darauf hin, dass es sich dabei um wirklich erlebte und nicht fiktive Geschehnisse gehandelt habe – was man durchaus glauben kann, denn sie standen mit Namen, Wohnort und [oft] auch mit veröffentlichtem Bild für die Glaubwürdigkeit ihrer Geschichten ein! Doch nun zum Text:„Mein Pate war ein gebürtiger Augsburger. […] Einmal, an einem Novembertag, hat er in der Stadt Neuburg zu tun gehabt, die zehn Kilometer von seinem Heimatort Untermaxfeld entfernt war. Das war bald nach dem Ersten Weltkrieg, und er hat den Weg zu Fuß gemacht. […]Ab Obermaxfeld hat er den sogenannten Schwarzen Weg genommen, der nach Untermaxfeld führt. ‚Schwarzer Weg’ deswegen, weil zu dieser Zeit der Weg nur aus schwarzer Mooserde bestanden hat. Wie er in der Mitte zwischen den beiden Dörfern war, hat er ein Licht auf sich zukommen sehen.Es hat einen bläulichen Schein gehabt und ist immer auf und ab gegaukelt [fliegen ohne ein bestimmtes Ziel, hin und her]. Es hat sich auf einer Höhe von zweieinhalb Metern bewegt. Als es immer näher gekommen ist, ist ihm schon komisch geworden, und er hat seinen Hacklstecken [Wanderstab] recht fest in die Hand genommen.So zwei Meter vor ihm ist dann das Licht in der Luft stehen geblieben, ganz starr, und hat auch nimmer geschaukelt. […] Mein Pate hat weiter erzählt, dass ihm der Schreck so in die Glieder gefahren ist:Er hat nimmer gehen können, weder vorwärts noch rückwärts, und auch nichts mehr sagen. Wie lang sie sich so gegenübergestanden haben, das hat er nimmer zu berichten gewusst. Ihm ist es vorgekommen, als wenn es eine Ewigkeit gedauert hätt.Ein Lebewesen hat er nicht sehen können, nur das blaue Licht, das in zweieinhalb Metern Höhe vor ihm gestanden ist. Auf einmal hat dieses blaue Licht wieder angefangen zu schaukeln, auf und nieder.Ruckartig hat es den ‚Schwarzen Weg’ verlassen und ist querfeldein in Richtung Stengelheim gegaukelt. Mein Pate hat auch gesagt, dass er völlig nüchtern war und dass er sich die Erscheinung nicht eingebildet hat.“ResümeeMir sind bei den Sagenberichten drei, wie ich finde, wichtige Dinge aufgefallen:¹ Es wurden in der Regel fast nur Lichter berichtet, keine „festen“ Objekte, wie wir sie heute in Form von Untertassen, Zylindern oder Kugeln kennen.Es gibt zwar auch Reporte über „Untertassen“, doch sind sie extrem selten und lassen sich in Sagen kaum finden.² Die Lichter flogen systematisch an Wegen bzw. Straßen entlang. Oftmals waren sie an gewissen Streckenabschnitten immer wieder zu sehen – so, als wären sie als „Drohnen“ oder „Aufklärer“ eingesetzt worden.Die merkwürdige Vorliebe für Verkehrsverbindungen teilen auch heutige UFOs! Das könnte damit zusammenhängen, dass man an den Transportmitteln den technologischen Stand einer Kultur „ablesen“ kann.Kurz nachdem Pferdegespanne verschwanden – regional unterschiedlich, jedoch weitgehend nach dem Zweiten Weltkrieg [Land!] – tauchten die „modernen“ UFOs auf, so als sei dies eine Reaktion auf die Veränderung in der Kulturgeschichte.³ Die Sichtungshäufigkeit war sehr hoch und in vielen Landesteilen weit verbreitet. Der Landkreis Neuburg-Schrobenhausen, aus dem der Bericht stammt, ist relativ klein – Berichte über „Lichter“ jedoch sind fast flächendeckend vorhanden!ʬ
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06/08/26
⏳🌐Das blaue Licht am Schwarzen Weg
