Obwohl ich die „paranormale Landkarte“ der USA recht gut kenne, fällt mir zu Iowa spontan nicht viel ein. Weder ein UFO- noch ein Bigfoot-Report ist in meinem Gedächtnis haften geblieben. Vor ein paar Tagen jedoch stieß ich auf eine recht gelungene Dokumentation, in der auch von einem geflügelten „Monster“ berichtet wurde, das sich 1903 in der Ansiedlung Van Meter herumgetrieben haben soll.
Meiner Nomenklatur zufolge handelt es sich hierbei nicht um ein Kryptid, sondern eher um einen Paranauten – ein Wesen, das keine Entsprechung in der Natur haben kann, weil die beobachteten Eigenschaften zu „strange“ sind.
Quelle des Beitrags war das Buch The Van Meter Visitor von drei Autoren/Forschern: Chad Lewis, Noah Voss und Kevin Lee Nelson – ich habe es mir umgehend bestellt.
Der Name des Staates Iowa leitet sich von „Ioway“ ab, gemäß der Benennung durch die Ioway-, Sac- und Fox-Stämme. Übersetzt bedeutet es etwa: „This is the place“.
Der Ort Van Meter im Dallas County, etwas westlich vom geographischen Zentrum des Staates gelegen, wurde 1845 von den Brüdern Stump gegründet. Benannt wurde er jedoch nach J. R. Van Meter, einem angesehenen Bürger der Region.
Im Jahr 1903 zählte die Ansiedlung rund 1000 Einwohner. Die historischen Fotos im Buch vermitteln den Eindruck einer klassischen Westernstadt, ergänzt durch einige bereits „moderne“ Steingebäude. Ökonomische Höhepunkte zu jener Zeit waren eine Ziegelei sowie eine – damals bereits geschlossene – Kohlemine.
Der Spuk begann am 29. September 1903. In den frühen Morgenstunden beobachtete U. G. Griffith ein strahlend helles Licht auf dem Dach des Mather-&-Gregg-Gebäudes.
Zunächst nahm er an, dass sich dort Einbrecher zu schaffen machten. Doch das Licht überquerte die Straße, landete auf einem benachbarten Gebäude – und verschwand schließlich.
Am nächsten Morgen, dem 30. September, wurde Dr. Alcott von einem hellen Licht geweckt, das durch sein Fenster fiel. Zunächst vermutete er, ein Patient versuche, auf sich aufmerksam zu machen. Mit einer Handfeuerwaffe bewaffnet trat er ins Freie – und sah sich einer bizarren Gestalt gegenüber.
Das „Ding“ glich einer Mischung aus Mensch und Tier, besaß große, fledermausartige Flügel und ein „Horn“ auf der Stirn, aus dem Licht zu strahlen schien.
Dr. Alcott eröffnete das Feuer – und traf. Doch der „Besucher“ zeigte keinerlei Reaktion. Der Arzt floh zurück in sein Büro.
Der „Trend“, dass die Kreatur entweder in den frühen Morgenstunden oder spät in der Nacht erschien, setzte sich fort:
Am 1. Oktober hatte Clarence Dunn, Kassierer der Van Meter Bank, seine Begegnung. Auch er wurde durch ein helles Licht geweckt, das durch das Fenster strahlte – es bewegte sich wie ein Suchscheinwerfer hin und her. Dahinter zeichnete sich eine große Gestalt ab.
Dunn feuerte durch das Fenster, doch auch er erzielte keine Wirkung. Die Gestalt war verschwunden – zurück blieb ein großer Abdruck mit drei Zehen im weichen Boden.
In der Nacht desselben Tages hörte O. V. White ein kratzendes Geräusch vor seinem Haus. Er griff zur Waffe, trat ans Fenster – und sah das geflügelte Monster auf einem Telefonmast sitzen.
Er schoss sofort („Shoot first and then ask questions“), doch wie bei den vorherigen Begegnungen blieb der Schuss wirkungslos.
Die Kreatur richtete ihren „Scheinwerfer“ auf ihn – und ein unerträglicher Gestank erfüllte die Luft.
Dann trat bei White ein Effekt ein, der uns aus der UFO-Forschung nur allzu vertraut ist:
Er verlor das Bewusstsein – und hatte anschließend keine Erinnerung mehr an das, was danach geschah. Missing Time!
Der infernalische Lärm hatte seinen Nachbarn Sidney Gregg geweckt. Dieser öffnete die Tür und konnte von dort aus sehen, dass der Eindringling sich auf dem Boden befand.
Mit seinem „Suchlicht“ scannte er die Gegend. Die Größe lag geschätzt bei rund 240 cm (aus welchen Gründen heraus auch immer scheint dies die „Norm“ zu sein bei Mothman, Werwolf, Squatch & Co.).
Er machte ein paar interessante Beobachtungen:
Die Kreatur konnte auf allen Vieren laufen und springen wie ein Känguru, während sie mit ihren Flügeln schlug. Sie flog dann in Richtung der stillgelegten Kohlemine. Gregg scheint der Einzige gewesen zu sein, der sie nicht unter Feuer genommen hat…
Die Aktivitäten des bzw. der Geflügelten fanden über fünf Tage hinweg statt und endeten am 3. Oktober 1903. Die Arbeiter der Ziegelei (diese stand in unmittelbarer Nähe zur stillgelegten Kohlemine) hörten aus den Stollen bizarre Geräusche. Wenig später waren zwei der Kreaturen zu sehen, welche dort offenbar ihre Residenz aufgeschlagen hatten.
Unter Anleitung des Managers des Unternehmens, J. L. Platt Jr., bewaffneten sich die Arbeiter der Nachtschicht und schossen auf die Wesen, die in der Höhle verschwanden, später jedoch wieder auf „Tour“ flogen.
Die genannten Männer haben in der Stadt wirklich gelebt – das ist bei den meisten Hoax-Geschichten nicht der Fall; dies wurde von den Autoren recherchiert. Landesweit wurden ihre Namen im Zusammenhang mit der Geschichte veröffentlicht, ohne dass es ein Dementi ihrerseits gab.
Der Stolleneingang wurde 1903 gesprengt – was völlig sinnfrei wäre bei einer inaktiven Anlage! Die Ereignisse waren noch Jahrzehnte nach dem Vorfall Diskussionsstoff im Ort. Es war also keine „Presseente“; es gab direkte und indirekte Zeugen, welche die Diskussion am Laufen hielten.
Autor Voss fand 50 Berichte, in denen ähnliche Kreaturen in anderen Regionen/Zeitabschnitten beobachtet worden sind, wobei jedoch die Sache wegen dem „Scheinwerferlicht“ einzigartig bleibt. Die „Phänomenologie“ ist interessant:
Geflügelte Wesen sind ein „Evergreen“ innerhalb paranormaler Phänomene („Mothman“). Der Einsatz des Lichtes erinnert an das Solid Light der Ufologie ebenso wie an den Blackout/Missing-Time-Effekt, und der Gestank des Wesens ist von vielen Paranauten bekannt – man denke nur an Bigfoot, der offenbar gerne mal ein Bad auslässt.
Das Van-Meter-Monster ist ein interessanter „Hybrid“ aus UFO-Aspekten und Kryptiden/Paranauten – so, als ob die Intelligenz hinter der Erscheinung sich nicht so recht entscheiden konnte, als was sie „auftreten“ wollte!*
Rund drei Wochen vor den Vorfällen in Iowa, im September 1903, wurde eine erstaunlich ähnliche „Figur“ in Utah, Stansbury Island, beobachtet:
Martin Gilbert und John Barry beobachteten ein Wesen, welches halb Vogel, halb Reptil gewesen sei, mit Fledermausflügeln und glühenden Augen.
Etwas unkonventionell hingegen war die geschätzte Größe – stattliche 50 Fuß – und der Umstand, dass es sich ein Pferd als Häppchen eingefangen haben soll. Merkwürdig mutet eine weitere Beobachtung am Himmel an, die Gilbert wie folgt beschrieb:
„…when suddenly to the northwest there appeared a thing I don’t know what to call it. It looked to me like a brilliant rainbow folded into compact mass, moving rapidly through the air.“
„… als plötzlich im Nordwesten etwas auftauchte, von dem ich nicht weiß, wie ich es nennen soll. Es sah für mich aus wie ein strahlender Regenbogen, der sich zu einer kompakten Masse zusammengefaltet hatte und sich schnell durch die Luft bewegte.“
Voss vermutet, dass es sich dabei um ein „Portal“ gehandelt haben könnte, durch welches das Wesen in unsere Realität gelangte.
Wer die Geschichte rund um die Skinwalker Ranch kennt, wird sich noch erinnern, dass die NIDS-Untersucher so ein „Portal“ (an sich nicht mehr als eine 2D-Fläche im 3D-Raum) beobachtet haben, aus dem ein Squatch spaziert sein soll.
Die Geschichten um diese Portale sind recht interessant, weil es zahlreiche Zeugenaussagen gibt, in denen etwa beschrieben wird, dass andere „Landschaften“ oder Tageszeiten sichtbar waren.
Das Buch ist erstaunlich interessant – erstaunlich, weil darin auch „alternative“ Arbeitshypothesen besprochen werden, etwa die Ansätze von Vallee und Keel oder Spekulationen über ein holographisches Universum und Trickster-Aktivitäten. Ich denke, das Van-Meter-Monster dürfte bald so populär sein wie Mothman oder Bigfoot!!ʬ
*P.S.:
Ältere Semester unter den Lesern werden sich noch erinnern, dass solche „Reparaturfälle“ recht häufig waren im Zeitfenster von 1950 bis etwa 1970. UFOs landeten – immer gut sichtbar und vor Publikum –, Ufonauten stiegen aus, manipulierten an der Untertasse und entschwanden wieder.
Noch ein Van Meter Visitor in Utah?
1981 meldete sich ein Park Ranger aus dem Glen Canyon National Recreation Area, Lake Powell, Utah, bei MUFON. 15 Mitglieder einer Kirchengemeinde aus Salt Lake City [Mormonen] hatten sich beim National Park Service gemeldet, um eine „UFO“-Sichtung zu melden. „Verbucht“ wurde der Report unter der Fallnummer [„Incident Report“] 811310.
Der Vorfall trug sich am 27. Juni 1981 zu. Die Gruppe zeltete im Cow Canyon, dort am Escalante-Fluss. Über dem Canyon erschien ein hellstrahlendes, stroboskopisches Licht, welches über einen Zeitraum von 1,5 Stunden hinweg [sic!] beobachtet werden konnte und die Zeugen stellenweise umrundete.
Als es auf rund 30 Fuß herangekommen war, leuchtete ein Gemeindemitglied mit einer Taschenlampe auf den „Besucher“ – und sichtbar wurde eine geflügelte Kreatur, größer als eine Fledermaus.
Folglich muss sich die Lichtquelle an diesem „Wesen“ befunden haben bzw. es strahlte das Licht selbst aus. Daraufhin tauchte ein zweites Licht auf und schien sich mit dem ersten durch „Lichtblitze“ zu verständigen. Beide verschwanden kurz darauf.
Einer der Zeugen, der bereits fünf Jahre zuvor in dem Areal Urlaub gemacht hatte, konnte damals ähnliche Lichter beobachten.
Am gleichen Tag sahen andere Personen unweit ebenfalls ein Licht, und rund zwei Wochen später tauchte es nochmals im Sichtungsareal auf. [Albert Rosales, Humanoid Encounters 1980–1984, S. 102]
Die Beschreibung der Zeugen erinnert stark an den weiter oben thematisierten „Van Meter Visitor“!ʬ