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10/08/26

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Geisterinsel Elba

Napoleon lag nicht völlig daneben, als er entschied, Elba zu verlassen, um in Waterloo unterzugehen. Tatsächlich gab es britische Pläne, ihn viel weiter ins Exil zu schicken, so konnte er seinen Feinden zumindest noch zusetzen! Wer sich als Bonapartist über die Insel führen lässt, wird immer wieder auf Spukorte hingewiesen. 
So soll die Festung Fort Teglia auf Pianosa nicht ganz geheuer sein, so wie viele andere Orte, die nur äußerlich so malerisch wirken! Nach Einbruch der Dunkelheit soll es da ganz anders zugehen!
Dass mich Elba wieder beschäftigt, hat aber jetzt nichts mit dem kleinen Korsen zu tun, der ein ganz großer Weltherrscher auf Zeit geworden ist! 
Es sind vielmehr die Lebenserinnerungen eines Münchners, Fritz Franz Rosenthal, heute bekannter als Schalom Ben-Chorin, die mir den Weg wiesen!
Er lebte von 1913 bis ungefähr 1934/35 in der Isarmetropole, musste jedoch nach der „Machtergreifung“ und ihren Auswüchsen das Land verlassen.
Das Lesen seiner Autobiografie war für mich auch deshalb interessant, da er praktisch im gleichen Viertel wie ich aufgewachsen ist und sich viele unserer Lieblingsplätze und Aufenthaltsorte überschneiden!
Dass Rosenthal ein Vielleser und Spitzweg-Fan war, wie ich, rundet die Sache ab! Doch an Reinkarnation ist nicht zu denken, der Autor verstarb 1999 und da war ich bereits 29!
Seine Flucht in das zukünftige Israel kombinierte er mit seiner Heirat und so kam das Ehepaar auf Elba zu liegen! Hier nun spielte sich etwas ab, was eher in die Twilight Zone passen würde als in die Flitterwochen:
„Eine uns völlig unbekannte junge Russin [...] begegnete uns und nahm vorübergehend in unserer ‚Villa Corsetti‘ Quartier. Das junge Mädchen bereitete sich auf ihre Verehelichung vor, wurde von einem Jesuitenpater geistlich betreut und machte gelegentlich einen verstörten Eindruck, wobei sich mir die Ursache ihrer Depression nicht enthüllte.
Ganz unvermittelt war [...] [sie] aus unserem Kreis verschwunden, aber auf dem kleinen Friedhof der Insel entdeckten wir ein namenloses Grab, das statt einer Inschrift eine alte Fotografie zeigte – aus einer Zeit vor dem Ersten Weltkrieg –, die in allen Zügen [ihr] glich.
Die Ähnlichkeit war so frappierend, dass man eigentlich von Identität sprechen musste ... Es soll sich, wie ich erfuhr, um das Grab einer Unbekannten gehandelt haben, die vor Jahrzehnten zu einem kurzen Besuch auf der Insel weilte und dort plötzlich gestorben war!“ʬ