Hallo Wladislaw,
ich habe mich wiedereinmal mit den Sagen der Oberlausitz beschäftigt und bin in "Wilthener Heimatblätter Heft 8, Einblicke in die Wilthener Sagenwelt" von Heinz Menzel aus dem Jahre 2010 im phänomenologischen Kontext fündig geworden. Besonders die erste Sage (Die Himmelskutsche bei Irgersdorf) finde ich interessant. Vielleicht haben wir es hier ja mit frühen Fällen von (Human)-Mutilations zu tun...
Die Himmelskutsche bei Irgersdorf
Zu gewissen Zeiten soll aus dem Bornteiche bei Irgersdorf eine Kutsche herauskommen, Begegnet ihr ein Mensch, so öffnet sich die Tür und er wird gezwungen, einzusteigen. Weigert er sich auch noch so sehr, unsichtbare Gewalten zwingen ihn zu einer besonderen Fahrt.
Die Kutsche fährt himmelwärts. Hoch in den Lüften darf sich der Fahrgast alles ansehen. Doch bald geht's wieder zurück zur Erde. Er aber, der ungeahnte Herrlichkeiten geschaut, fällt tot aus der Kutsche.
Ein gewisser Bauer Thomas, der auch Lohnschlächterei ringsum betrieb, behauptete, daß er sich vor nichts fürchte. Er habe ja immer die großen Schlachtmesser bei sich. Einmal, als er von Irgersdorf nach Wilthen heimging, kam die Kutsche ihm entgegen.
Man winkte ihm. Er setzte sich hinein. Die Kutsche fuhr wirklich aufwärts, himmelwärts. Da will er sich aus Leibeskräften gewehrt haben und ist aus der Kutsche gesprungen. Von dieser Stunde an aber sei er ganz verdreht im Kopfe gewesen.
Zitiert aus: 700 Jahre Wilthen, Paul Johannes Flechtner 1922, S. 188
Die Lichter beim Tautewalder Vorwerk
Wer bei prächtigem Mondschein durch Neukirch und Tautewalde wandert, kann beim letzten mitternächtlichen Schlag der Turmuhr im Tautewalder Vorwerk unzählige, rätselhafte Lichter gespensterhaft in der Nacht sehen. Sie weichen nicht, auch verblassen sie nicht. Einst tobte auf diesen Gefilden eine heftige Schlacht. [...] Viele Krieger hauchten ihren Geist aus. [...] Die Lichter sind nichts anderes als die Seelen jener Braven, die noch nicht zur Ruhe gekommen sind.
Zitiert aus: 700 Jahre Wilthen, Paul Johannes Flechtner 1922, S. 189
Micha aus Dresden
Sagen über „futuristische“
Kutschen in der Vergangenheit@ Wladislaw Raab
Über (zumeist) schwarze “Geisterkutschen” die ohne Pferde unterwegs sind wurde hier bereits berichtet, siehe oben! In der Hinsicht ist ein Report aus Ohio, USA, aufschlussreich der sich 1873 ereignet haben soll. Genauer auf der Strecke zwischen Zanesville und Taylorsville, Moskingum County.
Veröffentlich wurde der Report im New York Herald vom 08-04-1873 vom Historiker und Heimatforscher W. A. Taylor. Involviert waren zwei Zeugen. Mr. Thomas Inman und sein Sohn.
Die beiden waren abends auf dem Weg nach Hause als sie dicht am Zenith eine Erscheinung sahen die wie ein brennender Scheiterhaufen wirkte der über den Himmel zog. Das „Ding“ gab ein röhrendes Geräusch von sich und landete in unmittelbarer Nähe der Männer.
Es leuchtete aus und ein ganz in Schwarz gekleideter Mann erschien der ein Licht bei sich trug. Er ging auf eine Kutsche bzw. einen Buggy zu der plötzlich auf der Straße stand, setzte sich hinein und fuhr los – ohne jeden Pferdeantrieb und völlig geräuschlos.
Das mysteriöse Gefährt und sein Automobilist verschwanden in einer Senke außer Sicht. Der Bericht wurde am 05-04-1873 schriftlich verfasst, der Vorfall soll sich zwei Wochen zuvor ereignet haben.
Ufonauten die in Autos steigen, oder aus Autos in Ufos sind nicht ganz unbekannt ["Geisterfahrer"]. [Return to Magonia, Aubeck + Shough, S. 175ff]
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Postskriptum:
Karlsruher Ufosagen
@ Wladislaw Raab
Meinen ausgesprochenen „Sagentick“ werde ich in diesem Leben nicht mehr los. Bei den Amazonen habe ich mich wieder mit diversen Bänden eingedeckt. Wenig erwartet habe ich von „Sagen rund um Karlsruhe“ von Ludwig Vögely, schlicht weil die Region zu klein und deshalb wenig „Ausbeute“ zu bekommen ist. Allerdings finden sich dort Überlieferungen mit dem uns bekannten ufologischen Erzähl- und Ablaufmuster!
Lichterscheinungen etwa tauchen im gesamten mitteleuropäischen Sagenraum auf, so auch hier:
► Knielingen: „Im Garten des ehemaligen Edelmannshauses zu Knielingen hüpfen des Nachts blaue Lichter umher […]“. [S. 39]
► Durlach: „In manchen Nächten zeigen sich umherschweifende Lichter […]“. [S. 59]
► Wolfartsweier: „Auf den dortigen Feldern wandelt in den Adventnächten ein blaues Licht, das bis zum ersten Hause am Wolfartsweier kommt und dann wieder zurückgeht“. [S. 82]
► Ettlingen / Schatzwäldchen: „Im Wäldchen zeigten sich nachts öfters einzelne Flammen und ein blaues Licht. Als ein Mann dieses von der Landstraße aus erblickte […] war das Licht bei ihm, fasste ihn in der Seite und warf ihn in den Straßengraben“. [S. 132]
► Neuburgweier: „Im Jahre 1869/70 wurde von drei Bürgern aus Neuburgweier, die nachts um ein Uhr ins Dreschen gingen, beobachtet, dass die Sterne ihre Stelle wechselten und sich drunter und drüber bewegten. Darüber gerieten die Drescher in solche Angst, dass sie alles zurückließen und nach Hause flüchteten [...].“ [S. 152]
Was mir auffällt: Die Beschreibungen sind sehr kurz gehalten, so als ob der Chronist einfach davon ausging, dass schon jeder wisse was gemeint ist. Waren solche Sichtungen damals „Tagesgeschäft“?
Eine Sage die mich [mal wieder!] an den Langenargen-Fall erinnert ist bei Grötzingen verortet. Gesehen wurden dort phantomhafte „Schwarze Männer“ mit Zylinder. Wer den Langenargen-Fall kennt, wird wissen dass der Zeuge nach seiner „Alienbegegnung“ zwei „Mibs“ mit Zylinder begegnet ist. Grötzingen ist von Langenargen zwar 175 Kilometer entfernt, dies dürfte für die Unbekannten nicht unüberwindlich sein. Doch hier der Sagenauszug:
„[…] im Bruchwald im schwarzen Acker ist es bei Nacht nicht ganz geheuer. Früher wollte niemand dorthin gehen, denn dort laufen drei schwarze Männer mit langen Bärten und Zylinderhüten auf dem Kopf. Man weiß bis heute nicht, wer diese drei schwarzen Männer sind und weshalb sie im Bruch umgehen müssen“. [S. 62]
Eine feste Rubrik in diesem Blog beschäftigt sich mit „Geisterfahrern“, also bizarren automobilen Begegnungen. Ein historisches Gegenstück dürften fliegende Kutschen in der Vergangenheit gewesen sein:
„Auf der Landstraße von Karlsruhe nach Durlach und den angrenzenden Feldern fährt der Teufel in Gestalt eines Postknechts und lädt die Leute zum Einsteigen ein. Als einst ein Mann dieser Einladung Folge geleistet hatte, erhob sich die Kutsche augenblicklich in die Lüfte; kaum war sie eine Strecke weit gefahren, war sie plötzlich weg, und der Mann fiel zwischen Rintheim und Hagsfeld herab“. [S. 50]
Tödliche Begegnung bei Völkersbach
Tödliche Begegnungen im Zusammenhang mit UFOs werden immer wieder beschrieben und spielen auch bei Sagen eine Rolle. Die Ähnlichkeit zwischen Sageninhalten und „modernen“ UFO-Sichtungen erstaunt mich immer wieder aufs Neue!
„Es gingen einmal drei Mädchen abends auf den Rimmersbacher Hof. Als sie nachts um zwölf Uhr wieder heimgingen, schaute ein Mädchen in den Wald hinunter. Da sah es ein Lichtlein von unten heraufkommen und sagte zu den anderen: ‚Dort unten kommt ein Lichtlein’. Die drei Mädchen liefen schnell davon.
Aber zuletzt konnten sie nicht mehr so schnell springen, und das Lichtlein holte sie an der Stelle ein, wo heute das Kreuz steht. Das Lichtlein berührte das Mädchen, das den anderen gesagt hatte, es kommt ein Licht. Dieses fiel um und war tot, denn es hätte nicht sagen sollen, dass ein Lichtlein käme“. [S. 125].
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Postskriptum²:
Sagenhaftes Markgräflerland
@ Wladislaw Raab
Das Buch „Sagen aus dem Markgräferland“ [Region] von Ludwig Vögely habe ich jetzt abgeschlossen. Aufgefallen sind mir vor allem zwei Sagen, die auch konform gehen mit eigenen Ermittlungen. Auf Seite 111ff kann man über einen „Johannes mit dem Schlapphut“ lesen.
Bei diesem handelt es sich um einen Geist / ein Gespenst welches um bzw. bei Bürgel aktiv ist/war. Der „Paranaut“ trägt [Nomen est omen] einen Schlapphut und einen dunklen Überrock und betätigt sich als „Fenstergucker“.
Was sowohl „Bekleidung“ als auch Verhalten einer Entität recht gut beschreibt die nach einer UFO-Beobachtung einem Zeugen in München erschienen ist.
Auf Seite 129 findet sich eine Sage aus Elbenschwang, in der ein „Kratzgeist“ beschrieben wird. Ein ähnliches Phänomen wurde mir auch von einem Zeugen geschildert. In der Sage heißt es:
„In einem Haus in Elbenschwand hörten die Leute ständig unter einem Bett so kratzen, als ob man mit den Fingernägeln den Boden aufkratzen wollte. Die Leute rückten das Bett zur Seite, gruben darunter nach, fanden aber nichts, und das unheimliche Kratzen ging weiter“.
Wie in allen Regionen Deutschlands finden sich auch im Markgräflerland zahlreiche Berichte über Lichterscheinungen:
► Auggen: „Vor langer Zeit […] im Schlößle zu Auggen […] sieht man beim Schein des Mondes […] zwei glänzende Flämmchen über die Wiese huschen. Im nahen Hach […] sah man bei Nacht Lichtschimmer“. [S. 29]
► Rötteln | Burg Rötteln: „In dieser erscheinen in machen Nächten gespenstische Lichter, auch schwebt zuweilen aus dem nahen Wald eine einsame Flamme herbei und fährt an der steilen Mauer hinauf und zu einem Erkerfenster hinein“. [S. 68]
► Vogelbach | Sausenharder Schloß: „Bei Nacht schweben in der Burg blaue Lichter umher“. [S. 108]
► Gresgen | Röthi: „…konnte man […] eine brennende Laterne oder ein Licht dort schweben sehen, und jeder ging dem Licht in der Röthi aus dem Weg. Niemals mähten die Bauern das Gras auf dem verrufenen Platz“. [S. 126]
► Dinkelberg: „Man hat schon öfters nächtlicherweise drei Lichtlein von Eichsel hinüber nach […] der benachbarten Höhe des Dinkelberges wandeln sehen. Nach einiger Zeit sollen dann vier Flämmlein nach Eichsel zurückgekehrt sein“. [S. 155]
Fliegende Kutschen
Eines meiner Sagenlieblingsmotive sind selbstfahrende bzw. fliegende schwarze Kutschen. Die Ähnlichkeit zu den Fortbewegungsmitteln der MIBs sind augenfällig, daneben wird damit auch das Phänomen der unheimlichen automobilen Begegnungen angeschnitten.
„Es gingen einmal einige junge Leute von einem Lichtgang nach Hause. In Surbel fuhr ihnen eine kohlschwarze Kutsche über die Köpfe hinweg und rauschte und toste, als ob der Leibhaftige selbst darin sitzen würde. Die gespenstische Kutsche fuhr rückwärts, es waren keine Pferde daran, und sie fuhr hinab zum Kloster Weitenau. Man hat auch schon eine feurige Kugel von Hofen bis zum Kloster darunter fahren sehen“. [S. 117]
Der Hinweis auf die „feurige Kugel“ kann durchaus als ufologischer Ritterschlag gewertet werden, das Erzählmuster ist also identisch zu dem heutiger Tage!
Entitäten
Früher waren nicht nur Lichtkugeln und „Autokutschen“ unterwegs, auch Paranauten trieben sich auf den Straßen herum, wie eine Sage aus Gresgen illustriert:
„Ein junger Bursche von Gresgen war einmal auf dem Heimweg bis zur Blauener Ebene gekommen […]. ...lief ihm ein seltsames Wesen über den Weg. Es war kaum so groß wie ein Zwerg, ging auf zwei Beinen, hatte aber keinen Kopf und war grau. Dieses Wesen lief immer etwa fünf Schritte vor ihm her […]. Dabei gab er mit seinem Revolver einen Schuß ab, und da war der Geist auf einmal weg. Auch später hat er ihn nie mehr gesehen“. [S. 126]
Luftfahrt
Wir wissen nicht, was mit den Menschen passiert, die im Rahmen des „Missing 411“-Phänomens verschwinden. Doch könnte eine Sage aus Mambach einen möglichen Einblick bieten:
„Drei […] Burschen gingen einmal in Mambach nachts z’Licht. Sie kamen an ein Bücklein […]. …der Bursche der in der Mitte ging […] in die Luft emporgehoben wurde, immer höher und höher. Eine Zeitlang hörten sie noch sein Heulen und Schreien, dann wurde es still. […] Den dritten Burschen aber fand man am anderen Morgen auf einem Steinhaufen liegend. Er hatte beide Beine gebrochen.“ [S. 92]
Was in den Sagen NICHT steht
Es fehlen [mal wieder!] Hinweise auf Kornkreise und „metallische“ Flugvehikel. Diese Phänomene müßen früher extrem selten gewesen sein, wobei Lichterscheinungen eigentlich flächendeckend über der sehr kleinen Region verbreitet sind!ʬ
Von fahrenden & fliegenden Kutschen@ Wladislaw Raab
Zum Themenspektrum der „unkonventionellen Kutschen“ haben der Leser Micha aus Dreden in einem Leserbrief und ich in einem Artikel bereits etwas verfasst, siehe den passenden TAG AUTOKUTSCHEN unten!
Passend dazu fand sich auch etwas im Buch „Geisterfahrt und Wilde Jagd“ von Anton Jocher. Das Buch selbst ist, mal wieder, kein klassischer Sagenband, da der Autor auch zwei Spukerlebnisse aufführt, die ihm bzw. seinen Freunden untergekommen sind. Auf diese werde ich dann gesondert in einem eigenen Beitrag eingehen!
Rein geographisch befinden wir uns im Werdenfelser Land, an der Südseite Bayerns also, den meisten bekannt durch die Zugspitze und Garmisch-Partenkirchen.
Die unheimliche Begleit-Erscheinung bei Farchant
Die erste Überlieferung beinhaltet eine ganz normale Kutsche mit ganz normalen Passagieren, die bei einer Fahrt einen ungewöhnlichen Begleiter hatten. Ein Jahr ist nicht angegeben. Lediglich, dass einer der Passagiere Knickerbocker getragen hat, eine Mode, die ich auf die 1920er bzw. 1930er verorten würde. Als „Tatort“ wird eine Brücke bei Farchant genannt:
„Jetzt blickte der Kunstmaler zufällig durch die schmierige, gefrorene Scheibe des Kutschenfensters in die Dunkelheit hinaus. Hatte er sich getäuscht? Nein! Plötzlich gewahrte er ein gelbliches Licht, das unstet flackernd, mal heller, mal schwächer, mal höher, dann tiefer schwebend, neben der Kutsche auftauchte.
Irritiert starrte der Maler auf den Lichtpunkt, der unablässig neben der Kutsche blieb. Nun wurden auch die anderen Passagiere auf diese merkwürdige Erscheinung aufmerksam und beobachteten gespannt das Licht. Unheimlich war plötzlich allen zumute. […] Ängstlich saßen sie da und blickten stumm aus dem Fenster. Keiner wagte sich zu rühren. […]
Da deutete der Kutscher mit dem Peitschenstiel auf das sonderbare Licht, das immer noch unweit der Kutsche über dem Boden schwebte. […] Auf einmal ertönte ein lang gezogener Klagelaut, der den Reisenden bis ins Mark drängte. Und, wie ausgeblasen, war das Licht verschwunden.“
UFOs als Überwachungssystem der Vorzeit
Mich erinnert dies an ein Erlebnis, das Goethe hatte! Gerade flügge geworden, ergab sich bei einer Kutschfahrt eine „erhellende“ Begegnung! Ich meine, es war der Sagensammler Leander Petzoldt, der sich mal die Mühe gemacht hatte, die Sagenorte in Bayern mit Lichterscheinungen auf eine Karte zu übertragen. Herausgekommen war eine Ansicht, übersät mit Markierungen, kein Weiler ohne sein „Uforb“!
Auch in der heutigen Zeit sind „verfolgende Lichter“ ein Evergreen der Ufologie, siehe hierzu etwa den Film „Unheimliche Begegnungen der Dritten Art“! Das wirkt sehr nach einem 24/7 Überwachungssystem, welches ggf. vor Jahrhunderten installiert worden ist und seitdem im Einsatz befindlich alles verfolgt, was auf Rädern – und oft auch – auf zwei Beinen daherkommt!
Ob das System noch Sinn macht, kann durchaus kontrovers diskutiert werden. Wie oft wurden in Sagen Bauern und Fuhrmänner verfolgt, wie oft heute Autofahrer? Welche Daten sollen gewonnen werden? Die technischen Änderungen vollziehen sich auf der Erde in langen Jahrzehnten, nicht in Tagen.
Machen tägliche Verfolgungen also Sinn? Gleiche Transportmittel, gleiche Personen? Hat man sonst nichts im Universum zu untersuchen? Mein Gedanke ist, dass dieser Mechanismus in grauer Vorzeit installiert und dann schlicht vergessen wurde!
Vielleicht existiert der Erfinder und Betreiber schon lange nicht mehr, aber sein „Werk“ flitzt noch heute Trucks und Autos hinterher, wie ein verspielter Hund einem geworfenen Stöckchen!
Und so werden die Lichter und UAPs bis zum jüngsten Tag Ufologen beschäftigen, die sich irgendwann wundern werden, wieso die fliegenden Dinger immer das gleiche Programm abspulen!
Die Rettung durch die Geister-Karosse
Die nächste „Kutsche“, die uns beschäftigen soll, ist nicht konventioneller Natur. Sie hat anfänglich auch keine Reisegäste an Bord und der Kutschbock ist unbesetzt! Weshalb sie im Sagenband der „Wilden Jagd“ zugeschrieben wird, hat sich mir nicht erschlossen; überlieferte Rettungsmissionen sind mir von der nicht bekannt!
Zwei Buben, Sepp & Michel aus Garmisch-Partenkirchen, hatten sich im Gebirge verstiegen und saßen auf einer Felskante im wahrsten Sinne des Wortes fest! Es war schon dunkel geworden, die Verzweiflung nahm zu, als sehr ungewöhnliche Rettung nahte:
„Eine schneeweiße, fürstlich anmutende Karosse […] die sanft im Wind schaukelte. Der Kutschbock war leer, die zum Berg gewandte Tür der Karosse stand weit offen, und nur ein kleiner Schritt trennte die beiden Burschen von diesem seltsamen Gefährt. […] so langt […] Sepp nach dem verschwommenen Gebilde, das da vor ihm über den Abgrund schwebt […].
Da fühlt er festen Widerstand, kein Nachgeben dieses weißen Nebels, obwohl das Gebilde nicht aus Holz oder Eisen, sondern aus Licht und Schimmer gebaut scheint. Er […] schreckt […] zurück, da er unter sich den schwarzen Abgrund sieht, der durch den gläsernen Boden der Kutsche dräut. Doch Sepp kann nicht mehr zurück zum Felsen, die Kutsche hat ihn gefangen. […]
Da packt er […] den Michel in die Karosse. […] Die Jungen liegen auf dem Kutschenboden, der ihnen, durchsichtig wie Glas, den schwarzen Abgrund zeigte, sie klammern sich an das Gestänge, sie klettern auf die gläsernen Sitze […]. Sie sehen [….] das Werdenfelser Land ganz tief unten liegen, von gleißendem Mondlicht überflutet. Sie sehen das Sternenzelt in funkelnder Pracht.
Ihr schimmerndes wolkenhaftes Gefährt jagt über das Firmament, durchzieht die Lüfte, schon erkennen sie die Lichter des heimatlichen Dorfes und sachte schweben sie darauf zu. Unter Tosen und Brausen senkte sich das schneeweiße Gespann herab. […]
Das blitzende feuersprühende Fuhrwerk setzte […] auf. […] Kaum waren Sepp und Michel auf sicherem Erdboden, erhob sich das seltsame Gefährt, entglitt pfeifend und rauschend, kleiner werdend, in den Nachthimmel – und verschwand in der samtschwarzen Finsternis.“
Diese Rettungsaktion steht, soweit ich das beurteilen kann, allein auf weiter Flur. Mir ist keine vergleichbare Sage bekannt und auch kein UFO-Vorfall. Dass der fliegende Apparat zu einer „Kutsche“ wurde, macht Sinn in einer Zeit, in der es keine anderen Beförderungsmittel gegeben hat!ʬ
