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03/08/26

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Phänomene des Biedermeier

Der Sommer 2026 war mir zu heiß, um wirklich kreativ sein zu können; daneben wollte der neue Blog „raabulistic“ gefüttert werden, um nicht zu dürftig ins Internet treten zu müssen.
Es ist also Zufall, dass dieser Beitrag entsteht, geplant war er nicht. Denn mir ist eine sehr interessante Biografie in die Hände geraten, welche vom Maler und späteren herzoglichen Kammerherrn Wilhelm von Kügelgen stammt – übrigens in St. Petersburg gebürtig, wie ich.
Das Buch „firmiert“ unter dem Titel „Jugenderinnerungen eines alten Mannes“ und erschien kurz vor der Reichsgründung, die der Autor selbst nicht mehr erlebte. Mir liegt ein Nachdruck aus dem Jahre 1954 vor.
Zeitlich umfasst es die Phase der Befreiungskriege und reicht bis zum Jahr 1820, wo der Vater ermordet worden ist. Wilhelm von Kügelgen selbst wurde im Jahr 1802 geboren.
Erlebt wurden in diesem Leben, welches fast 65 Jahre währte, auch paranormale Phänomene, die uns hier beschäftigen sollen.
„Schlafzimmerbesuche“ unterliegen, wie alle anomalistischen Phänomene, „Trends“ bzw. „Moden“. 
Während heute „Aliens“ und „Schattenwesen“ die Nächte unsicher machen, waren es früher oft „Tiere“ übernatürlicher Natur. Auch der Autor begegnete keinen Weltraumtouristen, sondern animalischen Entitäten: 
Von Bären war da die Rede, Dachsen, Löwen und Panthern, die unter dem elterlichen Bett hervorkamen, um ihn zu schrecken. Angeführt wurde die sinistre Bande von einem diabolischen „Kalb“, welches ihn böse mit den Augen fixierte.
Wie hell oder dunkel es in dem Raum war, wissen wir nicht. Mag sein, dass die gespenstische „Nachthelle“ Einzug hielt, ein Licht, welches diese Besucher mit sich führen, um gesehen zu werden.
Kügelgen, der sich in seinem Bett bewegen konnte, schrie seine Eltern wach. Sein Vater lief in den Nebenraum, um Streichhölzer zu holen, während es für den kleinen Wilhelm so aussah, als ob das Kalb seinen Vater in der Mitte durchbiss.
Ob es sich dabei um ein Omen für dessen spätere Ermordung handelte? Kügelgen Senior wurde erschlagen und entkleidet in einer Ackerfurche entdeckt, von seinem Sohn und einem Polizeibeamten.
Interessant ist, dass die übergroßen Augen des Kalbes ein Vorzeichen kommender Greys sein könnten, deren überbordende Rindsglotzen uns allen bekannt sind. Der Spuk verschwand, als der Vater mit einem Lichte erschien.
Überrascht hat mich, dass sich der Autor nach der Beschreibung des Vorganges aus seiner Kindheit mit der indischen Maya-Philosophie auseinandersetzte, zu der ich ebenfalls etwas beigesteuert habe. 
Mir ist unklar, ob ihm Tulpas bekannt waren, erwähnt wird es nicht. Maya selbst geht davon aus, dass wir uns in einer traumartigen Scheinwelt befinden. Alles um uns herum, und auch wir selbst, sind Schall und Rauch.
In Brießnitz, an den Elbwiesen, begegnete er später im Leben untertags Irrlichtern, die aussahen wie kleine Flämmchen und sich erratisch und im Doppelpack durch die Gegend bewegten.
Daneben erwähnt er den Tod einer Botenfrau, die einem großen Irrlicht folgend ins Verderben lief. Dies soll sich zu oder bei Radeberg zugetragen haben.
Auch die Weiße Frau von Ortamünche im Berliner Königsschloss zu Weimar fand Erwähnung, die dort regelmäßig erscheinen soll.
Kügelgen hatte in besagten Jugendjahren zwei existenzielle Visionen:
1. Bei einer Wanderung nach Hummelshayn hatte er sich hoffnungslos verlaufen und musste im Wald kampieren, was ihm bei unzureichender Kleidung nicht gut bekommen wäre. Nach 10 Minuten wusste er plötzlich, wohin er sich zu wenden habe, und durchquerte trittsicher das fremde Gehölz, um am gewünschten Orte anzukommen. 
Er war ohne Karte und Ortskenntnis unterwegs und auf Schusters Rappen, da die zuvor benutzte Kutsche eine überlange Pause einlegen musste und der übermütige junge Mann der Ansicht war, den Weg schneller zu meistern.
Die zweite Vision befiel ihn an jenem Abend, an dem sein Vater ermordet worden war. Er befand sich gerade bei einer Chorprobe, als er plötzlich einen emotionalen Schock erhielt, mit dem Wissen, dass sein Vater gerade jetzt verstarb. 
Er brach die Stunde ab und lief nach Hause, suchte vergeblich nach dem Vater. Erst am nächsten Tag wurde der Leichnam entdeckt, wie ich weiter oben schon angemerkt habe.
Von Wilhelm von Kügelgen habe ich drei weitere Bücher erworben; sollten sich dort weitere Paranormalitäten finden, sie werden sich finden, wie ich schon weiß, gibt es hier eine dezente Fortsetzung!ʬ