Der Hinweis darauf, dass sie beim Sprechen ihren Mund nicht öffnete und man ihre Zähne nicht sehen konnte, deutet auf telepathische Kommunikation hin. Wobei unklar bleibt, ob die Entität – ungesehen für andere – wirklich vor Ort war oder „nur“ in den Köpfen der Seherinnen stattfand.
So merkwürdig wie ihr Verhalten war auch ihr „Abgang“ gewesen: Sie bewegte sich „wie auf Schienen gleitend“.
„Wenn die Jungfrau Maria wieder wegging, verschwand sie manchmal sofort, manchmal ging sie, wie sie gekommen war, langsam, ohne der Seherin den Rücken zuzudrehen, bis diese sie nicht mehr erkennen konnte.“
Da die Erscheinung zumeist, aber eben nicht immer, von den drei jungen Frauen gesehen wurde, muss es sich wohl um eine Form von Kommunikation gehandelt haben, die direkt in deren Gehirnen stattfand.
Offenbar wurden die Bilder und Geräusche „eingespeist“, was dazu führte, dass die Seherinnen immer wieder wie Steine zu Boden fielen. Offenbar waren sie wohl „überladen“ worden.
Es würde Sinn ergeben, auf Merkwürdigkeiten einzugehen, die im ersten von mir rezensierten Buch nicht erwähnt worden sind:
Das erste Geheimnis war privater Natur, die beiden anderen sollen globale Bedeutung haben und erst nach ihrem Tod veröffentlicht werden.
Sie hatte sicherlich mit die surrealsten Erlebnisse der Seherinnen. Es begann schon beim „Erstkontakt“:
„… hatte Nathalie das Gefühl, ihren normalen Bewusstseinszustand mehr und mehr zu verlieren und von Kibeho weg an einen anderen Ort zu gelangen. Sie befand sich schließlich ganz allein auf einer unbekannten, grasbewachsenen Ebene. Zunächst war es dunkel, von einem gewissen Moment an sah sie jedoch rote Kugeln, die in der Dunkelheit erschienen und eine nach der anderen vor ihren Augen zerbarsten.“
Darauf hörte sie die Stimme einer Frau, konnte sie jedoch nicht sehen. Es begann ein Dialog über Gebet, Sünde und Buße. Nach dieser „Vision“ befand sie sich wieder in der „Realität“, die sie physisch aber nie verlassen hatte. Neben sich bemerkte sie eine menschliche Gestalt mit unscharfen Konturen, die wieder verschwand.
Offenbar gab es „technische“ Probleme, da sich die „Maria“-Entität nicht richtig „entwickeln“ konnte. Dieser Aspekt wird bei Marienerscheinungen immer wieder berichtet.
So hatten etwa die Seherkinder von Fátima bereits vor ihrer ersten „richtigen“ Begegnung im Jahr 1917 von Schemen am Himmel und ähnlichen Strukturen berichtet, die sich aufzubauen schienen, dann jedoch in sich zusammenfielen. „Allmächtig“ ist das nicht.
Ich bin mir nicht sicher, ob es den Begriff „Paraslapstick“ gibt – wenn nicht, wurde er eben gerade erfunden. Damit sollen Verhaltensweisen „übersinnlicher“ Entitäten umschrieben werden, die wohl in das Spektrum eines Tricksters fallen.
Denn wir kommen jetzt wirklich in den Bereich der Kryptozoologie, da die Seherin einer phantomhaften Katze begegnete, die man in dem Bereich vielleicht als „Alien Black Cat“ (ABC) umschreiben könnte, auch wenn die Fellfarbe nicht ganz stimmte:
Wer denkt da nicht an das letzte Buch von Cutchin & Renner und die darin beschriebene „Weiße Frau“ mit dem Bigfoot? Aber es geht noch absurder: Die Erscheinung forderte die Seherin auf zu fasten. Als es dann so weit war, ereignete sich Folgendes:
„In diesem Moment sah sie eine geheimnisvolle Person in der Gestalt eines jungen Mannes, der eine kurze schwarze Hose trug und in anmutiger Pose in der Mitte des Zimmers stand, ohne ein Wort zu sagen. […] Dem Bericht der Seherin zufolge hielt der junge Mann eine Platte mit köstlichen Speisen in der Hand.“
Nathalie vertrieb ihn mit Weihwasser, worauf er spurlos verschwand. So etwas sollte wirklich mal verfilmt werden.
Schon in meinem ersten Beitrag hatte ich darüber berichtet, dass die Seherinnen „innere Reisen“ zu fernen Welten angetreten hatten, die ich durchaus als außerkörperlich ansehen würde. Das ist nicht ungewöhnlich und taucht etwa auch im Kontext des UFO-Phänomens bzw. der Abductions öfter auf. Hier eine „Innenansicht“:
„In Kibeho kam es oft vor, dass eine Seherin nach einer Erscheinung im Zustand der Ekstase verblieb. Dies konnte sich in Form einer ‚mystischen Reise‘ fortsetzen, bei der die Seherinnen wie tot erschienen. Während einer solchen Erfahrung seien sie nach ihrer eigenen Aussage in eine andere Welt versetzt gewesen, in ‚die Welt der Erscheinungen‘.
Sie beschrieben diesen Ort als eine Art Wiese, wo es nichts weiter gab als sehr weiches und sehr kurz geschnittenes Gras. Während der gewöhnlichen Ekstasen konnten sich Visionen von allen möglichen Dingen zeigen: Gegenständen, Personen, Heiligen, Visionen, die das persönliche Leben des Sehers betreffen, oder Szenen aus dem Leben Jesu.“
Offenbar befanden sie sich auf der „Benutzeroberfläche“ des Phänomens, seinem Holodeck, auf dem gewünschte Hologramme mit allerhand Inhalten abgespielt werden konnten.
Die Katholische Kirche schickte zwei Kommissionen los, um den Fall zu untersuchen. Die eine sollte sich mit den theologischen Aspekten beschäftigen, die andere medizinische Untersuchungen an den Seherinnen vornehmen.
Die Theologen bestätigten, dass die „Mutter des Wortes“ katholisch konform sei, und die Mediziner, dass die drei jungen Frauen gesund und geistig normal waren.
Bei Sinayobye fand ich nichts Näheres zu den Medizinern. Doch bei Hildegard Ufitamahoro ist in ihrem Buch „Die Jungfrau Maria spricht zur Welt“ aufgeführt, aus welchen Personen genau die Ärztekommission bestand:
„Der Bischof von Butare, zu dessen Bistum Kibeho zur Zeit der Erscheinungen gehörte, berief am 20. März 1982 eine Ärztekommission ein, die aus einem Psychiater, einem HNO-Arzt, dem Internisten eines Universitätskrankenhauses, einem Allgemeinmediziner und einem Anästhesisten bestand.“
Von 1979 bis 1981 wurden in Ruanda plötzlich Marienstatuen zerstört bzw. gestohlen. Ich frage mich, ob dies vielleicht mit vorhergehenden „Erscheinungen“ zu tun haben könnte, die danebengegangen waren und die Seher zu solchen Gewalttaten animierten?
Vielleicht überwogen damals bei der „Maria“-Entität die dämonischen oder surrealen Elemente so sehr, dass den Menschen aufging, dass sie es nicht mit einer göttlichen Sendbotin zu tun hatten. Die Täter hatte man damals übrigens nie gefunden und folglich nicht befragt bzw. verhört.
Die Aufgabe der hölzern wirkenden Entität was es, zwei Nachrichten zu überbringen:
1. Die Warnung vor dem Völkermord 1994 und den „Evergreen“-Weltuntergang … mal wieder. Was das ganze Theater mit den Uforbs, den fliegenden Untertassen („Sonnenwunder“), dämonischen Gestalten und der Phantomkatze bewirken oder eben nicht bewirken sollte, wird sich uns wohl nicht so bald erschließen.
2. Wirklich beeindruckt hat mich das grasige Holodeck, „die Welt der Erscheinungen“, auf dem man alles hochladen kann, was man möchte – und irgendwie bekommt man sogar das Bewusstsein von Menschen an diesen Ort, während der Körper ganz woanders ist.