Bereits in einem Beitrag zum Dreißigjährigen Krieg habe ich darauf hingewiesen, dass kriegerisches Geschehen gerne von himmlischen Erscheinungen flankiert worden ist! Ganz ähnlich verhält es sich beim Ersten Kreuzzug, der die europäischen Ritter nach Byzanz und darüber hinaus geführt hat!
Knapp zuvor tat sich aber schon etwas am Himmel Westeuropas: „Im Jahre 1094 erregten seltsame Himmelserscheinungen die ohnedies vom Aberglauben und Dämonenfurcht geprägte Phantasie des Volkes.“
Kaum waren die Kämpfer am Ort des Geschehens, diesmal in Heraklea, gab es am Himmel wieder etwas zu sehen:
„Es wird berichtet, dass ein feuriger Komet über der Stadt seine Bahn zog, als die Normannen nach einigen hitzigen Scharmützeln den Sieg über die rasch flüchtenden Türken feierten; und dass das Auftauchen dieses Gestirns ganz allgemein als günstiges Omen für den weiteren Verlauf des Feldzuges angesehen wurde…“.
Anomalien und die Heilige Lanze
Auch in Antiochia, der nächsten „Station“, hörten diese Anomalien nicht auf:
„Erdbeben und mysteriöse Himmelserscheinungen wirkten zudem nachhaltig auf die Psyche der Belagerer ein“.
Interessant ist, dass der Naturforscher Alexander von Humboldt eine ähnliche Kombination von Erdbeben und Himmelslichtern in Südamerika beobachten konnte! Zum Thema UFOs & Erdbeben gibt es auch ein Buch, welches bald einer Rezension unterzogen wird!
In der Regel bleibt es nicht beim „Himmelstheater“, früher oder später stellen sich auch „Seher“ ein, die angeben, „himmlische“ [welche sonst?] Botschaften und „Gesichte“ empfangen zu haben!
Antiochia war zwischenzeitlich von den Christen erobert worden, als „ein gewisser Peter Bartholomäus, ein schlichter Bauernjunge aus der Provence, bei Graf Raimund von Toulouse vorsprach…“.
Raimund von Agiles, einer der Begleiter des Grafen von Toulouse, hat uns genau überliefert, was den Kern der Erzählung dieses Peter Bartholomäus ausmachte:
„Andreas, der Apostel unseres Gottes und Herrn Jesus Christus, hat mir viermal verkündet und befohlen, ich solle zu Euch gehen und Euch aus der Stadt die Lanze bringen, die die Seite des Erlösers öffnete“.
Die Vision und die Feuerprobe
Das Traumbild, die Vision des jungen Mannes, war ziemlich präzise. Besagte Heilige Lanze sollte sich nämlich in der großen St.-Peter-Kathedrale befinden – und zwar vergraben im Boden! Man buddelte an besagter Stelle und wurde fündig! Da war sie! Parallel einher zeigte sich, dass Bartholomäus nicht alleine mit seiner „Lanzenvision“ stand:
„Nun entwickelte sich, dass zwei Männern in mehreren Visionen Christus und Heilige erschienen waren, um ihnen und damit allen Kreuzfahrern ein ermutigendes Zeichen zu geben … die heilige Lanze“.
Das geschah am 14. Juni. Ein Meteor durchquerte an jenem Tag überdies den Himmel und verglühte oberhalb des türkischen Lagers.
Die Lanze – warum schickte die himmlische Macht eigentlich nicht ein paar Ophanim, um die Feinde zu verheeren, oder waren das die Meteore? – hatte eine unglaublich motivierende Wirkung auf die in Antiochia eingekesselten Christen! Die brachen sich ihren Weg durch die Belagerer frei und schlugen Kerbogha, den Emir von Mosul!
Die Sache ging aber auch für Bartholomäus nicht gut aus: Um zu beweisen, dass er himmlische „Gesichte“ hatte, unterzog er sich einer „Feuerprobe“ und verbrannte!
Ob die „Himmlischen“ dazu rieten, um ihn somit als Zeugen aus dem Weg zu schaffen oder nicht, ist nicht zu sagen! Seine Visionen, die Himmelserscheinungen als auch sein Ende lassen mich an Savonarola und Jeanne d'Arc denken!
War auch hier, im Rahmen einer Ahnensimulation, in der Geschichte – von der „Zukunft“ aus – manipuliert worden?
Alle drei genannten Personen gingen in Flammen auf, sie zerfielen zu Asche in dem Glauben, mit einer höheren Macht in Verbindung zu stehen und deren Zielen zu dienen! Die „Heilige Lanze“ indes, sie verschwand für lange Zeit!
„Da seien zwei Männer in leuchtenden Kleidern zu ihm getreten, der ältere mit einem langen braunen Bart und schwarzen durchdringenden Augen, der jüngere schlanker und mit einem Gesicht, das man nicht beschreiben könne. […]
Da sei er aufgestanden und mit den beiden Männern mitgegangen und sie hätten ihn über die Stadtmauer ins feindliche Antiochia und dort in die Kirche des heiligen Petrus geführt. Nur zwei Lampen hätten in dem weiten Gewölbe gebrannt, und doch sei es hell wie am Mittag gewesen. […]
Der ältere Mann sei nach einer Weile zurückgekommen und habe eine Lanze in der Hand gehalten und zu ihm gesagt: ‚Gib acht, wo ich sie verberge, damit du sie nach der Einnahme Antiochias dem Grafen von Toulouse nachweisen könntest: zwölf Männer müssen graben, bis man sie findet!‘“
Anschließend hätten die beiden Männer Bartholomäus wieder zurückgebracht:
„In der Nacht vor der Grabung fuhr noch rechtzeitig als Fingerzeig Gottes ein Meteor über den Himmel, der auf das türkische Lager zu fallen schien“.
Gehäufte Himmelsphänomene im Krieg
Auch Lehmann berichtet über weitere merkwürdige Erscheinungen, die den Marschweg der Kreuzritter flankiert haben, etwa diverse „funkelnde Nordlichter“ am Mittelmeer!
Zwei Jahre zuvor gab es auch schon jede Menge „Action“ am Himmel:
„Um das Jahr 1095 gab es einen großen Schauer von Meteorsteinen, im gleichen Jahr erhellte ein ungeheures Nordlicht den ganzen Kontinent mit seinen funkelnden Farben und wenige Wochen später erschien ein Komet mit einem Schweif ‚größer als eines Mannes ausgebreitete Arme‘, der drei Wochen lang über den Himmel zog“.
Fast 300 Jahre zuvor wurde der Einfall der Normannen in Frankreich begleitet von himmlischen Zeichen „wie Feuerdrachen“!
Es ist schon merkwürdig, dass Meteore, Kometen, Nordlichter und „Feuerdrachen“ gehäuft dort auftreten, wo gekämpft wird. Ein Spektakel zu Erden als auch am Himmel!
Besonders fallen die „Nordlichter“ auf, die sich selbst im tiefsten Süden, am Mittelmeer, zeigen, wenn Schwerter gezückt und Schilder zur Phalanx erhoben werden!
Ich habe bisher noch kein Buch gefunden, in dem die türkische Perspektive des Ersten Kreuzzuges beschrieben worden wäre, würde mich aber nicht wundern, wenn auch deren Truppen von „Nordlichtern“ bestrahlt und von „Kometen“ und „Meteoren“ verfolgt / überflogen worden wären!
Bartholomäus' Bericht ist interessant, da die beiden Männer in der leuchtenden Kleidung nicht nur „strange“ daherkamen, sondern auch noch vermochten, ihn in die befestigte Stadt zu „hieven“ und von dort wieder herauszubringen.