Im Rahmen meiner Amazonas-Studien habe ich auch das Buch „Der letzte Herr des Waldes“ von Thomas Fischermann studiert.
Es geht darin um die Lebenswelt des Jugendlichen Madarejúwa, eines 19-jährigen Jägers des Tenharim-Stammes am Amazonas.
Geographisch verortet ist das Gebiet knapp „unterhalb“ der Urwald-Metropole Manaus, am Fluss Marmelos.
Ein nicht unwesentlicher Teil des Inhaltes beschäftigt sich mit der Glaubenswelt beziehungsweise den metaphysischen Aspekten der Kultur, wobei Seelenwanderung beziehungsweise der „Seelenflug“ der Schamanen über den Urwald hinweg eine nicht unwesentliche Rolle spielt!
Die Tenharim halten Seelenwanderung für ein Naturgesetz, und wer das notwendige „Talent“ hat, kann sich seine späteren Eltern selber aussuchen.
Doch nicht nur Reinkarnation ist ein Thema, auch das Missing-411-Phänomen scheint bekannt zu sein, mit wirklich erstaunlichen Parallelen zu den uns bekannten Parametern, die von David Paulides entdeckt und untersucht wurden!
„Tatort“ war die Ansiedlung São Luis. Madarejúwa berichtete:
„Als die Mutter [=und Ehefrau eines Schamanen] aus dem Wald ins Dorf zurückkehren wollte, sagte die ältere Tochter zu ihr: ‚Ich möchte eine Frucht probieren, drüben sehe ich sie hängen’! Die Mutter erlaubte es, dann schaute sie kurz weg. Als sie den Blick wieder hob, war die Tochter verschwunden. […]
Einmal hörte die Mutter die Stimme ihrer Tochter aus großer Ferne, aber finden konnte sie sie nicht. Sie hörte die Rufe mal von hier und mal von dort, aus verschiedenen Richtungen des Waldes. […] Als der Tag zu Ende ging, fand sie endlich das Mädchen“.
Als Entführer vermutete man einen „Anhaĝa“, einen bösen Geist, genauer die Seele eines Verstorbenen. Diese Entitäten sollen in einer unterirdischen Stadt [sic!] am Amazonas-Becken hausen.
Leider ist nicht überliefert, ob das Kind irgendwelche Angaben über die fragliche Zeit gemacht hat.
„Unterirdische“ werden als mögliche Verursacher des Missing-411-Phänomens immer wieder bezichtigt.
Die angesprochene Frucht, die sich das Mädchen holen wollte, erinnert an Reporte mit Beerensträuchern, an denen Personen verschwunden sind!
Übrigens nicht nur in den Fällen, die Paulides untersucht hat:
Verschiedene nordamerikanische Völker beschreiben vergleichbare Szenarien in ihren historischen Überlieferungen! Da spielt oft ein verschleppender Bigfoot aka Sasquatch eine Rolle!
Auch deutsche Sagen sagen uns etwas hierzu, etwa eine Überlieferung aus dem Spessart, auf die ich noch eingehen werde!
Auch der Aspekt, dass man die Entführte hören, aber nicht sehen konnte und dass die Stimme des Mädchens offenbar aus verschiedenen Richtungen [sic!] beziehungsweise Entfernungen kam, ist innerhalb Paulides’ Studien ein Evergreen!
Madarejúwa beschrieb einen weiteren Fall:
„Vor einigen Wochen verschwand der jüngere Bruder unseres Häuptlings Tupajakui im Wald. Er war sechzehn Jahre alt und fuhr mit dem Kanu zur Jagd. Wir haben überall nach ihm gesucht, aber nicht ein Kleidungsstück von ihm wurde entdeckt. [….] Zuletzt hatte man ihn sagen hören, seine Verwandten hätten ihn in den Wald gerufen. Viele von uns glauben, er hatte schon lange Kontakt zu den Anhaĝa“.
Das Missing-411-Phänomen scheint global flächendeckend zu sein, wobei die „Fallen“ gerne dort aufgestellt werden, wo Süßes wächst, Beeren und Früchte, bevor es dann „Saures“ in Form der Entführung gibt!
Unklar ist, was mit den Personen geschieht, wieso einige nur „transportiert“ werden, während andere für immer verschwinden!